Power-to-Heat: Praxistest mit 200 Häusern geplant

Die überschüssige Windkraft Schleswig-Holsteins soll im PtH-Feldtest 200 Häuser teilweise beheizen. Foto: Urbansky
Foto: Urbansky

Energieeffizienz, zu der auch das Nutzen ansons­ten nicht nutz­ba­rer Energie gehört, ist ja das große Thema der Berliner Energietage. Power-to-Heat (PtH), also die Umwandlung über­schüs­si­gen Wind- und Solarstroms in Wärmeenergie, ist eines.

In die­sem Jahr nun stellte das IWO die Fortführung sei­nes seit 2015 lau­fen­den Praxistests in einem Berliner Einfamilienhaus fort. Demnach betru­gen die Erlöse aus Regelenergie und ein­ge­spar­tem Brennstoff 188 Euro im Jahr,. Das ist etwas weni­ger als in der letz­ten Bilanz. Aber immer­hin – es funk­tio­niert. Hier die tech­ni­schen Daten der Anlage von Buderus:

  • Modulierender Öl-Brennwertkessel, stu­fen­los 5-15 kW
  • 500 Liter Pufferspeicher zur Heizungsunterstützung und Trinkwasserbereitung
  • 9 kW Elektroheizer
  • PV Anlage
  • Nutzung von Überschüssen der haus­ei­ge­nen PV Anlage sowie nega­ti­ver Regelenergie aus dem Netz als Wärme

Was nicht funk­tio­niert, ist der poli­ti­sche Rahmen. Denn an die­sem darf nur teil­neh­men, wer min­des­tens 5 MW Leistung in die Waagschale zu wer­fen hat – viel zu viel für ein klei­nes Einfamilienhaus. IWO und Arge Netz machen aus die­sem Notstand eine kleine Tugend und pla­nen nun einen Feldversuch. Die Idee, um in den Regelenergiemarkt kom­men: Ein Wärmevertrieb betreibt eine Power‐to‐Heat‐Anlage oder bün­delt Hybridheizungen und bezieht in Zeiten von Engpassmanagement Strom von einem Windpark. Zwischen Wärmevertrieb und dem Windpark wird ein Liefervertrag abge­schlos­sen.

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Geplant ist nun eine Modellregion für Power-to-Heat in Hybridheizungen in Schleswig-Holstein, also in genau jenem Bundesland, wo beson­ders viel Windenergie erzeugt wird. Dabei soll die Ansteuerung der Hybridheizungen durch Integration in das Erneuerbaren Kraftwerk der Arge Netz erfol­gen, um so die 5-MW-Grenze für den Regelenergiemarkt zu kna­cken. Abgeregelte Strommengen könn­ten so sinn­voll im Wärmemarkt genutzt wer­den

Als Projektziele nennt die Arge:

  • Nachweis der Systemdienlichkeit
  • Ermittlung der inte­grier­ba­ren Mengen EE in den Wärmemarkt
  • Erprobung von geeig­ne­ten Geschäftsmodellen

200 Häuser für PtH

„ Etwa 200 PtH‐fähige Ölheizungsanlagen mit einer elek­tri­schen Leistungsaufnahme von jeweils rund 10 kW wer­den errich­tet“, so  Björn Spiegel von der Arge Netz. Dabei sei der Austausch ver­al­te­ter Ölheizungstechnik und die Erweiterung von Bestandsanlagen um PtH‐Technologie geplant, sprich: Einige Altanlagen wer­den ein­fach mit dem tauch­sie­der­ähn­li­chen Heizstab aus­ge­stat­tet.

Bleibt abzu­war­ten, was der Test ergibt. Zwischenzeitlich wird zudem gefor­dert, einige poli­ti­sche Rahmenbediungen zu ändern. Die Arge Netz for­dert des­halb;

  • Öffnung der Märkte: Marktintegration heißt, dass erneu­er­bare Energien jetzt in die Märkte gehen dür­fen und Geschäftsmodelle ent­wi­ckeln kön­nen
  • Anpassung des Strommarkgesetzes / EEG 2016: Integration einer Option, um Strom, der nicht in das Stromnetz abge­ge­ben wer­den kann (Engpassmanagement) oder soll (Spitzenkappung), wirt­schaft­lich nutz­bar zu machen. Härtefallregelung und Investitionsschutz blei­ben davon unbe­rührt
  • Letztverbraucher‐Pflichten für Speicher auf­lö­sen: Zuschaltbare Lasten aus Power‐to‐X‐Lösungen sind keine Letztverbraucher und müs­sen von Steuern und Abgaben befreit wer­den
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Wissenschaft fordert Marktöffnung

Rückendeckung erhal­ten IWO und Arge Netz bei ihrem Vorhaben  von der Stiftung Umweltenergierecht und dem Fraunhofer ISI. Die haben im März 2016 ein Gutachten zu zuschalt­ba­ren Lasten vor­ge­stellt. Sie emp­feh­len:

  • Ausschreibungen von zuschalt­ba­ren Lasten zur Nutzung von ansons­ten abge­re­gel­tem Strom ein­füh­ren
  • Pflicht zur Ausschreibung zuschalt­ba­rer Lasten durch ÜNB/ggf. VNB (also die Netzbetreiber)
  • Pflicht zum Einsatz kon­tra­hier­ter Lasten vor Abregelung EE – damit dürfte auch die 5-MW-Grenze fäl­lig sein
  • Dafür Privilegierungen bei staat­lich indu­zier­ten Strompreisbestandteilen
  • Alternative: rück­wir­kende Kostenerstattung

Alle Vorträge zu dem PtH-Test fin­den sich hier.

Ein Beitrag zu den Chancen von Smart Home, letzt­lich auch eine Voraussetzung von Power-to-Heat im Eigenheim, fin­det sich hier von Energieblogger-Kollege Martin Schlobach auf Stromauskunft.

1 Kommentar

  1. Zwar ist es löb­lich, alte Öl-Heizwertkessel zu Brennwertkesseln auf­zu­rüs­ten und sowieso mit sonst nicht genutz­tem Strom ein wenig Öl erset­zen zu las­sen, aber so wird nichts draus, am Ende (2050) nur mit EEN Strom zu hei­zen.

    Zielführend wäre, den Verbrauch auf max. ~ 5kW zu redu­zie­ren, eine WP mit gro­ßem Wärmespeicher zu instal­lie­ren und dann die Stromüberschüsse zum Laden des Speichers zu nut­zen.

    Bei max 5kW ist der Tagesbedarf die aller­meiste Zeit ca 50kWh/Tag. Diese 50kWh las­sen sich z.B. in 2000l Speicher mit einem Temperaturhub von 21,5K ein­spei­chern. Zwar wird der COP in einem sol­chen Fall nicht mehr opti­mal sein, aber immer noch deut­lich bes­ser, als bei einer Direktheizung.

    Mit dem Praxistest wird wenigs­tens ange­gan­gen, ansons­ten abge­re­gel­ten Strom zu nut­zen und da end­lich in die staat­li­chen Regelungen etwas Bewegung zu brin­gen.

    LG jogi

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