Foto: Mdf / Wikimedia

Wie wird der kommende Winter?

von | 11. Dezember 2013

Wie wird der Winter? Die Wetter-​Auguren wider­sprechen sich wie jedes Jahr aufs Neue. Die Prognosen reichen von „normal bis leicht zu mild“ (wetter​pro​gnose​-wetter​vor​hersage​.de) bis „Die Wahr­schein­lichkeit für einen neuen XXL-​Winter hat deutlich zuge­nommen“ (wetter​.net). Doch wie wird er nun, der Winter 2013/​2014? Uns unter­stützte wie immer Diplom-​Meteorologe Dr. Jurik Müller. Der Kenner und Autor von Bauern­regeln gab uns wichtige Hinweise aus der Natur.

Entscheidend ist mit dem 1. Dezember der Eligiustag. „Fällt auf Eligius ein kalter Wintertag, die Kälte noch vier Wochen dauern mag“, so eine passende Regel. Wenn der kalt ist, dann droht in 70 Prozent der Fälle auch ein zu kalter Dezember und mit hoher Wahr­schein­lichkeit eine weiße Weihnacht. „Als Ursache schlägt hier auf jeden Fall die Erhal­tungs­neigung der Groß­wet­terlage über die gesamte Adventszeit hinweg zu Buche. Das nährt nicht zu Unrecht bei Winter­sportlern, Schnee­freaks und Freunden weißer Festtage die Hoffnung, dass Frost und Schnee dem Heilig­abend und den beiden Weih­nachts­tagen ihren Stempel aufdrücken werden“, so Müller. Nun war der 1. Dezember in Deutschland alle andere als kalt, sondern eher über­durch­schnittlich warm und teils sonnig.

Also schlechte Chancen auch für eine weiße Weihnacht? „Der Traum von einer weißen Weihnacht wird zumeist jedoch durch die Realität einer grünen Weihnacht ernüchtert“, so der Agrar­me­teo­rologe. „Schuld daran ist eine Mitte des letzten Dezem­ber­drittels auftre­tende, durch Zustrom milder Meeresluft aus Südwest bis West gekenn­zeichnete Witte­rungs­pe­riode, während der sogar in den höheren Lagen der Mittel­ge­birge ein zumindest teil­weises Abschmelzen der Schnee­decke erwartet werden muss. Dieser als Weih­nacht­stau­wetter bekannte statis­tische Regelfall tritt mit einer Wahr­schein­lichkeit von immerhin 72 Prozent auf.“

Bibiana oder der 2. Dezember wäre der nächste wesent­liche Tag für eine Winter­wet­ter­pro­gnose. „Lässt Bibiana schon Schnee und Eis am Hoftor sich türmen, wird’s weiter bis Roman (28.02.) schneien und stürmen“. Von Schnee oder gar Stürmen war am 2. Dezember jedoch nichts zu spüren. Also auch eher ein normaler und keineswegs zu kalter Winter wie die letzten fünf Jahre?

Sankt Barbara, deren Namenstag am 4. Dezember begangen wird, beschert uns keinen größeren Erkennt­nis­zu­wachs, auch wenn es heißt: „Schwirren um Barbara noch Mücken, wird’s Christkind Eisblumen vom Fenster pflücken“, weiß Müller. Mücken sind schon lange keine mehr unterwegs. Dafür sorgte eine Frost­pe­riode im November. Leider, so Müller, sei die Tref­fer­quote des von ihm verfassten Reimes nicht sehr hoch, so dass die Vorhersage weißer Festtage eine sehr unsichere Ange­le­genheit bleibt. Eine Tipp für passenden Weih­nachts­schmuck hat er dennoch: „Wer an Barbara Kirsch­zweige bricht, erfreut sich an Blüten im Kerzen­licht“. Um den Tag der heiligen Barbara geschnittene Zweige zum Beispiel von Forsy­thien, Süßkir­schen, Pflaumen und Schlehen kann man in der Vase um Weih­nachten zur Blüte bringen. Norma­ler­weise erhöht ein natür­licher Kälte­schock die Blüh­be­reit­schaft der Barbarazweige.

Nun zum Niklaustag (6. Dezember): „Lässt Niko­laus­regen die Bäche ansteigen, ächzt grimmig der Janu­ar­frost in den Zweigen“. Ergiebige Regen­fälle waren nicht zu verzeichnen, Nieder­schläge jedoch schon. Meist stellt sich nach einem milden und verreg­neten ersten Dezem­ber­drittel sogar ein über­durch­schnittlich tempe­rierter Hoch­winter ein. Immerhin geht es länger­fris­tigen Prognosen zufolge nach Sankt Nikolaus peu á peu mit den Tempe­ra­turen in den Keller.

Die Dezem­bertage helfen also nicht wirklich weiter. Also ein Blick zurück auf den Herbst. „Wie Sankt Kathrein (25. November) waltet, sich das Wetter im Februar gestaltet“. An diesem Tag war es eher mild und regne­risch. Bezieht man diese Regel auf die Frage: ‚Trocken oder nass?’, dann trifft sie mit einer Zuver­läs­sigkeit von ungefähr 70 Prozent zu. So folgt trockenem Wetter um den Katha­ri­nentag in acht von zehn Fällen ein nieder­schlags­armer Februar. Herrscht dagegen regne­ri­sches Wetter um Sankt Kathrein, so zeichnet sich in sechs von zehn Fällen der Februar durch ein über­durch­schnitt­liches Nieder­schlags­an­gebot aus. Spricht für einen feuchten Februar.

Hoffnung auf einen besseren Winter mache, so Müller, die alte Bauern­regel „Fängt der August mit Hitze an, bleibt sehr lang die Schlit­tenbahn“. Zwar sage der Volksmund, dass heißen Hunds­tagen ein langer weißer Winter folgt. „Das stimmt aber nur unter der Bedingung, dass die ersten sieben Tage des Monats August, sich durch eine mittlere tägliche Höchst­tem­pe­ratur von 25 Grad und mehr auszeichnen.“ Sei das der Fall, so folgt im kommenden Winter mit einer Wahr­schein­lichkeit von 60 Prozent, eine über der Norm gelegene Zahl von Tagen mit einer Schnee­decke von mindestens 1 cm Höhe.

Leider warf der Spruch „Ist der September lind, wird der Winter ein Kind“ alle Hoff­nungen auf einen schnee­reichen und kalten Winter wieder in den Brunnen. Das gilt auch für die Spruch­weis­heiten: „Scheiding (September) zu mild, schwachen Winters Bild“ und „Wenn der Herbstmond (September) mild ins Land geht, lauer Westwind den Winter über weht“.

Müllers Fazit:

Wahr­scheinlich bekommen wir einen stink­nor­malen Winter mit einem Wech­sel­spiel von milden und eisigen Abschnitten. Dabei kann es auch zu strengen bis sehr strengen Nacht­frösten kommen. Witte­rungs­ab­schnitte mit Schnee, aber auch mit Regen in Gestalt von Schmud­del­wetter werden wohl dem Winter ihren Stempel aufdrücken.“

Geschrieben für brenn​stoff​spiegel​.de

Origi­naltext hier.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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