Anfor­de­run­gen an Gebäu­de­au­to­ma­tion durch GEG

Zusammenhang zwischen den Vorschriften. Grafik: IGT

Das Mün­che­ner IGT – Insti­tut für Gebäu­de­tech­no­lo­gie gibt monat­lich Tipps heraus, mit denen Mietern, Ver­wal­tern und TGA-Ver­ant­wort­li­chen die Steue­rung der Haus­tech­nik leicht gemacht werden soll. Im Sep­tem­ber nun geht es um das neue Gebäu­de­en­er­gie­ge­setz (GEG), das ab 1. Novem­ber 2020 gilt.

Zusam­men­hang der Vor­schrif­ten

Zum 1. Novem­ber 2020 wird die EnEV (Energie-Einsparverordnung) durch das GEG ersetzt. Welche Ände­run­gen ergeben sich in Bezug auf die Anfor­de­run­gen an die Gebäu­de­au­to­ma­tion?

Die gesetz­lich erfor­der­li­chen, ener­ge­ti­schen Anfor­de­run­gen an Gebäude werden in Deutsch­land durch das GEG gere­gelt. Dieses ist die natio­nale Umset­zung der auf euro­päi­scher Ebene beschlos­se­nen Anfor­de­run­gen an Gebäude über die EPBD (Euro­pean Per­for­mance of Buil­dings Direc­tive).

Das GEG legt sowohl die gesetz­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen als auch die ent­spre­chen­den Berech­nungs­ver­fah­ren fest. Im Detail sind für Nicht­wohn­ge­bäude (Büros, Ver­wal­tungs­ge­bäude, Ein­kauf­zen­tren etc.) die Berech­nungs­ver­fah­ren der DIN V 18599 anzu­wen­den. Für Wohn­ge­bäude gilt das gleiche, obwohl bis Ende 2023 noch Aus­nah­men für unge­kühlte Gebäude zuläs­sig sind. Das GEG ist im Wesent­li­chen die Zusam­men­le­gung der frü­he­ren EnEV, des EnEG (Energie-Einsparungsgesetz) und des
EEWär­meG (Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz).

Schon seit der ersten Version der DIN V 18599 wurden dort die Ein­flüsse von Gebäu­de­zu­stand und Anla­gen­tech­nik berück­sich­tigt. Im Dezem­ber 2011 wurde diese Norm um einen 11. Teil ergänzt, um den Ein­flüs­sen durch die Gebäu­de­au­to­ma­tion Rech­nung zu tragen. Der in diesen 11. Teil geflos­sene Inhalt stammt größ­ten­teils aus der Euro­pa­norm EN 15232.

Kon­se­quen­zen der EPBD auf GEG und den Ener­gie­aus­weis

Zur Zeit der ersten Ent­würfe des GEG galt die EPBD aus dem Jahr 2010, in der nur ein gerin­ger Anspruch an die Gebäu­de­au­to­ma­tion ent­hal­ten war. Obwohl die EPBD 2018 über­ar­bei­tet und ins­be­son­dere der Anspruch an die Auto­ma­tion deut­lich erhöht wurde, bleibt es beim ab Novem­ber 2020 gül­ti­gen GEG zunächst bei wenig Kon­se­quenz für die Gebäu­de­au­to­ma­tion, da die ersten GEG-Entwürfe zu dieser Zeit schon im Umlauf waren.

Der wesent­lichste Unter­schied zwi­schen GEG und EnEV in Bezug auf die Gebäu­de­au­to­ma­tion ist, dass nun auch für Wohn­ge­bäude der Auto­ma­ti­ons­grad erfasst und zur Berech­nung des Ener­gie­aus­wei­ses ver­wen­det wird. Bisher war das nur für Nicht-Wohngebäude der Fall. D.h. wer Wohn­ge­bäude mit „Smarthome-Funktionen“ für z.B. die Heizung, Lüftung oder Ver­schat­tung aus­stat­tet, erhält dies bei der Erstel­lung des Ener­gie­aus­wei­ses positiv ange­rech­net und somit einen „bes­se­ren“ Ener­gie­aus­weis.

Nun wurde die EPBD im Jahr 2018 novel­liert. Wer sich mit dieser Version befasst, wird über die Inten­si­tät der Anfor­de­run­gen an die Gebäu­de­au­to­ma­tion über­rascht sein. Die EPBD 2018 richtet den Fokus expli­zit auf die Rege­lung und Steue­rung. Standen in den letzten Jahren eher Gebäu­de­hülle und die Wahl bzw. Aus­le­gung von Anla­gen­tech­nik im Mit­tel­punkt, so hat man offen­sicht­lich einen starken Nach­hol­be­darf in Sachen Rege­lung und Steue­rung erkannt.

