VNG-Sitz in Leipzig. Foto: Urbansky

VNG mit 224 Mio. Gewinn – Großteil aus Netzverkauf

von | 5. März 2015

Die Verbundnetz Gas AG (VNG), das einzige ostdeutsche Unter­nehmen unter den 100 größten in Deutschland, hat zum dritten Mal seit dem Verlustjahr 2011 einen erneut höheren Über­schuss erzielt. 2014 waren es 224 Millionen Euro (nach 132 Millionen Euro 2012 und 174 Millionen Euro 2013).

Die VNG-​Gruppe, in der auch alle Toch­ter­un­ter­nehmen und Betei­li­gungen bilanziert

Der Vorstand der VNG bei der Vorstellung der Bilanz für 2014. Foto: Urbansky

Der Vorstand der VNG bei der Vorstellung der Bilanz für 2014. Foto: Urbansky

werden, kam ebenfalls auf einen Gewinn, und zwar von 184 Millionen Euro. Zur heutigen Bilanz­pres­se­kon­ferenz stellte der Vorstands­vor­sit­zende Dr. Karsten Heuchert diese Zahlen vor. Wie der Gewinn aller­dings entstand, wurde in der Bilanz­pres­se­kon­ferenz nicht ganz klar. Erwähnt wird von Heuchert der Verkauf des 50-%-Anteils des Gasnetz­be­treibers EVG Thüringen-​Sachsen als maßgeblich für das Ergebnis. Da dieser nicht einzeln bilan­ziert ist und aufgrund der verein­barten Vertrau­lichkeit nicht öffentlich gemacht wird, bleiben nur Mutmaßungen.

Der Anteil dürfte jedoch wesentlich sein, da die vier Geschäfts­ge­biete der VNG sich höchst unter­schiedlich entwi­ckeln. So trägt der Gastransport via VNG-​Tochter Ontras maßgeblich zum Ergebnis bei, während das neu aufge­baute Geschäftsfeld Explo­ration und Produktion, hier besonders in Norwegen, 2014 eine stark investive Phase erlebte. Nach Angaben von Produk­ti­ons­vor­stand Hans-​Joachim Polk floss hier hinein eine mittlere zwei­stellige Millio­nen­summe – also ein Bereich, der das Ergebnis belastete. Tenden­ziell sieht Polk hier genug Potenzial, unge­achtet des derzeit niedrigen Ölpreises und der damit in Folge auch fallenden Gaspreise. Selbst bei einem Preis von 60 US-​Dollar je Barrel für Brent, so Finanz­vor­stand Bodo Rodestock, würde sich das Enga­gement mittel­fristig rechnen.

Schwaches Spei­cher­ge­schäft

Das Spei­cher­ge­schäft trägt ebenfalls wenig zum Ergebnis bei, da dies derzeit nicht profi­tabel zu betrieben ist. „Leider ist der Markt derzeit nicht bereit, für Versor­gungs­si­cherheit eine entspre­chende Prämie zu zahlen. Die Liqui­dität, verur­sacht durch die Über­ver­sorgung der Märkte, ist derzeit einfach zu groß. Dies muss aber nicht so bleiben. Wir gehen mittel- bis lang­fristig davon aus, dass sich der Spei­cher­markt wieder erholt“, so Heuchert. Die VNG wird zudem den Speicher Buchholz, der 5 Prozent des Spei­cher­vo­lumens des Unter­nehmens ausmacht, schließen. Dies soll bis 2023 abge­schlossen sein. Die entspre­chenden Mittel dafür wurden vom Unter­nehmen nach Angaben von Rodestock bereits zurückgestellt.

Handel bringt Masse

Bliebe als viertes Geschäftsfeld noch der Handel. Die VNG bezieht inzwi­schen das Gros des Erdgases von Spot­märkten und anderen Börsen. 263 Mrd. kWh der insgesamt 364 Mrd. kWh bezogenen Erdgases kommen vor dort. Und da gehen sie auch wieder hin. 200 Mrd. kWh von 368 Mrd. kWh wurden so vertrieben. 63 Mrd. kWh bezogen Industrie und Kraft­werke, 99 Mrd. kWh Weiter­ver­teiler wie Stadt­werke und Regio­nal­ver­sorger. Immerhin 5,1 Mrd. kWh gingen an Endver­braucher, hier vorrangig durch den Zukauf der Goldgas 2013. Goldgas versorgt inzwi­schen 157.000 Kunden in Deutschland und Öster­reich. Aller­dings sind die Margen im Handels­ge­schäft schwach. Hier könnte die pure Menge einen wesent­lichen Beitrag zum Gesamt­ergebnis beigetragen haben. Denn bei diesen Mengen zählt die VNG weiterhin zu den drei größten Gasver­sorgern in Deutschland und bleibt der größte in Ostdeutschland.

Dennoch: Der Verkauf der EVG wird für das Spitzen-​Erlös-​Ergebnis wesentlich gewesen sein. Heuchert kündigte deshalb für 2015 ein nied­ri­geres Ergebnis an.

Verkauf der VNG schon im Sommer?

Die Aktionäre der VNG dürfen sich nun über 73 Mio. Euro Dividende freuen, allen voran der Olden­burger Regio­nal­ver­sorger EWE mit ihren rund 64 % Anteilen. Passend zur Veröf­fent­li­chung der Bilanz schrieb die süddeutsche Zeitung heute in einem Hinter­grund­beitrag über die Pläne der Aktionäre für die VNG. Demnach führe die LVV, die für die Stadt Leipzig die Anteile hält, mit dem austra­li­schen Finanz­in­vestor Macquarie, der auch schon beim EVG-​Verkauf zum Zuge kam, Gespräche zum Kauf der VNG-​Anteile von EWE, da der hoch­ver­schul­deten Stadt Leipzig dafür die finan­zi­ellen Mittel fehlten. Kolpor­tiert werden 1,4 Mrd. Euro als Kaufsumme. Erste Ergeb­nisse dazu könnten im Sommer vorliegen. Kritiker befürchten, dass die Australier sich die Filet­stücke wie die Ontras heraus­greifen und die anderen, derzeit riskanten Bereiche bei den bishe­rigen Aktio­nären belassen könnten. Das wären vorrangig Kommunen, die dann vor einem großen finan­zi­ellen Risiko stünden.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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