Größte Düs­sel­dor­fer Passivhaus‐Siedlung: Wär­me­pumpe solar unter­stützt

Das Mörsenbroicher Carrée. Foto: DWG
Das Mörsenbroicher Carrée. Foto: DWG

Seit Sep­tem­ber letzten Jahres steht Düs­sel­dorfs größte Pas­siv­haus­sied­lung – im Mör­sen­broi­cher Carrée mit 58 Woh­nun­gen. Die 2‐ bis 4‐Zimmer‐Wohnungen dürfen nach Pas­siv­haus­stan­dard nicht mehr als 15 kWh/m2a an Energie ver­brau­chen und diese Wärme sollte über­wie­gend rege­ne­ra­tiv gewon­nen werden.

Die Wahl für die Wär­me­ver­sor­gung der archi­tek­to­nisch auf­fäl­li­gen und trotz­dem sich gut in die Umge­bung ein­pas­sen­den 4,5 bis 6‐Geschosser in Pas­siv­bau­weise im Mör­sen­broi­cher Carrée fiel auf eine Kom­bi­na­tion von Wär­me­pumpe und Solar­ther­mie. Haupt­heiz­quelle ist die Erd­wär­me­pumpe. Dafür ließ der Bauherr, die Düs­sel­dor­fer Woh­nungs­ge­nos­sen­schaft DWG, 15 Erd­son­den 89 m tief in den Düs­sel­dor­fer Unter­grund treiben. Mit einer Nenn­leis­tung von 67 kW können im Jahr 151 MWh Wärme erzeugt werden. Rund die Hälfte geht jeweils ins Hei­zungs­netz, der Rest in die Warm­was­ser­be­rei­tung. Die zweite Kom­po­nente ist die Solar­ther­mie­an­lage. Dafür wurden auf den Dächern des ins­ge­samt fünf Häuser umfas­sen­den Ensem­bles 48 m2 Flach­kol­lek­to­ren mon­tiert. Sie erzeu­gen 24 MWh Wärme und decken ein Viertel der Warm­was­ser­ver­sor­gung ab. Ein 2500 l fas­sen­der Wär­me­spei­cher sorgt für ent­spre­chende Fle­xi­bi­li­tät. Die Solar­wärme wird direkt in den Woh­nun­gen über ein­zelne Frisch­was­ser­sta­tio­nen über­ge­ben.

Beide Anlagen sind in der Lage, den Wär­me­be­darf in einem durch­schnitt­li­chen rhei­ni­schen Winter abzu­de­cken. Bei extre­men Aus­schlä­gen in der kalten Jah­res­zeit, etwa wie vor drei Jahren, könnten die Bewoh­ner auf Geblä­se­heiz­kör­per setzen, die in jeder Wohnung instal­liert sind. Deshalb ver­zich­te­ten Archi­tek­ten, Planer und Bauherr auf eine weitere Backup‐Lösung.

Kein Pas­siv­haus kommt ohne Dämmung aus. Denn sie ist letzt­lich die Grund­lage für den gerin­gen Ener­gie­be­darf. Des­we­gen geht es bei der Dämmung darum, die via Wär­me­pumpe und Son­nen­en­er­gie erzeugte Wärme im Haus zu halten. Im Sommer gilt dies natür­lich auch für die Hitze. Die DWG setzte hier luft­dichte Bau­teil­an­schlüsse und ein 30 cm starkes Wärmedämm‐Verbundsystem mit Sili­kon­harz­putz ein. Weitere Ele­mente sind Klin­ker­riem­chen, 3‐Scheiben‐Iso‐Verglasung, 45 cm starke Mine­ral­wol­le­däm­mung im Dach sowie eine bis zu 30 cm dicke Dämmung der Kel­ler­wände und -sohle mit XPS‐Platten. Für die Frisch­luft­zu­fuhr und die Wär­me­rück­ge­win­nung sorgt ein Lüf­tungs­sys­tem. Dieses wurde auf jedes Haus und jede ein­zelne Wohnung abge­stimmt und im Dach­raum instal­liert. Der Wir­kungs­grad der Wär­me­rück­ge­win­nung liegt bei 86  %. Möglich wäre wei­ter­hin ein vor­ge­schal­te­ter Erd­wär­me­tau­scher gewesen, wie er bei Pas­siv­häu­sern mit Erd­wär­me­pum­pen häufig zum Einsatz kommt. Doch der war auf­grund der schon hin­rei­chend durch die instal­lier­ten Kom­po­nen­ten gewon­ne­nen Wärme für den Pas­siv­haus­sta­tus nicht mehr nötig.

Die Kosten für die Lüf­tungs­an­lage belie­fen sich nach Angaben der DWG auf 74 Euro/m2 Wohn­flä­che. Das seien 9 Euro mehr, als das Insti­tut für Landes‐ und Stadt­ent­wick­lungs­for­schung NRW für die Lüf­tungs­kos­ten bei Pas­siv­häu­sern angibt. Hierfür waren nach Angaben der DWG hohe Brand­schutz­auf­la­gen beim Lüf­tungs­ein­bau ursäch­lich.

Geschrie­ben für SBZ, Ausgabe 20/2015. Der voll­stän­dige Beitrag ist hier zu lesen. Zum kos­ten­freien SBZ‐Probeabo geht es hier.

Vor­schau­bild: Das Mör­sen­broi­cher Carrée. Foto: DWG

2 Kommentare

  1. Das heisst im Klar­text:
    Wenn die Elek­tro­lei­tun­gen an kalten Tagen glühen, weil beson­ders viel Strom benö­tigt wird, sorgen inef­fi­zi­ente »Geblä­se­heiz­kör­per«, also über­di­men­sio­nierte Haar­föns, dafür, dass noch mehr Strom benö­tigt wird.
    Ist das wirk­lich intel­li­gent?

    • Im Rhein­land kann man das so machen, die Gefahr, dass es hier dau­er­haft Minus­grade gibt, ist recht gering. Im letzten Winter wurden die Systeme über­haupt nicht benö­tigt.

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