Foto: Urbansky

Leipzig rettet das Weltklima

von | 2. August 2014

Vor Über­ra­schungen im Brief­kasten ist man ja nie gefeit. Gestern war es mal wieder soweit. Meine Lieb­lings­stadt Leipzig wählte mich unter 5000 Bürge­rinnen und Bürgern aus, an einer Umfrage zum, sagen wir, Umwelt­schutz mitzu­machen. Hinter­grund ist der Klima­wandel und wie er sich auf das Leben in der Stadt auswirken wird. Als treuer und frei­willig hier lebender Wahl-​Leipziger, der seine Lieb­lings­stadt natürlich über alles – na was wohl – liebt, kam ich der Bitte unseres Umwelt­bür­ger­meisters Heiko Rosenthal nach und füllte eifrig den Frage­bogen aus. Heute Morgen ging er in die Post.

Ein Auserwählter - 1 Prozent der Leipziger wurden befragt, ich war dabei. Foto: Urbansky

Ein Auser­wählter – 1 Prozent der Leipziger wurden befragt, ich war dabei. Foto: Urbansky

Was mir auffiel, ist, wie weit voll­kommen unsichere Annahmen über den Klima­wandel via Kommune nun in mein eigenes Leben vordringen. Deswegen, und weil dieser kleine Blog ja hin und wieder Anfragen zu diesem und jenem bekommt, einiges zur Richtigstellung.

1. Menschen wirken auf das Klima, aber nicht so katastrophal

Eine Annahme im Frage­bogen ist, dass der Klima­wandel menschen­ge­macht ist. Zwar will ich nicht bestreiten, dass der Mensch auf das Klima einwirkt. Wie heißt es so schön? Was lebt, stört. Jedoch glaube ich nicht, dass wir in der Lage sind, das Klima nach­haltig zu verändern. Dazu brachten mit mehrere Gespräche mit Meteo­ro­logen. Und schon gar nicht glaube ich daran, dass wir im Jahr 2100 den Klima­an­stieg auf 2 Grad oder was auch immer begrenzen können. Es gibt kein Stell­schraube dafür.

2. Erneu­erbare Energien sind sinnvoll, weil sie effizient sind

Was ist sinnvoll? Hübsch auch oben die Fragen nach den Trinkpaten für Ältere. Foto: Urbansky

Was ist sinnvoll? Hübsch auch oben die Fragen nach den Trink­paten für Ältere. Foto: Urbansky

Da kommen wir gleich zum zweiten Punkt. Ich bin ein Verfechter Erneu­er­barer Energien. Hermann Scheer hat mir dabei die Augen geöffnet wie kein zweiter. Aller­dings ist der Haupt­grund für den Umstieg auf Erneu­erbare, der CO2-​Ausstoss, aus meiner Sicht der Falsche. Deswegen lehne ich Power-​to-​Gas ab, während ich Power-​to-​Heat durchaus sinnvoll finde.

Ich stecke letztlich also weniger hinein als ich heraus­be­komme. Gut – die Subven­ti­ons­könige der vergan­genen Jahre in Punkto Solar und (weniger) Windkraft wissen dies zu schätzen – auf jeden Fall in finan­zi­eller Hinsicht. Aber Wind­energie ist in Deutschland schon heute fast so effizient wie Strom aus Kohle­kraft­werken. Dieser Trend wird sich weiter verstärken

Dennoch würde ich das Bonmot, Sonne und Wind stellen keine Rechnung, so nicht unter­scheiben. Wenn es die beiden nicht tun, dann zumindest der Servicetechniker.

3. Fossile Energien wird es so lange geben, wie sie bezahlbar sind

Auch einen weiteren Grund für den Umstieg auf Erneu­erbare, die Erschöpfung fossiler Brenn­stoffe, kann ich nicht teilen. Zwar fahren wir in Deutschland eine recht starken Kurs weg von Fossilen (mal abgesehen vom derzei­tigen Boom bei der Kohle­strom­erzeugung). Aber am Deutschen Wesen wird nicht das Klima der Welt genesen, solange in Indien und China jedes Jahr mehr als 50 Kohle­kraft­werke neu gebaut werden.

Wer ändert seinen Lebensstil für den Klimawandel? Foto: Urbansky

Wer ändert seinen Lebensstil für den Klima­wandel? Foto: Urbansky

Die Ursache hat schon Marx in seiner Preis­theorie beschrieben. So lange jemand den Wert in Fossilen sieht und daraus eine Mehrwert gene­rieren kann, so lange wird dies auch geschehen – voll­kommen unab­hängig von einem deutschen EEG. Dazu ein kleines Beispiel: Der Ölpreis liegt derzeit bei 100 US-​Dollar je Barrel (WTI etwas darunter, Brent etwas darüber). Die zweit­größten Ölre­serven der Welt liegen in Kanada. Die dortigen Ölschiefer werden mit etwa 70 Dollar je Barrel Produk­ti­ons­kosten aufbe­reitet. Würde der Ölpreis in diese Richtung fallen, fielen diese Reserven weg. Da sie markt­tech­nisch nicht mehr verfügbar wären, stiege der Preis kurz­fristig an und die Förderung würde sich wieder lohnen. Deswegen haben wir es mit einem Ölpreis auf hohem Niveau zu tun, der den Förder­ländern durchweg nützt. Auf der anderen Seite sind wir auch bereit, diesen Preis zu zahlen.

Kein Peak, nirgends

Ein Peak wird hier also kaum erreicht, es sei denn in der Nachfrage. Und das geht nur, wenn Erneu­erbare deutlich effi­zi­enter sind als Fossile. Über eine lange Zeit wird es Kombi­na­tionen von beiden geben, jetzt schon zu sehen als Hybride bei Fahr­zeugen und im Heizungs­keller.

Deswegen fallen die Antworten in meinem Frage­bogen zwei­ge­teilt aus. Ich werde meinen Lebensstil für den Klima­wandel nicht ändern (wobei ich als täglicher Arbeitsweg-​Radler wahr­scheinlich schon ganz weit vorn bin). Aber ich bejahe eben auch den Ausbau der Erneu­er­baren Energien, bloß eben nicht aus Gründen des vorgeb­lichen Klima­wandels, sondern weil es sinnvoll ist, die Kraft von Sonne, Wind und Biomasse zu nutzen (ja, auch für die plädiere ich und halte die Tank-​Teller-​Diskussion in Deutschland für absolut abwegig).

Wie es denn auch sei – meine Lieb­lings­stadt rettet das Weltklima, wieder einmal jedoch, und wie so viele andere, aus den falschen Gründen, die nicht ziel­führend sein können

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

2 Kommentare

  1. Frank Urbansky

    Danke, Herr Neumann. Und in Leipzig ein Treffen sollte immer drin sein.

  2. Roland Neumann

    Hallo Herr Urbansky, als täglicher Leser der Energie­blogger finde ich es als (Ur)leipziger toll, hier auch einen (Wahl)leipziger anzu­treffen :). Ich hatte schon des öfteren damit gelieb­äugelt für die Blogger zu schreiben – schaffe es neben dem alltäg­lichen Geschäft aber gerade so, unsere Inter­net­seite (www​.sonnen​planer​.com) zu pflegen – daher müssen die Blog­bei­träge warten^^. Auch wenn ich Ihre Meinung (Power to Gas, „Am deutschen Wesen…”) nicht in allen Punkten teile, in der Grund­aus­richtung marschieren wir in die selbe Richtung. Richtung Erneu­erbare. Und nur das zählt unterm Strich. Viel Erfolg weiterhin, viel­leicht sieht man sich ja mal in unserer tollen Stadt :).

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