Kleine KWK-Lösungen, wie hier ein gasbetriebenes Blockheizkraftwerk im Wohnungsbereich, werden in Zukunft nun doch gefördert. Foto: Urbansky

Neues KWK-​Gesetz: Die Kleinen fängt man, die Großen…

von | 16. November 2015

Das am 23. September 2015 vom Kabinett verab­schiedete KWK-​Gesetz sorgt in der Branche für Unruhe. Gerade kleine BHKW sollen aus der Förderung für eigen­ver­brauchten Strom heraus­fallen. Nur gasge­triebene Groß­kraft­werke mit Wärme­aus­kopplung und Groß-​BHKW profi­tieren. Die Ener­gie­wende sollte eigentlich anders aussehen.

Das neue Gesetz zur Kraft-​Wärme-​Kopplung sorgt auch nach seiner Verab­schiedung im September für Unzu­frie­denheit. Kein Wunder. Denn richtig glücklich sein können nur die Betreiber großer und gasbe­trie­bener KWK-​Anlagen, da diese im Gegensatz zu kohle­ge­trie­benen Anlagen profi­tieren. Letztere fallen komplett aus der Förderung. Für den Einsatz Erneu­er­barer Energien hingegen gibt es keinerlei Anreize. Diese Unfreiheit bei der Tech­no­lo­giewahl beklagt Joachim Pfeiffer, immerhin ener­gie­po­li­ti­scher Sprecher der CDU/​CSU-​Bundestagsfraktion.

Betreiber einer kleinen KWK-​Anlage, die ihr Haus oder eventuell mehrere Wohnungen mit dieser effi­zi­enten Tech­no­logie versorgen, gucken in die Röhre. Von den auf 1,5 Milli­arden Euro aufge­stocktem Förder­kuchen werden ihnen kaum mehr als Krümel bleiben.

Der Grund dafür ist einfach: Im neuen Gesetz sollen alle Anlagen, die weniger als 50 kW Leistung haben – und das sind eben jede Mikro- und Mini-​BHKW, meist mit Erdgas, manche mit Heizöl betrieben – bei der Strom­erzeugung mehr oder weniger aus sich selbst heraus leben. Sprich: Die Förderung des selbst verbrauchten Stroms wird drastisch reduziert. Ähnliches gilt übrigens auch für Indus­trie­be­triebe mit eigenen Blockheizkraftwerken. 

Immerhin machte diese Förderung etwa für den lions Power­block mit bis zu 2 kW elek­tri­scher und bis zu 16 kW Wärme­leistung über 3.000 Euro aus. Gezahlt wurde sie vom Netz­be­treiber nach Instal­lation der Anlage komplett mit einem Schlag für die gesamten Förder­laufzeit. Nur neue, nach­ge­rüstete oder moder­ni­sierte Anlagen können weiter auf Förderung hoffen. Sind die Anlagen schon älter, fällt die Förderung ganz weg. …

Mini-​BHKW vor dem Aus?

Die Verbände ASUE, Bund der Ener­gie­ver­braucher und BHKW-​Forum schlagen daher vor, Mini-​BHKW bis 50 kW elek­tri­scher Leistung wie bisher einen KWK-​Zuschlag von 5,41 Cent je selbst verbrauchter Kilo­watt­stunde sowie zusätzlich die vom BMWi vorge­schlagene neue Vergütung von einge­speistem Strom in Höhe von 8 Cent je Kilo­watt­stunde zu zahlen. Und: Der KWK-​Zuschlag soll wie bisher über einen an der Lebens­dauer der strom­erzeu­genden Heizungen bemes­senen Zeitraum geleistet werden. Damit sei zu verhindern, dass neuwertige Heizungen schon nach wenigen Jahren verschrottet würden, nur weil der Zuschlags­zeitraum abge­laufen sei. 

Bei diesen kleinen KWK sieht auch Johann Saathof, für die Regie­rungs­partei SPD Mitglied im Ener­gie­aus­schuss des Bundes­tages, Nach­ho­le­bedarf. Warum dieser nicht gleich in das Gesetz einge­flossen ist, bleibt fraglich.

