Wann sind Wärmenetze sinnvoll – und wann nicht

Neuverlegung eines Fernwärmenetzes im Bestand. Foto: Fachverband SHK NRW
Neuverlegung eines Fernwärmenetzes im Bestand. Foto: Fachverband SHK NRW

Ein rege­ne­ra­tiv bestück­tes Blockheizkraftwerk wärmt eine kleine Siedlung. Die Abwärme eines Kohlekraftwerks wärmt eine halbe Großstadt. Die kom­bi­nierte Erzeugung von Wärme und Strom ist effek­tiv. Dennoch: Immer ist ein Wärmenetz nötig. Und in des­sen Natur lie­gen zwangs­läu­fig Verluste. Doch wie groß dür­fen diese sein, soll sich ein Wärmenetz im Nah- oder Fernbereich trotz­dem tra­gen?

Wärmenetze boo­men. Wurden im Jahr 2000 noch sie­ben Prozent aller neu­ge­bau­ten Wohnungen in Deutschland mit Fern- und Nahwärme ver­sorgt, waren es 2015 bereits 20 Prozent. Auch in den Bestandswohnungen nimmt ihr Anteil zu, und zwar von zwölf Prozent vor 15 Jahren auf nun­mehr 13,5 Prozent. Gestützt wird dies teils durch Anschlusszwänge der Kommunen. Die wit­tern darin kom­mende, kon­ti­nu­ier­li­che und gut zu pla­nende Einnahmen für ihre Stadtwerke, die in aller Regel mono­pol­ar­tig die Wärmenetze befül­len.

Deswegen ist Fernwärme, ver­gli­chen mit ande­ren Energieträgern eine recht teure Wärmequelle. Das Fachmagazin Brennstoffspiegel sieht für den Oktober 2015 Fernwärme bun­des­durch­schnitt­lich bei 7,91 Eurocent je kWh (3.000 Liter Heizöl-Äquivalent). Erdgas kos­tete mit 6,60 Cent rund 16 Prozent weni­ger und Heizöl mit 5,11 Cent sogar 35 Prozent. Gerechnet seit dem Jahr 2000 bis 2014 mus­ste ein Haushalt mit Fernwärme rund 4.100 Euro mehr für die Wärmeenergie aus­ge­ben als ein ver­gleich­ba­rer ölbe­heiz­ter Haushalt. Im Gegenzug mus­ste letz­te­rer natür­lich die Kosten für Wartung, Schornsteinfeger und even­tu­elle Reparaturen auf­brin­gen, die bei der Fernwärme ent­fal­len. Fernwärme ist den­noch teu­rer.

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Die Fernwärme steht wegen die­ser mono­pol­be­ding­ten Kosten im Fokus des Bundeskartellamtes. Während viele Wärmenetzbetreiber durch­aus markt­fä­hige, sprich mit ande­ren Wärmeträgern ver­gleich­bare Preise ver­lan­gen, haben andere ihre Monopolstellung aus­ge­nutzt. Gegen sie­ben lei­te­ten die Kartellwächter Verfahren ein. 2016 wer­den dar­auf­hin die ers­ten Fernwärmeversorger ihre Preise sen­ken. In Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern haben einige Versorger ihre Tarife bereits auf Druck der Landeskartellbehörden ange­passt.

Verbraucherschützern reicht dies nicht. Denen sind die Befugnisse der Aufsichtsbehörden nicht aus­rei­chend, um auch in Zukunft Missbräuche zu unter­bin­den. Das Hamburg Institut ermit­telte, dass die Vorgaben bei Vertrags- und Preisgestaltung, Veröffentlichung der Preise oder Informationen über die Qualität der Fernwärme deut­lich hin­ter denen im Gas- und Strombereich zurück­fie­len. Deswegen for­dert die Verbraucherschutzzentrale Änderungen ver­schie­de­ner Energiegesetze.

Netze nur bei Akzeptanz

Dieses Verhalten der Versorger trübt die Akzeptanz, die beim Neubau von Wärmenetzen Grundvoraussetzung ist. Nur wenn alle Beteiligten zustim­men, las­sen sich ent­spre­chende Projekte rea­li­sie­ren – außer durch Anschlusszwänge. Zuallererst sind dies die Wärmekunden. Denn sie bin­den sich meist Jahrzehnte lang an einen Wärmeträger – ohne Aussicht, die­sen bei ungüns­ti­gen Preisentwicklungen oder bes­se­ren Technologien wech­seln  zu kön­nen. Hinzu kom­men die Bauherren und die Politiker, die auf kom­mu­na­ler Ebene ein geeig­ne­tes Umfeld schaf­fen müs­sen. Dafür müs­sen die Vorteile über­wie­gen, aber auch die Nachteile der Netze klar benannt wer­den.

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Wann sind Netze wirtschaftlich

Doch wann ist ein Netz über­haupt wirt­schaft­lich? Wie für vie­les im Leben gibt es auch für die Effizienz von Wärmenetzen einen Wert. Und der heißt „15 Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche im Jahr“ (siehe auch Kasten Parameter: Wärmenetz für den Neubau). Dieser Wert bezeich­net den Maximalverlust, den ein Wärmenetz über­haupt in einem Neubauvorhaben auf­wei­sen dürfte, um ren­ta­bel zu sein. Liegt der Wert dar­über, loh­nen sich aus­nahms­los dezen­trale Wärmeversorger. Wichtig für die Rentabilität sind auch die Trassenverluste und die Anschlussdichte, die den Verteilnutzungsgrad aus­ma­chen. Und der sollte nach Meinung von Gunnar Eikenloff, der am Wolfenbütteler EOS – Institut für ener­gie­opti­mierte Systeme forscht, nie 90 Prozent unter­schrei­ten. An die­sen Wert ori­en­tie­ren sich etwa Anbieter wie die Stadtwerke Leipzig. …

Ein Beitrag, wie die Zukunft der Wärmenetze aus­se­hen könnte, haben meine Energieblogger-Kollegen von Ecoquent Positions hier ver­fasst.


Gekürzt. Geschrieben für Immobilienwirtschaft. Der voll­stän­dige Beitrag erschien in der Nummer 02/2016. Er ist auch hier online auf Seite 54 bis 57 zu lesen. Zum Abonnement der Zeitschrift Immobilienwirtschaft geht es hier.