Ikea Berlin heizt und kühlt mit Abwas­ser

Foto: Ikea
Foto: Ikea

In der Kana­li­sa­tion ist’s feucht und warm. Ratten schät­zen das. Aber nicht nur sie. Findige Inge­nieure setzen auf die Abwärme der unter­ir­di­schen Reiche. Denn wozu für Wär­me­pum­pen tiefe Löcher bohren, wenn deut­lich höhere Tem­pe­ra­tu­ren quasi direkt unter den Füßen entlang fließen — unge­nutzt, wenn auch nicht gerade gut rie­chend. Eine Wär­me­pumpe jedoch stört das nicht.

Hier schlummert die Wärme: Kanalisation. Foto: Makunin / Pixabay
Hier schlum­mert die Wärme: Kana­li­sa­tion. Foto: Makunin / Pixabay

Auf den Ber­li­ner Ener­gieta­gen wurden mehrere Pro­jekte vor­ge­stellt, die Abwärme von Kana­li­sa­tio­nen mittels Wär­me­pum­pen­tech­nik nutzen. Manfred Fricke von Groß­wär­me­pum­pen­bauer Ochsner zeigte anhand von Ikea in Berlin‐Lichtenberg, wie sich ein sehr großes gewerb­lich genutz­tes Gebäude mit Wärme aus einem Abwas­ser­ka­nal gut heizen lässt, und das schon seit 2011.

Im Winter wird mit Hilfe von Wär­me­pum­pen dem Abwas­ser in der Kana­li­sa­tion Wärme ent­zo­gen und für die Gebäu­de­hei­zung auf rund 35°C erhitzt. Im Sommer hin­ge­gen wird zur Kühlung die Wärme des Ein­rich­tungs­hau­ses wie­derum ins Abwas­ser gelei­tet. Dafür ver­legte IKEA unter­ir­disch eine 200m lange Abwas­ser­druck­lei­tung, die an das kom­mu­nale Abwas­ser­netz ange­schlos­sen wurde. Durch sie strömt eine Abwas­ser­menge von 500.000 bis 1,4 Mio. Litern pro Stunde. IKEA inves­tierte rund 70 Mio. Euro. Die tech­ni­schen Inno­va­tio­nen, dar­un­ter 3 Groß‐Wärmepumpen von OCHSNER, bringen eine Ein­spa­rung von ca. 1.270 Tonnen CO2.

Tech­ni­sche Daten der Ikea‐Anlage in Berlin‐Lichtenberg:

  • Inbe­trieb­nahme: 2011
  • Wär­me­quelle: Abwas­ser Druck­sys­tem
  • Wär­me­pum­pen Type: 3 x IWWS520ER2
  • Kom­pres­sor Type: Schraube, R134a
  • Quel­len­tem­pe­ra­tur: 10°C
  • Vor­lauf­tem­pe­ra­tur: 40°C
  • Heiz­leis­tung: 3 x 500 kW

Das Poten­zial dieser wirk­lich nicht anrü­chi­gen Ener­gie­quelle hat auch die Dena ent­deckt und ein ent­spre­chen­des För­der­pro­gramm für 10 Leucht­turm­pro­jekte auf­ge­legt, die sich aller­dings nicht nur aus Abwasser‐Wärme speisen müssen. Geför­dert werden:

  • Ener­gie­be­ra­tung zur Erstel­lung eines Abwär­me­kon­zepts: 60 % der för­der­fä­hi­gen Bera­tungs­kos­ten
  • maximal 3.000 € Zuwen­dung bei einer nach­ge­wie­se­nen End­ener­gie­ein­spa­rung von 25 %
  • 30 % der zuwen­dungs­fä­hi­gen Kosten für kleine und mitt­lere Unter­neh­men
  • 20 % der zuwen­dungs­fä­hi­gen Kosten für sons­tige und große Unter­neh­men

Alle Vor­träge des Moduls Wär­me­rück­ge­win­nung — Chancen und Poten­ziale bei den Ber­li­ner Ener­gieta­gen finden sich hier.

Über den Aufwand, der für die Wär­me­er­zeu­gung gene­rell betrie­ben werden muss, schreibt Energieblogger‐Kollege Olof E. Matthaei hier auf seinem Blog energie effi­zent sparen.