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Wann ist eine Infra­rot­heizung sinnvoll?

von | 23. Oktober 2019

In Zeiten des Rückgangs fossiler Ener­gie­träger werden elek­trische Infra­rot­hei­zungen immer wieder als ökolo­gi­schere Alter­native darge­stellt. Infra­rot­systeme besitzen eine Wärme­platte aus Keramik, Glas oder Aluminium, die elek­trisch aufge­heizt wird und dann Wärme­strahlung abgibt.

Von Herstellern wird betont, dass Strah­lungs­wärme eine besonders gesund­heits­för­dernde Art des Heizens darstellt. Doch für wen lohnt sich eine Infra­rot­heizung wirklich und wie sieht es mit ihrer Umwelt­bilanz aus?

Wie funk­tio­nieren Infrarotheizungen?

Infra­rot­hei­zungen sind Heizungen, die Wärme vorwiegend über Strahlung abgeben. Generell kann ein Heiz­system Wärme auf folgende Arten transportieren:

  • Wärme­leitung (Wärme fließt in einem Feststoff vom wärmeren zum kälteren Teil)
  • Wärme­strahlung (Wärme wird über elek­tro­ma­gne­tische Wellen übertragen)
  • Konvektion (die vorbei­strö­mende Luft wird erwärmt)

Alle Heizungs­arten über­tragen Wärme sowohl über Wärme­strahlung als auch Konvektion, entscheidend ist jedoch die anteils­mäßige Verteilung. Infra­rot­hei­zungen geben einen vergleichs­weise großen Teil ihrer Wärme über Strahlung ab, das heißt, sie haben einen großen „Strah­lungs­wir­kungsgrad“. So hat ein Radiator beispiels­weise einen Strah­lungs­wir­kungsgrad von nur 1030 %, während ein Infra­rot­paneel einen Strah­lungs­wir­kungsgrad von 4090% hat.

Eine Eigen­schaft von Strah­lungs­wärme ist es, Personen und Fest­körper direkt zu erwärmen. Bei Heizungen durch Konvektion wird zunächst die Umge­bungsluft angewärmt, die dann nach oben steigt und sich über Luft­ver­wir­be­lungen im ganzen Raum verteilt. Strah­lungs­wärme ist hingegen direkt auf der Haut spürbar – wie zum Beispiel bei einem Lager­feuer. Auch Kamin- und Kachelöfen haben einen hohen Anteil an Strah­lungs­wärme. Ähnlich wie bei Kachelöfen wird die Wärme aus Infra­rot­hei­zungen von vielen Menschen als besonders behaglich empfunden.

Grund­sätzlich kann eine Infra­rot­heizung mit unter­schied­lichen Ener­gie­quellen betrieben werden: Es gibt etwa auch gasbe­triebene Infra­rot­hei­zungen, die vor allem im Outdoor-​Bereich einge­setzt werden (etwa der klas­sische „Heizpilz“ am Weih­nachts­markt). Im Wohn­be­reich handelt es sich bei Infra­rot­hei­zungen aber fast immer um elek­trische Wider­stands­hei­zungen. Dabei wird das Infra­rot­paneel mithilfe von Strom auf eine Tempe­ratur von 80100 °C aufgeheizt.

Infra­rot­heizung – Heizen mit umwelt­freund­licher Energie?

Beim Heiz­vorgang selbst erzeugen elek­trische Infra­rot­hei­zungen kaum CO², deshalb werden sie häufig als umwelt­freund­liche Alter­native zu herkömm­lichen Heiz­sys­temen vorge­stellt. Aller­dings stimmt dies nur bedingt: Der zusätz­liche Strom, der zum Heizen heran­ge­zogen wird, stammt häufig zu großen Teilen aus der Verbrennung von Öl, Kohle und Gas. Besonders im Winter – der Haupt­ein­satzzeit einer Heizung – müssen Nach­fra­ge­spitzen oft durch Strom aus fossilen Ener­gie­trägern abgedeckt werden. Infra­rot­hei­zungen wären also theo­re­tisch umwelt­freundlich, wenn der Strom aus erneu­er­baren Energien (etwa einer Photovoltaik-​Anlage) gewonnen würde. In der Mehrzahl der Fälle ist es aber umwelt­tech­nisch noch nicht sinnvoll, die Komplett­heizung eines Gebäudes durch elek­trische Infra­rot­strahler abzudecken.

