Grillt die Sonne dieses Jahr die Weih­nachts­gans?

Vorschaubild: PantherMedia / Andrea Lück
Vorschaubild: PantherMedia / Andrea Lück

Aus dem Archiv (aber passt ja jedes Jahr um diese Zeit aufs neue).

Die Gän­se­bra­ten­spitze geis­tert alle Jahre wieder kurz vor dem Weih­nachts­fest durch die Gazet­ten – so auch dieses Jahr. Gemeint ist damit der am ersten Weih­nachts­fei­er­tag von 9 bis 12 Uhr zu beob­ach­tende Effekt, nachdem der Strom­ver­brauch pri­va­ter Haus­halte auf 480 GWh hoch­schnellt – ein Drittel mehr als sonst üblich. Zuge­schrie­ben wird das den Haus­hal­ten, die über einen Elektro-Backofen ver­fü­gen und in diesem ihren Weih­nachts­bra­ten, meist eine Gans zube­rei­ten.

Also 160 GWh, die von den Strom­pro­du­zen­ten in diesen drei Stunden bereit­ge­stellt und von den Netz­be­trei­bern ver­teilt werden müssen. Mein Energieblogger-Kollege Thors­ten Zoerner beleuch­tet hier schön die wirt­schaft­li­chen Hin­ter­gründe des Ganzen und warum dies alles kein Problem ist.

Dennoch sprin­gen jedes Jahr Ver­sor­ger auf diesen Gän­se­bra­ten­zug auf und ver­tei­len Pres­se­mit­tei­lun­gen, so in diesem Jahr auch die Bay­ern­werke. Die warten noch mit einem beson­de­ren Detail auf:

Seit dem Jahr 2010 kommt im Netz­ge­biet des Bay­ern­werks am 25. Dezem­ber zuneh­mend die Pho­to­vol­taik ins Spiel, um die Gänse in den Back­öfen gold­braun werden zu lassen. Heute speisen knapp 260.000 Photovoltaik-Anlagen in das Netz des Bay­ern­werks ein. Bei opti­ma­len Wet­ter­be­din­gun­gen ist die gesamte Erzeu­gungs­leis­tung dieser Anlagen immens: Im Jahr 2015 gab es mehrere Tage, an denen die Strom­ein­spei­sung aus diesen Anlagen über 4.000 Mega­watt lag. Das ent­spricht der Leis­tung von vier Groß­kraft­wer­ken. Im Jahr 2012 bei­spiels­weise wurde die Gän­se­bra­ten­spitze im Bayernwerk-Netz nahezu gänz­lich durch Pho­to­vol­taik abge­deckt. Ein Zuschal­ten kon­ven­tio­nel­ler Kraft­werks­re­ser­ven war nahezu nicht erfor­der­lich.

Schön für das solar­an­la­gen­rei­che Bayern. Doch wie sieht es im Rest der Repu­blik für über­mor­gen aus?

Erwar­tet wird son­nen­rei­ches Wetter, und das von Nordsee bis Alpen­rand. Also kann einer Ein­spei­sung ab 9 Uhr, wenn die Gän­se­bra­ten­spitze losgeht, nix ent­ge­gen­ste­hen. Abge­deckt werden müssen 160 GWh, ver­teilt auf 3 Stunden, also rund 53 GWh je Stunde. In Deutsch­land sind gut 40 GW PV-Leistung instal­liert. Bei wol­ken­freien Himmel ist diese gut abruf­bar, auch wenn die Leis­tung im Winter nach­lässt, da die Sonne ungüns­ti­ger steht. Immer­hin — Schnee gibt es deutsch­land­weit keinen, der die PV-Strom-Produktion ver­hin­dert.

Die warme Wit­te­rung hat aber auch einen Nach­teil: Denn der Ertrag steigt nur bei sin­ken­den Tem­pe­ra­tu­ren, also um etwa 4 % bei 10 Kelvin weniger. Es bleibt jedoch auch am 1. Weih­nachts­fei­er­tag früh­lings­haft. Da die Solar­an­la­gen ihren Peak um 12 Uhr erreicht, wenn die Sonne am höchs­ten steht (obwohl sie ja über­mor­gen nicht wirk­lich hoch­steht), geben wir den PV-Modulen mal eine über­schlä­gige Leis­tungs­fä­hig­keit von 30 %. Hoch­ge­rech­net auf die 40 GW würden das 12 GWh je Stunde bedeu­ten. Der Gän­se­bra­ten könnte also nicht mal ange­gart werden, wenn der Bedarf bei 53 GWh liegt.

Doch auch hier naht Rettung von den Erneu­er­ba­ren: Denn über­mor­gen herr­schen gut 6 bis 7 Knoten Wind. Das reicht aus, um selbst eine 2,5-MW-Windkraftanlage zu bewegen. Alle deut­schen Wind­an­la­gen haben eben­falls rund 40 GW instal­lierte Leis­tung auf­zu­bie­ten – unab­hän­gig von tiefer Sonne, Wolken und anderen Stö­ren­frie­den. Unsere Gans könnte also durch­aus mit Erneu­er­ba­ren gebra­ten werden. Die Sonne allein schafft dies jedoch nicht.

Vor­schau­bild: Pan­ther­Me­dia / Andrea Lück

2 Kommentare

  1. Haben wir jetzt schon 2,5-GW-Windkraftanlagen?
    Die müssten hoch­ge­rech­net einen Rotor­durch­mes­ser von 3200 Metern haben. Ne, da glaube ich jetzt doch nicht dran.

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