Das Mörsenbroicher Carrée. Foto: DWG

Größte Düssel­dorfer Passivhaus-​Siedlung: Wärme­pumpe solar unterstützt

von | 26. Oktober 2015

Seit September letzten Jahres steht Düssel­dorfs größte Passiv­haus­siedlung – im Mörsen­broicher Carrée mit 58 Wohnungen. Die 2- bis 4‑Zimmer-​Wohnungen dürfen nach Passiv­haus­standard nicht mehr als 15 kWh/​m2a an Energie verbrauchen und diese Wärme sollte über­wiegend rege­ne­rativ gewonnen werden.

Die Wahl für die Wärme­ver­sorgung der archi­tek­to­nisch auffäl­ligen und trotzdem sich gut in die Umgebung einpas­senden 4,5 bis 6‑Geschosser in Passiv­bau­weise im Mörsen­broicher Carrée fiel auf eine Kombi­nation von Wärme­pumpe und Solar­thermie. Haupt­heiz­quelle ist die Erdwär­me­pumpe. Dafür ließ der Bauherr, die Düssel­dorfer Wohnungs­ge­nos­sen­schaft DWG, 15 Erdsonden 89 m tief in den Düssel­dorfer Unter­grund treiben. Mit einer Nenn­leistung von 67 kW können im Jahr 151 MWh Wärme erzeugt werden. Rund die Hälfte geht jeweils ins Heizungsnetz, der Rest in die Warm­was­ser­be­reitung. Die zweite Kompo­nente ist die Solar­ther­mie­anlage. Dafür wurden auf den Dächern des insgesamt fünf Häuser umfas­senden Ensembles 48 m2 Flach­kol­lek­toren montiert. Sie erzeugen 24 MWh Wärme und decken ein Viertel der Warm­was­ser­ver­sorgung ab. Ein 2500 l fassender Wärme­speicher sorgt für entspre­chende Flexi­bi­lität. Die Solar­wärme wird direkt in den Wohnungen über einzelne Frisch­was­ser­sta­tionen übergeben.

Beide Anlagen sind in der Lage, den Wärme­bedarf in einem durch­schnitt­lichen rhei­ni­schen Winter abzu­decken. Bei extremen Ausschlägen in der kalten Jahreszeit, etwa wie vor drei Jahren, könnten die Bewohner auf Geblä­se­heiz­körper setzen, die in jeder Wohnung instal­liert sind. Deshalb verzich­teten Archi­tekten, Planer und Bauherr auf eine weitere Backup-Lösung.

Kein Passivhaus kommt ohne Dämmung aus. Denn sie ist letztlich die Grundlage für den geringen Ener­gie­bedarf. Deswegen geht es bei der Dämmung darum, die via Wärme­pumpe und Sonnen­en­ergie erzeugte Wärme im Haus zu halten. Im Sommer gilt dies natürlich auch für die Hitze. Die DWG setzte hier luft­dichte Bauteil­an­schlüsse und ein 30 cm starkes Wärmedämm-​Verbundsystem mit Sili­kon­harzputz ein. Weitere Elemente sind Klin­ker­riemchen, 3‑Scheiben-​Iso-​Verglasung, 45 cm starke Mine­ral­wol­le­dämmung im Dach sowie eine bis zu 30 cm dicke Dämmung der Keller­wände und ‑sohle mit XPS-​Platten. Für die Frisch­luft­zufuhr und die Wärme­rück­ge­winnung sorgt ein Lüftungs­system. Dieses wurde auf jedes Haus und jede einzelne Wohnung abge­stimmt und im Dachraum instal­liert. Der Wirkungsgrad der Wärme­rück­ge­winnung liegt bei 86 %. Möglich wäre weiterhin ein vorge­schal­teter Erdwär­me­tau­scher gewesen, wie er bei Passiv­häusern mit Erdwär­me­pumpen häufig zum Einsatz kommt. Doch der war aufgrund der schon hinrei­chend durch die instal­lierten Kompo­nenten gewon­nenen Wärme für den Passiv­haus­status nicht mehr nötig.

Die Kosten für die Lüftungs­anlage beliefen sich nach Angaben der DWG auf 74 Euro/​m2 Wohn­fläche. Das seien 9 Euro mehr, als das Institut für Landes- und Stadt­ent­wick­lungs­for­schung NRW für die Lüftungs­kosten bei Passiv­häusern angibt. Hierfür waren nach Angaben der DWG hohe Brand­schutz­auf­lagen beim Lüftungs­einbau ursächlich.

Geschrieben für SBZ, Ausgabe 20/​2015. Der voll­ständige Beitrag ist hier zu lesen. Zum kosten­freien SBZ-​Probeabo geht es hier.

Vorschaubild: Das Mörsen­broicher Carrée. Foto: DWG

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

2 Kommentare

  1. Markus Gailfuß (BHKW-Infozentrum)

    Das heisst im Klartext:
    Wenn die Elek­tro­lei­tungen an kalten Tagen glühen, weil besonders viel Strom benötigt wird, sorgen inef­fi­ziente „Geblä­se­heiz­körper”, also über­di­men­sio­nierte Haarföns, dafür, dass noch mehr Strom benötigt wird.
    Ist das wirklich intelligent?

    • Frank Urbansky

      Im Rheinland kann man das so machen, die Gefahr, dass es hier dauerhaft Minus­grade gibt, ist recht gering. Im letzten Winter wurden die Systeme überhaupt nicht benötigt.

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