Solar­ther­mie vs. KWK – zumin­dest für den Sommer

Solarthemriekraftwerk der VOJENS FJERNVARMEVÆRK im dänischen Vojens mit insgesamt 70.000 Quadratmetern Kollektorfläche und 50 MW Leistung. Links ist ein 14 Meter tiefer Wärmespeichr zu sehen, der Warmwasser für den Winter speichert. Foto: Arcon Sunmark
Solarthemriekraftwerk der VOJENS FJERNVARMEVÆRK im dänischen Vojens mit insgesamt 70.000 Quadratmetern Kollektorfläche und 50 MW Leistung. Links ist ein 14 Meter tiefer Wärmespeichr zu sehen, der Warmwasser für den Winter speichert. Foto: Arcon Sunmark

Der Ener­gie­gip­fel letzte Woche hat die Gas-KWK wieder in den Mit­tel­punkt der Dis­kus­sion gerückt. Nach dem Willen der Koali­tion soll diese stärker geför­dert werden. Das wie­derum stößt bei Ver­tre­tern der Solar­ther­mie auf Unver­ständ­nis.

Denn, so die ein­fa­che, aber schwer logi­sche Dis­kus­sion – Im Sommer, wenn in Deutsch­land genü­gend Sonne scheint und kaum Wär­me­en­er­gie gebraucht wird, könnte die Solar­ther­mie die Ver­sor­gung über­neh­men – ohne das Ver­bren­nen von Erdgas.

Damit man es sich mit den KWK-Leuten, die sich ja teils auch im Erneuerbaren-Boot befin­den, nicht ver­dirbt, schlägt der BSW Solar nun vor, in den Som­mer­mo­na­ten die KWK nicht zu fördern. Damit diese jedoch keine finan­zi­el­len Ein­bu­ßen erlei­det, soll die För­der­dauer zeit­lich gestreckt werden,w as mit dem bis­he­ri­gen Ver­gü­tungs­mo­dell schon funk­tio­nie­ren würde.

Zudem: Eine KWK-Förderung führe im Sommer dazu, dass die begrenzte Wär­me­last in den Wär­me­net­zen durch KWK-Wärme besetzt werde und keine Kapa­zi­tä­ten zur Auf­nahme Erneu­er­bare Ener­gien mehr vor­han­den sind. Damit würde die fossil erzeugte KWK-Wärme den Markt zulas­ten Erneu­er­ba­rer Ener­gien ver­stop­fen und dem Strom­sys­tem Fle­xi­bi­li­tät rauben.

Eine ganz­jäh­rige Sub­ven­tio­nie­rung der Kraft-Wärme-Kopplung aus fos­si­ler Energie ist für den Kli­ma­schutz kon­tra­pro­duk­tiv. KWK-Anlagen sollten nur in der Heiz­pe­ri­ode laufen und eine Som­mer­pause ein­le­gen. In dieser Zeit könnten Solarthermie-Anlagen deut­lich umwelt­freund­li­cher in die Wär­me­netze ein­spei­sen und mit­tel­fris­tig bis zu fünf Mil­lio­nen Tonnen Koh­len­di­oxid pro Jahr ein­spa­ren“, so Carsten Körnig, Haupt­ge­schäfts­füh­rer des BSW-Solar. „Es wäre gera­dezu absurd, wenn der inzwi­schen weit­ge­hend wett­be­werbs­fä­hi­gen Solar­wärme durch eine erhöhte Sub­ven­tio­nie­rung fos­si­ler Energie der Markt­zu­gang verbaut wird.“

Große Solar­wär­me­an­la­gen könnten nach Meinung des BSW Solar Wärme für drei bis fünf Cent je Kilo­watt­stunde erzeu­gen. Schön­heits­feh­ler nur: In Deutsch­land gibt es solche Anlagen kaum. Des­we­gen schaut man sehn­süch­tig nach Däne­mark. Dort wird diese Tech­no­lo­gie bereits in großem Umfang ein­ge­setzt (und an dieser Stelle werden in nächs­ter Zeit mehrere dieser Anlagen vor­ge­stellt).

