Blick auf das Stadtschloss während der Bauphase. Foto: Szczecinolog / Wikimedia / Lizenz unter CC-BY-SA 4.0

Berliner Stadt­schloss wärmt sich geothermisch

von | 5. August 2015

Das Berliner Stadt­schloss ist ein umstrit­tener Bau. Gigan­tisch und an histo­risch belas­teter Stelle, wo einst der bei Ostdeut­schen beliebte Palast der Republik stand. Dabei wird das Schloss keineswegs ein Nachbau, sondern ein hoch­mo­derner Komplex, der sich vor allem den schönen Künsten widmen. Zahl­reiche Samm­lungen sollen hier im so genannten Humboldt-​Forum ihren Platz finden.

Kreativ wie die Kunst waren die Planer auch bei der Antwort auf die Frage, wie denn ein so großer Gebäu­de­komplex eigentlich zu heizen oder zu kühlen sei. Eine der möglichen – und nun auch reali­sierten – Lösungen: Geothermie. Der Berliner Unter­grund eignet sich dafür recht gut. Seit 2009 sorgten unter anderem jeweils drei Erkun­dungs­boh­rungen und Geothermal Response Tests für die nötige Klarheit, dass es auch funk­tio­nieren könnte.

Im einzelnen gab es folgende Ergebnisse*:

  • Unter­grund­tem­pe­ra­turen bis 100 m zwischen 13,46 °C und 13,84 °C
  • Effektive Wärme­leit­fä­higkeit des Unter­grundes: zwischen 2,8 W/(mK) und 2,5 W/(mK)
Blick auf das Stadtschloss während der Bauphase. Die 115 Erdwärmesonden wurden auf dem Platz direkt neben dem Schloss untergebracht, die Energiepfähle unter dem Gebäude vor der Kuppel. Foto: Szczecinolog / Wikimedia / Lizenz unter CC-BY-SA 4.0

Blick auf das Stadt­schloss während der Bauphase. Die 115 Erdwär­me­sonden wurden auf dem Platz direkt neben dem Schloss unter­ge­bracht, die 91 Ener­gie­pfähle unter dem Gebäude vor der Kuppel. Foto: Szcze­ci­nolog /​Wikimedia /​Lizenz unter CC-​BY-​SA 4.0

Das war für das Vorhaben durchaus auskömmlich. Das Konzept sah nun 115 Erdwär­me­sonden bis 100 m Tiefe und 91 Ener­gie­pfähle mit 18,5 m Tiefe vor. Damit soll die Grundlast für Heizen (450 kW und 1.900 MWh je Jahr) und Kühlen (400 kW und 1.300 MWh je Jahr) gedeckt werden. Ab 2019, wenn der Betrieb planmäßig laufen soll, kann dann die Geothermie die Kunst wärmen.

* Die Daten entstammen einen Vortrag von Jens-​Uwe Kühl, H.S.W. Inge­nieurbüro für Energie und Umwelt mbH

Vorschaubild: Rohbau des Stadt­schlosses, das dereinst zu großen Teilen mit Geothermie beheizt wird. Foto: Miriam Guterland /​Wikimedia /​Lizenz unter CC BY-​SA 3.0

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

2 Kommentare

  1. Silvia

    Schafft die Geoheizung das? Ich hab immer gelesen, dass die sich nicht so rentieren soll, weil es extrem viel Aufwand und Leistung kostet, die Wärme nach oben zu holen und den Raum entspre­chend warm zu halten. Sind das falsche Infos? Wird das nicht einiges an Kosten geben, das Jahr über? Mal abgesehen davon, was wären dann die Alter­na­tiven.. Wahr­scheinlich gibts da gar nicht mehr so viel dann.
    Gruß
    Silvia

    • Frank Urbansky

      Ob sie das schafft, wird erst die Praxis zeigen. Auf jeden Fall ist sie nur für die Grundlast ausgelegt. Das ist schon mal ein realis­ti­scherer Ansatz als ein Gebäude komplett mit Geothermie beheizen zu wollen. Die Spitzen werden – sicher ist sicher – mit konven­tio­neller Energie, hier Fernwärme – abgedeckt.

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