Im Detail erhebt die EPBD 2018 einige Anfor­de­run­gen in den fol­gen­den Kate­go­rien:

  • Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit / Moni­to­ring
  • Instal­la­tion von selbst­re­gu­lie­ren­den Ein­rich­tun­gen
  • Intel­li­gen­tes Auf­la­den von Elek­tro­fahr­zeu­gen
  • Intel­li­genz­fä­hig­keits­in­di­ka­tor / Smart Rea­di­ness Indi­ca­tor (SRI)

Für das GEG gilt somit, dass dies wohl in einer nächs­ten Über­ar­bei­tung nach­ge­bes­sert wird. Immer­hin gilt die EPBD 2018 rechts­ver­bind­lich für alle Mit­glieds­staa­ten und somit auch für Deutsch­land. Es ist offen­sicht­lich nur eine Frage der Zeit, bis sich auch die erwei­ter­ten Anfor­de­run­gen an die Auto­ma­tion in der deut­schen Recht­spre­chung wie­der­fin­den. Rea­lis­tisch, so über­ein­stim­mend einige Aus­sa­gen, wird dies nach der nächs­ten Bun­des­tags­wahl 2021 bzw. der dar­auf­fol­gen­den Legis­la­tur­pe­ri­ode erfol­gen. Somit lohnt sich ein Blick in die Anfor­de­run­gen der 2018er Version der EPBD und die recht­zei­tige Vor­be­rei­tung.

Für weitere Details zur EPBD 2018 wird auf das am Ende von diesem „Tipp des Monats“ auf­ge­führte White­pa­per ver­wie­sen.

Wich­tige Aspekte bei Neu­bau­vor­ha­ben und grö­ße­ren Reno­vie­run­gen

Um die Anfor­de­run­gen an die Auto­ma­tion zu erfül­len, wie sie aktuell in der EPBD und später über zukünf­tige Ver­schär­fun­gen des GEG gefor­dert werden, sollten bei Bau­maß­nah­men einige Aspekte in Bezug auf die Infra­struk­tur erfüllt werden. Beson­de­res Augen­merk sollte auf die Sen­so­ren und Aktoren und dessen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit gelegt werden. Denn wenn das nicht zu Beginn beach­tet wird, ist eine Nach­rüs­tung oft wirt­schaft­lich nicht zu ver­tre­ten.

Auch hierzu sind weitere Details im später ange­ge­be­nen White­pa­per ent­hal­ten.

Fazit

In Deutsch­land gilt ab dem 1. Novem­ber 2020 das GEG in seiner ersten Version. In Bezug auf die Auto­ma­tion ist der wesent­li­che Unter­schied, dass auch bei Wohn­ge­bäu­den der Auto­ma­ti­ons­grad erfasst und bei der Berech­nung des Ener­gie­aus­wei­ses berück­sich­tigt wird. Im Hin­ter­grund wurden über die EPBD 2018 einige weitere Auto­ma­ti­ons­an­for­de­run­gen fest­ge­legt, die in naher Zukunft zu Aktua­li­sie­run­gen des GEG führen. Je früh­zei­ti­ger man sich damit befasst, desto besser ist man vor­be­rei­tet.

Dabei sollte par­al­lel beach­tet werden, dass sich die Auto­ma­tion nur deshalb durch­setzt, da diese in Ergän­zung zu den klas­si­schen Metho­den (z.B. Dämmung) richtig und wichtig ist. Vor diesem Hin­ter­grund sollte bei jedem Bau­vor­ha­ben auch ohne die gesetz­li­che Ver­bind­lich­keit die ange­mes­sene Aus­stat­tung an Gebäu­de­au­to­ma­tion im Sinne von Ener­gie­ef­fi­zi­enz und Zukunfts­si­cher­heit berück­sich­tigt werden.

Aus­führ­li­ches White­pa­per

Weitere Infor­ma­tio­nen zum GEG und zur EPBD 2018 sind in einem White­pa­per „Das GEG (Gebäu­de­en­er­gie­ge­setz) und dessen Anfor­de­run­gen an die Gebäu­de­au­to­ma­tion“ beschrie­ben, welches auf fol­gen­den Web­sei­ten kos­ten­los zur Ver­fü­gung steht:

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