Power‐to‐Heat braucht Strommarkt‐Reform

Power-to-Heat funktioniert ähnlich wie ein Tauchsieder. Foto: Simon. A. Eugster/Wikimedia
Power-to-Heat funktioniert ähnlich wie ein Tauchsieder. Foto: Simon. A. Eugster/Wikimedia

Viele Mög­lich­kei­ten gibt es, um der Ener­gie­wende zum Erfolg zu ver­hel­fen. Seit einiger Zeit in der Dis­kus­sion ist Power‐to‐Heat. Damit sollen zwei Fliegen mit einer Klappe geschla­gen werden. Die erste wäre der Heizöl‐oder Erd­gas­ver­brauch, die zweite über­schüs­si­ger Öko­strom.

Kurz gesagt geht es dabei um fol­gen­des: Der Warm­was­ser­spei­cher, über den jede Heizöl‐ oder Erd­gas­hei­zung verfügt, wird mit einer Art Tauch­sie­der aus­ge­stat­tet. Immer, wenn genü­gend oder zu viel Öko­strom aus Wind und Sonne zur Ver­fü­gung steht, zieht dieser Tausch­sie­der genau jene Energie aus dem Netz, heizt so den Spei­cher auf und mindert damit den Ver­brauch des jewei­li­gen fos­si­len Brenn­stoffs.

Das Problem bisher: Wie bindet man die vielen Öl‐ und Gas­hei­zun­gen in das Strom­netz ein und stattet sie so intel­li­gent aus, dass sie von allein wissen, wann sie Strom aus dem Netz ziehen sollen und wann nicht. Darauf ver­suchte das Insti­tut für Wärme und Oel­tech­nik (IWO) während einer Halb­tags­ver­an­stal­tung zu den Ber­li­ner Ener­gieta­gen Ant­wor­ten zu geben. Ganz konkret unter­suchte Prof. Dr. Ralf Simon von der FH Bingen, wie eine Ölhei­zung in den Strom­kreis­lauf ein­ge­bun­den werden kann. Dazu fer­tigte er eine kom­plette Aus­rüs­tung für die Ölhei­zung und eine ent­spre­chende Rege­lung. Zudem wurde die Heizung nicht in den nor­ma­len Strom­markt ein­ge­bun­den, sondern in den Regel­en­er­gie­markt, also jenen Bereich des Strom­mark­tes, der bei unvor­her­seh­ba­ren Ereig­nis­sen per Netz­an­pas­sun­gen dafür sorgt, dass jeder Ver­brau­cher die Ener­gie­menge bekommt, die er braucht.

Über die Teil­nahme an diesem Regel­en­er­gie­markt wäre sogar eine Refi­nan­zie­rung des Pro­jek­tes möglich. Am Regel­en­er­gie­markt können Anbie­ter ab 5 MW Leis­tung teil­neh­men. Eine ein­zelne Heizung kann dies nicht, da sie in der Regel um die 20 kW oder sogar weniger hat. Des­we­gen müssten immer mehrere Hei­zun­gen zu einem vir­tu­el­len Kraft­werk zusam­men­ge­schlos­sen werden.

Eine weitere und deut­lich weniger auf­wän­di­gere Mög­lich­keit wäre die Nutzung von selbst erzeug­tem Photovoltaik‐Strom. Dieser könnte direkt für die Heizung genutzt werden.

Simon Jastrzab vom IWO erläu­terte noch eine Modell­an­lage, die in Berlin steht. Hier läuft derzeit ein Feld­ver­such, der auch die Ein­spa­run­gen an Heizöl ermit­teln soll, die mit Power‐to‐Heat möglich sind.

Derzeit ist Power‐to‐Heat jedoch noch Zukunfts­mu­sik, da die Preise für fossile Brenn­stoffe (7 bis 10 Euro­cent je kWh) deut­lich unter denen für Strom (25 bis 30 Eurcent je kWh) liegen. Erst ein refor­mier­ter Strom­markt würde Power‐to‐Heat auch flä­chen­de­ckend wirt­schaft­lich machen.

Geschrie­ben für Bund der Ener­gie­ver­brau­cher. Ori­gi­nal­bei­trag hier.

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