Nein, danke: Hier nicht mit Infrarot heizen

Vom Einbau einer Infra­rot­heizung ist vor allem in schlecht isolierten Gebäuden abzuraten: Denn in unge­dämmten oder schlecht gedämmten Bauwerken kann eine behag­liche Raumwärme mit Infra­rot­heizung nur schwer erreicht werden. Strom ist zudem die teuerste Ener­gieform zum Heizen. Trotz zuletzt stei­gender Gaspreise sind die Kosten pro kWh bei Gas noch wesentlich niedriger als bei Strom, weshalb elek­trische Heizungen mit höheren Betriebs­kosten zu Buche schlagen. Generell zeichnen sich Infra­rot­hei­zungen durch geringe Anschaf­fungs­kosten, aber höhere Betriebs­kosten aus. Für Räume mit laufend hohem Heiz­bedarf eignen sie sich daher nur bedingt. Vor der Entscheidung für eine elek­trische Infra­rot­heizung sollte in jedem Fall eine Berechnung des Ener­gie­be­darfs der Räume gemäß EnEV durch­ge­führt werden.

Ja, bitte: Hier lohnt sich die Infrarotheizung

Gut geeignet sind Infra­rot­hei­zungen hingegen für Hallen mit großer Raumhöhe: Eine Konvek­ti­ons­heizung würde dort viel Energie verschwenden und unnö­ti­ger­weise die Luft unter der Decke erwärmen. Infra­rot­strahler sind in diesem Fall besonders ener­gie­ef­fi­zient, da sie es ermög­lichen, gezielt einzelne Bereiche und Arbeits­plätze zu heizen.

In Räumen, die nur ab und zu genutzt werden (wie Hobby­keller, Vereins­lokal oder Zweit­wohnsitz), sind Infra­rot­hei­zungen ebenfalls eine sehr sinnvolle Alter­native. Denn hier kommen die niedrigen Anschaf­fungs­kosten der Infra­rot­heizung voll zum Tragen und die höheren Betriebs­kosten fallen weniger ins Gewicht. Außerdem lassen sich Räume mit Infra­rot­sys­temen flexibler heizen als mit andere Heiz­sys­temen, da sich Infra­rot­pa­neele sehr schnell aufheizen und in kurzer Zeit Wärme liefern.

Sinnvoll sind Infra­rot­pa­neele zudem in einzelnen Zimmern als Zusatz­heizung. Wenn der Wärme­bedarf in bestimmten Räumen höher ist als im rest­lichen Wohn­be­reich, dann können diese zusätzlich mit Infrarot beheizt werden. Zum Beispiel könnte ein Infra­rot­paneel als Spie­gel­heizung im Bade­zimmer zum Einsatz kommen und als Unter­stützung der Zentral­heizung dienen.
In sehr gut gedämmten Häusern mit geringem Wärme­bedarf, etwa Passiv­häusern, kann sich ein Infra­rot­heiz­system auch als Haupt­heizung lohnen. Hier sind die Kosten für den Einbau eines wasser­ge­führten Systems vergleichs­weise hoch in Relation zur danach benö­tigten Wärme­menge und eine elek­trisch betriebene Infra­rot­heizung kann ökono­misch sinnvoll sein.
Für Aller­giker, Asth­ma­tiker oder besonders empfind­liche Personen birgt eine Infra­rot­heizung gesund­heit­liche Vorteile gegenüber Konvektions-​Heizsystemen. Da bei Konvek­ti­on­sys­temen die warme Luft mitsamt von Staub und Pollen aufge­wirbelt wird, ist hier die Belastung mit Aller­genen erhöht. Infra­rot­hei­zungen arbeiten hingegen stark über die Wärme­strahlung, wodurch die Luft­massen weniger bewegt werden – was für Aller­giker vorteilhaft ist.

Darauf kommt es an: Dämmung und zeitliche Nutzung

Elek­trische Infra­rot­hei­zungen sind in der Anschaffung wesentlich günstiger als herkömm­liche Heiz­systeme, durch den hohen Strom­preis sind sie aller­dings meist teurer im Betrieb. Überall dort, wo regel­mäßig ein hoher Wärme­bedarf besteht, sind Infra­rot­hei­zungen also weniger empfeh­lenswert: in schlecht gedämmten Gebäuden und in Räumen, wo sich ständig Personen aufhalten. Für Häuser mit sehr effi­zi­enter Wärme­dämmung und Räume mit einge­schränkter zeit­licher Nutzung stellen sie jedoch eine lohnende Alter­native dar.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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