Erdgas, hier ein Gasspeicher in Etzel, ist der Gewinner der Halbjahres-Enrgiebilanz. Foto: Gazprom Germania

Grüne bezweifeln Sicherheit von Erdgasversorgung

von | 6. August 2015

Die Frage nach der Sicherheit von Deutsch­lands Erdgas­ver­sorgung wird immer wieder gestellt. Die Ukraine-​Krisezeigte, wie abhängig und sensibel die Versorgung sein kann, die stark auf Russland ausge­richtet ist. Immerhin kommt gut ein Drittel des hier­zu­lande verbrannte Gases von dort. Experten empfehlen eine stra­te­gische Reserve ähnlich wie beim Roh- und Mineralöl.

Aktuell fragen die Grünen die Bundes­re­gierung nach der Sicherheit der hiesigen Gasver­sorgung, auch wenn die letzten Engpässe 2012 konsta­tiert wurden. Doch das lag damals eher an der schlecht ausge­bauten Gasin­fra­struktur in Süddeutschland, die mit dem großen Gasbedarf aufgrund eines sehr kalten Winters nicht fertig wurde.

Für ihr Bedro­hungs­sze­nario nutzen die Grünen die euro­päische Erdgas-​Versorgungssicherheits-​Verordnung (EU-​Verordnung Nr. 994/​2010) Die sieht vor, dass die natio­nal­staatlich zuständige Behörde Erdgas­ver­sor­gungs­un­ter­nehmen dazu verpflichtet, die Versorgung geschützter Kunden auch in beson­deren Extrem­si­tua­tionen sicher­zu­stellen. Bisher wäre diese Behörde das Bundes­wirt­schafts­mi­nis­terium. Drei Extrem­si­tua­tionen werden skizziert:

  1. Extremen Tempe­ra­turen an sieben aufein­ander folgenden Tagen mit Spit­zenlast, wie sie mit statis­ti­scher Wahr­schein­lichkeit einmal in 20 Jahren vorkommen. 
  2. Außer­ge­wöhnlich hoher Gasver­brauch über einen Zeitraum von mindestens 30 Tagen, wie er mit statis­ti­scher Wahr­schein­lichkeit einmal in 20 Jahren vorkommt. 
  3. Ausfall der größten einzelnen Gasin­fra­struktur über einen Zeitraum von mindestens 30 Tagen unter­durch­schnitt­lichen Winterbedingungen.

Neben den Fragen nach den besonders schät­zens­werten Kunden, allen voran Haushalte und bestimmte Indus­trie­be­reiche, stellen die Grünen auch die Frage: „Wird sich die Bundes­re­gierung für eine nationale Gasre­serve aussprechen, und falls nein, welche alter­na­tiven Lösungen für Engpass­si­tua­tionen hat sie (Spei­cher­ver­pflichtung etc.)?“ 

Seitens der Gasver­sorger wurde eine Gasre­serve bereits abgelehnt, vor allem mit Hinblick auf die sich weiter libe­ra­li­sierten Märkte in Europa. Doch die aktuelle Entwicklung mit der Erschöpfung des nieder­län­di­schen Feldes Groningen und der damit verbundene Umstellung von etwa 4 Millionen Geräten auf hoch­ka­lo­ri­sches Gas, das ist jede dritte deutsche Gasheizung, spricht eine andere Sprache. Denn die Haupt­im­por­teure für dieses Gas sind mit Russlandund Norwegen auch bisher die Nr. 1 und 2 der deutschen Gaslie­fe­ranten. Und nicht umsonst wird Nord­stream weiter ausgebaut.

Vorschaubild: Gasspeicher, wie hier der in Etzel, sind das Rückgrat der deutschen Gaswirt­schaft und poten­zielle Träger einer stra­te­gi­schen Reserve. Foto: Gazprom Germania

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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