Dezentrale Erzeugung und Verbauch sind Grundlagen für die Energiewende in Bürgerhand. Foto: Urbansky

Kaum mehr Markt­chancen für Bioheizöl

von | 9. Dezember 2015

Bioheizöl mit 5- bis 15-​prozentiger Beimi­schung ist ein wichtiger Beitrag der Mine­ral­öl­branche zum Klima­schutz. Doch die Nachfrage geht inzwi­schen gegen 0. Das hat mehrere Gründe.

Es war im Jahr 2008, als der schwä­bische Ener­gie­händler und ‑dienst­leister Friedrich Scharr KG gemeinsam mit dem Heizungs­her­steller ROTEX ein Bioheizöl entwi­ckelte und auf den Markt brachte. Wichtig war beiden Unter­nehmen, die Zukunfts­fä­higkeit des Heizöls und der Ölheizung zu sichern. Zwischen­zeitlich arbei­teten weitere Anbieter daran, den Bioheizöl-​Markt zu entwi­ckeln, wie Shell (Thermo plusBio10) und BayWa (Eco5).

Nach jahre­langen Tests, wo vor allem Brenner, Kessel, Leitungen und Armaturen auf ihre Bio-​Verträglichkeit getestet wurden, waren 2010 die wich­tigsten Voraus­set­zungen für eine Markt­ein­führung des „grünen“ Heizöls gegeben. 

Doch der Bioheiz­öl­markt ist nie den Kinder­schuhen entwachsen. Es fehlt auf der einen Seite die Nachfrage, auf der anderen Seite fast überall das Angebot.

Am stärksten entwi­ckelt ist das Bioheiz­öl­ge­schäft in Baden-​Württemberg. Im Ländle gibt es seit Anfang 2010 ein Gesetz, dass Haus­sa­nierer verpflichtet, zukünftig 10 Prozent erneu­erbare Energien einzu­setzen. Da kommt ein Bioheizöl mit 10 Prozent Anteilen aus rege­ne­rativ erzeugten Pflan­zenölen gerade recht. 

In Berlin plante der Senat in der letzten Legis­la­tur­pe­riode ein ähnliches Geset­zeswerk. Doch dazu kam es nicht.Der Handel reagierte dennoch und bot Bioheizöl an. Doch mangels Nachfrage kam ein nennens­wertes Geschäft hier nie zustande.Die meisten Händler nahmen es wieder aus dem Angebot. In den beiden größten Bundes­ländern, Bayern und Nordrhein-​Westfalen, war oder ist Bioheizöl zumindest regional verfügbar.

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Das Henne-​Ei-​Problem

Ebenso, wie bei der Markt­ein­führung anderer neuer Produkte, muss auch hier intensiv geworben werden. Dazu gehört nach Auskunft mehrerer Händler auch eine Aufklärung der Kunden, die mit dem Produkt Bioheizöl noch wenig anfangen könnten und es als schädlich für ihre Heizung empfänden, obwohl dies bei neueren Anlagen nicht mehr der Fall sei. 

Hohe Preise

Hinzu kommt der hohe Kosten­un­ter­schied zu handels­üb­lichem Heizöl. Der liegt bei der Biova­riante zwischen 7 und 10 Euro, bezogen auf 100 Liter bei 3000-​Liter-​Gesamtliefermenge zu Heizöl schwe­felarm. Über­ein­stimmend ist die Auskunft der Händler, dass derzeit im Prinzip kaum Nachfrage besteht. Über 50 Prozent der Händler mit Bioheizöl im Sortiment gaben 2011 an, dass sie bisher noch überhaupt kein Bioheizöl verkauft haben. Bei den rest­lichen ist die Menge äußerst gering. 

Geschrieben für Brenn­stoff­spiegel und aktua­li­siert für diesen Blog. Der voll­ständige Beitrag ist nur in der Ausgabe 01/​2011 zu lesen. Zum kosten­freien Probeabo geht es hier.

Vorschaubild: Das FAME als Biokom­po­nente für Heizöl in Deutschland wird vor allem aus Raps herge­stellt. Foto: Urbansky

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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