Bitcoin kann Ener­gie­krise aus­lö­sen

Könnten die Energiewirtschaft dezentralisieren: Bitcoins, hier in einer materialisierten und deswegen eigentlich unnötigen Variante. Foto: MasterTux / Pixabay
Blockchain und darauf beruhende Kryptowährungen wie Bitcoin brauchen viel Energie. Foto: MasterTux / Pixabay

In einigen Ländern herrscht auf­grund des Bitcoin‐Minings bereits ein Mangel an Elek­tri­zi­tät für die Bevöl­ke­rung. In Island, China und Kanada sind bereits Pro­bleme auf­grund der Ver­brei­tung solcher Indus­trien begon­nen. Exper­ten warnen, dass Länder mit kaltem Klima und nied­ri­gen Strom­ta­ri­fen auf den Zustrom von Minern warten, und dass die Aus­brei­tung von Mining‐Betrieben die Strom­kos­ten für alle Ver­brau­cher­ka­te­go­rien erhöhen wird.

In Island wird der Strom­ver­brauch von Mining‐Zentren bereits in diesem Jahr den Ener­gie­ver­brauch der gesam­ten Bevöl­ke­rung des Landes über­stei­gen, sagte Johann Snorri Sigur­bergs­son, ein Ver­tre­ter des ört­li­chen Ener­gie­un­ter­neh­mens HS Orka, in einem Inter­view mit der BBC. In Island leben nur etwa 340.000 Men­schen. Der Strom im Land wird haupt­säch­lich aus erneu­er­ba­ren Quellen erzeugt. Der jähr­li­che Ener­gie­ver­brauch des Landes liegt bei rund 700 Giga­watt­stun­den (GWh). Alle bereits exis­tie­ren­den und geplan­ten Mining‐Projekte — für Com­pu­ter und Kühl­sys­teme — werden nach Schät­zun­gen von HS Orka 840 GWh benö­ti­gen.

Pro­bleme auch in China und Kanada

Island ist nicht das erste Land, das auf­grund des Minings auf Ener­gie­pro­bleme stößt. Chi­ne­si­sche Medien schrie­ben über ähn­li­che Schwie­rig­kei­ten im ver­gan­ge­nen Jahr. In einigen Regio­nen der VR China began­nen Klein­was­ser­kraft­werke, zum Nach­teil der Bevöl­ke­rung bil­li­gen Strom an Mining‐Unternehmen zu ver­kau­fen. Beson­ders auf­fäl­lig wurde es in Zeiten der Was­ser­knapp­heit, also im Winter.

Kanada hat auch schlechte Erfah­run­gen mit der Anwer­bung der Miner gemacht. Im Januar schrie­ben viele Fach­pu­bli­ka­tio­nen, dass die Provinz Quebec ein echtes Klon­dike für Miner werden könnte, die von Ener­gie­ein­schrän­kun­gen aus China ver­folgt werden. In dieser Region kon­zen­trier­ten sich 40% des gesam­ten Was­ser­po­ten­ti­als Kanadas. Das staat­li­che Unter­neh­men Hydro‐Quebec gab seine Absicht bekannt, das lokale Was­ser­kraft­po­ten­zial aktiv zu erschlie­ßen, und kün­digte am 1. April 2018 die Ein­füh­rung ren­ta­bler Tarife für Groß­ver­brau­cher an: zu einem Durch­schnitts­preis für einen Ein­woh­ner. Aber das Unter­neh­men erhielt eine solche Anzahl von Anfra­gen von poten­zi­el­len Ver­brau­chern, dass es beschloss, die dies­be­züg­li­chen Akti­vi­tä­ten zu redu­zie­ren.

Nur kalte Länder attrak­tiv

Zu den attrak­tivs­ten Ländern für Mining gehören Kanada, China, die Schweiz und Island, wo Strom am bil­ligs­ten und das Klima nicht beson­ders heiß ist. Am wenigs­ten attrak­tiv sind Aus­tra­lien, Uganda, Japan und das Ver­ei­nigte König­reich.

Das Mining ist in Ländern mit erheb­li­chen staat­li­chen Sub­ven­tio­nen im Ener­gie­sek­tor und nied­ri­gen Zöllen am viel­ver­spre­chends­ten. Darüber hinaus ist das kühle Klima wichtig, das zur Kühlung der Geräte bei­trägt.

Das »teu­erste« Land für Mining ist Süd­ko­rea (26.170 USD für 1 Bitcoin). In China werden die Kosten für den Abbau von 1 BTC zu Durch­schnitts­prei­sen 3.172 USD betra­gen, was fast neunmal bil­li­ger ist. In Russ­land belau­fen sich die Kosten für den Abbau eines Bitcoin bei den der­zei­ti­gen Strom­ta­ri­fen auf 4.675 US‐Dollar.

Schon in naher Zukunft wird die Aus­brei­tung des Minings zu einer Erhö­hung der Strom­ta­rife führen, und nicht alle Staaten werden das Mining auf ihrem Ter­ri­to­rium und in Bezug auf ihre Res­sour­cen unter­stüt­zen.

Mining ein Irrweg?

Unter dem Gesichts­punkt der Ver­tei­lung der Ener­gie­res­sour­cen auf der Erde könnte es ein volks­wirt­schaft­li­cher Irrweg sein, so viel Strom für die Pro­duk­tion vir­tu­el­ler Wäh­run­gen aus­zu­ge­ben, nur um ein neues Abwick­lungs­in­stru­ment zusätz­lich zu den bereits vor­han­de­nen und ein wei­te­res Instru­ment für Spe­ku­la­tio­nen zu erhal­ten.

Einer­seits deutet die Ent­wick­lung der Kryp­towäh­rung in der Welt darauf hin, dass der Ener­gie­ver­brauch im Zusam­men­hang mit dem Mining zuneh­men wird, ande­rer­seits begin­nen viele die Sinn­lo­sig­keit einer end­lo­sen Stei­ge­rung der Kapa­zi­tät und des Ener­gie­ver­brauchs zu begrei­fen.

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