Vorschaubild: Kleine KWK-​Lösungen, w ie hier ein gasbe­trie­benes Block­heiz­kraftwerk im Wohnungs­be­reich, werden in Zukunft nicht mehr so gut gefördert wie große KWK-​Anwendungen. Foto: Urbansky

Geschrieben für Brenn­stoff­spiegel. Der voll­ständige Beitrag ist nur in der Ausgabe 11/​2015 zu lesen. Zum kosten­freien Pobeabo geht es hier.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

5 Kommentare

  1. Florian

    Meinen Sie Joachim Pfeiffer? Zitat: „beklagt Michael Pfeiffer, immerhin ener­gie­po­li­ti­scher Sprecher der CDU/​CSU-​Bundestagsfraktion”

    • Frank Urbansky

      Danke, ja, mir schwirrte beim Schreiben wohl noch Michael Fuchs durch den Kopf

    • Markus Gailfuß (BHKW-Infozentrum)

      Dein Text handelt ja von der Pauschalvergütung.
      Die bisherige Pauschal­ver­gütung würde über 30.000 Voll­be­nut­zungs­stunden mit einem Fördersatz in Höhe von 5,41 Cent/​kWh gewährt werden – die neue Förderung wird über mindestens 45.000 Voll­be­nut­zungs­stunden gewährt und mindestens 4 Cent/​kWh erlösen.
      Demnach wären es 3.246,- Euro nach KWKG 2012 und mindestens 3.600,- Euro nach dem neuen KWKG.

  2. Markus Gailfuß (BHKW-Infozentrum)

    Sorry – aber der „lions Power­block mit bis zu 2 kW elek­tri­scher und bis zu 16 kW Wärme­leistung” würde – falls er noch vertrieben werden sollte – nach dem neuen KWK-​Gesetz 3.600 Euro statt 3.000 Euro als Pauschale bekommen – also 20% mehr.

    Eine Rückkehr zu einer Förderung auf 10 Jahre wäre völlig inak­zep­tabel und keinster Weise ziel­führend. Aber die avisierte Förder­dauer fällt mit 45.000 Voll­be­nut­zungs­stunden sehr niedrig aus. 60.000 Voll­be­nut­zungs­stunden war der (sinn­vollere) Vorschlag der wissen­schaft­lichen Studie zum KWKG-Monitoring.

EnWiPo
EnWiPo
Holz­ver­gaser: Comeback einer totge­glaubten Technologie

Holz­ver­gaser: Comeback einer totge­glaubten Technologie

Holzvergaser gibt es schon seit gut 130 Jahren, als sie die industrielle Revolution in England befeuerten. In der Nachkriegszeit eine probate Lösung, um dem Treibstoffmangel im Verkehrssektor zu begegnen. Heutzutage dienen sie als Heizlösung insbesondere dort, wo viel...

Inves­ti­tionen und Betrieb andere machen lassen

Inves­ti­tionen und Betrieb andere machen lassen

Die Novellen der Heizkostenverordnung und der Wärmelieferverordnung lassen auf sich warten. Jedoch wurden zuletzt steuerliche Hemmnisse für Wohnungsunternehmen verringert, die ihnen den Energiehandel erschwerten. Für Contractoren ist dies kein bedrohliches Szenario....

West­afrika: Wasserstoff-​Powerhouse mit drei Haken

West­afrika: Wasserstoff-​Powerhouse mit drei Haken

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek will den Sonnenreichtum Westafrikas nutzen, um Wasserstoff für Deutschland zu produzieren. Das Projekt hat nur Chancen bei einer echten Partnerschaft. Ohne Wasserstoff wird die Energiewende nicht gelingen. "Der Strombedarf...

Strom aus Strömen

Strom aus Strömen

Wasserkraft ist neben Biomasse die einzige grundlastfähige erneuerbare Energieform. Doch die Ausbaupotenziale für große Pumpspeicher- oder reine Wasserkraftwerke sind begrenzt. Bürger begehren auf, Investoren ziehen sich zurück. Die kleine Variante, etwa...