Kämpft verzweifelt um Marktanteile und sorgt damit für die dauerhafte Ölschwemme: Saudi-Arabiens Ölmonopolist Saudi Aramco. Foto: By Eagleamn [Public domain], via Wikimedia Commons

Öl-​Förderkapazitäten über­treffen Nachfrage deutlich

von | 21. April 2016

Die Heiz­öl­preise und die anderer Mine­ral­öl­pro­dukte könnten aufgrund der Ölschwemme an den inter­na­tio­nalen Märkten hier­zu­lande günstig bleiben. Vergangene Woche war eine Über­ein­kunft der OPEC-​Länder, die für rund ein Drittel der welt­weiten Produktion verant­wortlich sind, gescheitert (eine Analyse dazu findet sich hier auf Spiegel online).

Insbe­sondere Iran, Grün­dungs­mit­glied des Kartells, weigert sich, seine Förderung zu beschränken. Aktuell produ­ziert das Ayatollah-​Reich 3,5 Millionen Barrel je Tag. Ziel sei es, so Vize-​Ölminister Rokneddin Dschawadi gestern, die Produktion auf täglich 4 Millionen Barrel bis Juni zu steigern.

Die aktuelle weltweite Über­pro­duktion von bis zwei Millionen Barrel täglich wird also noch weiter zunehmen, da auch alle anderen OPEC-​Mitglieder, aber auch Russland, bis zum Anschlag fördern, um ihre Markt­an­teile zu behalten. Bis zum nächsten OPEC-​Treffen am 2. Juni 2016 in Wien wird sich nichts ändern. Auch danach ist nicht zu erwarten, dass sich die dort versam­melnden Ölstaaten auf eine Förder­quote einigen, zumal der Iran an seiner bis dahin ausge­wei­teten Produk­ti­onshöhe nichts ändern wird.

Die aktuelle Situation wird genährt aus dem Gegensatz von Iran und Saudi-​Arabien – in ihrer Region die größten Ölför­derer, die dort nach poli­ti­scher Vormacht­stellung streben. Doch dies ist nicht der einzige Grund. Le Monde Diplo­ma­tique schreibt, dass „wir eine Phase, in dem das Angebot an Öl praktisch unbe­grenzt ist (erleben) – Ergebnis von Fort­schritten bei den Förder­tech­niken, die die Ausbeutung von Ölschiefern und anderen bisher unzu­gäng­lichen Vorkommen ermög­licht haben. Gleich­zeitig dürften das lang­samere Wachstum der Welt­wirt­schaft und der Trend zu klima­freund­li­cheren Ener­gie­quellen die Nachfrage begrenzen, was nicht zuletzt den Zielen der Pariser Klima­kon­ferenz vom Dezember 2015 entspricht.“

Damit könnte das Ende des Ölzeit­alters, zumindest das des teureren Öls, einge­läutet sein, weil die Nachfrage nie wieder die aktuellen Förder­ka­pa­zi­täten abdecken wird. Für Verbraucher hier­zu­lande heißt das: Die Zeiten günstiger Mine­ral­öl­preise, darunter auch Heizöl, sind nicht vorbei. Sie fangen gerade erst an.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

2 Kommentare

  1. jogi54

    Das kann sich aber mittel­fristig auch umkehren. Derzeit werden keine neuen Quellen mehr erschlossen, weil dafür kaum Geld da ist. Irgendwann sind dann die derzei­tigen Quellen erschöpft und es entsteht auto­ma­tisch eine Knappheit.

    Gut, wenn wir dann auch kaum mehr Erdöl mehr brauchen …

    LG jogi

    • Frank Urbansky

      Ich denke auch, dass es zu einem share kommt. Der Großteil des weltweit geför­derten Öls wird durch staat­liche oder halb­staat­liche Firmen (Aramco, Petrobras, Rosneft) gefördert, die werden also ums Verrecken willen nicht pleite gehen, deswegen wird das Angebot sich viel­leicht seitens der privaten Förderer redu­zieren (Shell, BP und Konsorten), aber nicht in denm Maße, dass eine Knappheit eintreten könnte. Tja, und in dieser Zeit­schiene werden wir tatä­schlich immer weniger Öl brauchen.

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