Foto: Ikea

Ikea Berlin heizt und kühlt mit Abwasser

von | 27. April 2016

In der Kana­li­sation ist’s feucht und warm. Ratten schätzen das. Aber nicht nur sie. Findige Inge­nieure setzen auf die Abwärme der unter­ir­di­schen Reiche. Denn wozu für Wärme­pumpen tiefe Löcher bohren, wenn deutlich höhere Tempe­ra­turen quasi direkt unter den Füßen entlang fließen – ungenutzt, wenn auch nicht gerade gut riechend. Eine Wärme­pumpe jedoch stört das nicht.

Hier schlummert die Wärme: Kanalisation. Foto: Makunin / Pixabay

Hier schlummert die Wärme: Kana­li­sation. Foto: Makunin /​Pixabay

Auf den Berliner Ener­gietagen wurden mehrere Projekte vorge­stellt, die Abwärme von Kana­li­sa­tionen mittels Wärme­pum­pen­technik nutzen. Manfred Fricke von Groß­wär­me­pum­pen­bauer Ochsner zeigte anhand von Ikea in Berlin-​Lichtenberg, wie sich ein sehr großes gewerblich genutztes Gebäude mit Wärme aus einem Abwas­ser­kanal gut heizen lässt, und das schon seit 2011.

Im Winter wird mit Hilfe von Wärme­pumpen dem Abwasser in der Kana­li­sation Wärme entzogen und für die Gebäu­de­heizung auf rund 35°C erhitzt. Im Sommer hingegen wird zur Kühlung die Wärme des Einrich­tungs­hauses wiederum ins Abwasser geleitet. Dafür verlegte IKEA unter­ir­disch eine 200m lange Abwas­ser­druck­leitung, die an das kommunale Abwas­sernetz ange­schlossen wurde. Durch sie strömt eine Abwas­ser­menge von 500.000 bis 1,4 Mio. Litern pro Stunde. IKEA inves­tierte rund 70 Mio. Euro. Die tech­ni­schen Inno­va­tionen, darunter 3 Groß-​Wärmepumpen von OCHSNER, bringen eine Einsparung von ca. 1.270 Tonnen CO2.

Tech­nische Daten der Ikea-​Anlage in Berlin-Lichtenberg:

  • Inbe­trieb­nahme: 2011
  • Wärme­quelle: Abwasser Drucksystem
  • Wärme­pumpen Type: 3 x IWWS520ER2
  • Kompressor Type: Schraube, R134a
  • Quellen­tem­pe­ratur: 10°C
  • Vorlauf­tem­pe­ratur: 40°C
  • Heiz­leistung: 3 x 500 kW

Das Potenzial dieser wirklich nicht anrü­chigen Ener­gie­quelle hat auch die Dena entdeckt und ein entspre­chendes Förder­pro­gramm für 10 Leucht­turm­pro­jekte aufgelegt, die sich aller­dings nicht nur aus Abwasser-​Wärme speisen müssen. Gefördert werden:

  • Ener­gie­be­ratung zur Erstellung eines Abwär­me­kon­zepts: 60 % der förder­fä­higen Beratungskosten
  • maximal 3.000 € Zuwendung bei einer nach­ge­wie­senen Endener­gie­ein­sparung von 25 %
  • 30 % der zuwen­dungs­fä­higen Kosten für kleine und mittlere Unternehmen
  • 20 % der zuwen­dungs­fä­higen Kosten für sonstige und große Unternehmen

Alle Vorträge des Moduls Wärme­rück­ge­winnung – Chancen und Poten­ziale bei den Berliner Ener­gietagen finden sich hier.

Über den Aufwand, der für die Wärme­er­zeugung generell betrieben werden muss, schreibt Energieblogger-​Kollege Olof E. Matthaei hier auf seinem Blog energie effizent sparen.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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