Nicht zuletzt des­we­gen soll die För­de­rung von KWK-Strom im neuen KWK-Gesetz nach einem Über­gangs­zeit­raum ab dem Jahr 2018 auf die Heiz­pe­ri­ode kon­zen­triert werden, um den inter­es­sier­ten Kom­mu­nen und Stadt­wer­ken den Ein­stieg in solar­ther­mi­sche Wär­me­netze zu ermög­li­chen. Die KWK-Betreiber werden über diese For­de­rung nicht aus­nahms­los erfreut sein.

Wich­tigs­tes Argu­ment pro Solar­ther­mie ist nach Körnig die bessere Plan­bar­keit, da sie keine zukünf­tig schwan­ken­den Kosten wegen des Brenn­stoffs kenne.

Ob die Kom­mu­nen – meist eh schon geplagt mit schlecht aus­ge­las­te­ten Gas-KWK – anbei­ßen, bleibt abzu­war­ten. Die Inves­ti­tio­nen für die Solar­ther­mie wären im Anfang üppig. Bau­recht­li­ches wäre zu klären, denn letzt­lich macht groß­flä­chige Solar­ther­mie nur Sinn, wenn diese in ein nahe­lie­gen­des Wär­me­netz ein­ge­speist werden kann. Zwar klingt die Aus­sicht auf Erzeu­gungs­kos­ten von 3 bis 5 Euro­cent je kWh nicht übel, ab er die wurden in Däne­mark erst erreicht nach gut 40 Jahren Erfah­rung. Denn bereits seit der ersten Ölkrise 1973 beschrei­tet unser nörd­li­cher Nachbar einen wohl­do­sier­ten Weg weg von den Fos­si­len.

Zwar kann man von den Dänen lernen. Doch 1:1 auf Deutsch­land lassen sich die dor­ti­gen Wärmemarkt-Verhältnisse eben nicht über­tra­gen. Dafür fehlen nicht nur poli­ti­sche Rah­men­be­din­gun­gen, sondern über­haupt der poli­ti­sche Wille, die Wär­me­wende, in die der an sich schlüs­si­gen Vor­schlag des BSW gut rein­passt, endlich zu meis­tern.

Vor­schau­bild: Solar­them­rie­kraft­werk der VOJENS FJERNVARMEVÆRK im däni­schen Vojens mit ins­ge­samt 70.000 Qua­drat­me­tern Kol­lek­tor­flä­che und 50 MW Leis­tung. Links ist ein 14 Meter tiefer Wär­me­speichr zu sehen, der Warm­was­ser für den Winter spei­chert. Foto: Arcon Sunmark

1 Kommentar

  1. Ich habe für den Sommer Solar­ther­mie und werde meinen alten Gas­kes­sel für den Winter durch KWK (Stir­ling­mo­tor­hei­zung) erset­zen.

    Aber da kommt der nächste Stol­per­stein, meine KWK läuft dann, weil gut gedämmt und ST für den Sommer, im Winter vor­aus­sicht­lich nur 800 – 1000h/a, und das im opti­ma­len Betriebs­fens­ter und ohne Zusatz­bren­ner. Zudem passt die Menge des erzeug­ten Stroms gerade so zu meinem Bedarf im Winter, den die PV nicht erzeugt – eine aus­rei­chend große PV-Batterie ist eben­falls vor­han­den.

    För­de­rung für KWK gibt es aller­dings erst ab 2000h/a !!

    Pri­va­ter Rat eines Ener­gie­be­ra­ters, rechne den Bedarf, als ob du keine ST hast (könnte ja kaputt­ge­hen oder durch die KWK ersetzt werden…), um auf die 2000h/a zu kommen. Da muss ich mein Haus aber richtig schlecht rechnen. ob das gelingt ???

    So ist das in D, man wird sogar noch dafür bestraft, dass man ordent­lich iso­liert (ohne För­de­rung) hat und eine ST betreibt und damit einen nied­ri­gen Ener­gie­ver­brauch hat – oder muss selber »schum­meln«.

    LG jogi

2 Trackbacks / Pingbacks

  1. Wärmewende Wärmepumpe | EnWiPo Energie­Wirtschaft­Politik
  2. Biomasse Co2-Bilanz | EnWiPo Energie­Wirtschaft­Politik

Kommentare sind geschlossen.