Grafik: IGT

SmartHome-​Kostenkennwerte

von | 27. September 2021

Das Münchener IGT – Institut für Gebäu­de­tech­no­logie gibt monatlich Tipps heraus, mit denen Mietern, Verwaltern und TGA-Verant­wort­lichen die Steuerung der Haus­technik leicht gemacht werden soll. Im September nun geht es darum, wie man die Kosten von Smart-​Home-​Systemen ermittelt.

Was kostet ein SmartHome pro Quadratmeter?

Dazu wurde an der Tech­ni­schen Hoch­schule Rosenheim eine umfangrei-​che Bache­lor­arbeit durch­ge­führt. Das Ziel waren unter­schied­liche Kosten-​kennwerte für die Elek­tro­in­stal­lation – d.h. alle erfor­der­lichen Kompo­nenten sowie deren Verka­belung für sowohl eine BUS als auch eine funk­ba­sierte SmartHome-​Installation im Vergleich zu einer klas­si­schen Elektroinstallation.

Varianten bei den Planungsprämissen

Die Kosten für ein SmartHome hängen von mehreren Rand­be­din­gungen ab. Ein wesent­licher As-​pekt ist die Auswahl der Tech­no­logie. Somit war das vorran­ginge Ziel, Kosten­kenn­werte für eine BUS-​basierte Instal­lation am Beispiel von KNX versus einer funk­ba­sierten Instal­lation am Beispiel von EnOcean zu ermitteln.
Dabei hat auch der Umfang der Anfor­de­rungen einen Einfluss auf die Kosten. Deshalb wurden in Bezug auf die SmartHome-​Funktionalität zwei Ausstat­tungs­va­ri­anten zugrunde gelegt: Eine Min-​destausstattung mit grund­le­genden Anfor­de­rungen sowie eine Voll­aus­stattung mit erwei­tertem Um-​fang. Dabei sind diese nicht so zu verstehen, dass Nutzer genau diese und keine anderen Anforde-​rungen erhalten. Die beiden Ausstat­tungs­va­ri­anten stehen quasi sympto­ma­tisch für ein „SmartHome mit gerin­gerem Umfang“ bzw. für ein „SmartHome mit erwei­tertem Umfang“. Die ermit­telten Kosten­kenn­werte sollten somit auch auf andere Projekte über­tragbar sein – sofern man diese ebenso als SmartHome mit „gerin­gerem“ oder „erwei­tertem“ Umfang einordnen kann.

Wesent­liche Anfor­de­rungen der Mindestausstattung
Heiz. Die Raum­tem­pe­ratur soll auto­ma­tisch auf einen Sollwert geregelt werden (inkl. Einga­be­gerät für die gewünschte Temperatur).
Es soll möglich sein, Zeitpläne für die Heizung des Raums zu hinter­legen (d.h. Tages ‑oder Wochenprogramm).
Luft. Bei Abwe­senheit soll die Lüftung reduziert/​unterbrochen werden.
Licht Die Beleuchtung soll von mehreren Stellen aus gedimmt oder geschaltet werden können.
Verschattung Es soll möglich sein, mehrere Rollläden/​Jalousien gemeinsam zu fahren.
Für die Verschattung soll es möglich sein, Zeitpläne für Räume zu hinter­legen (d.h. Tages- oder Wochenprogramm).
Sicherh. Der Zustand von Rauch­meldern soll weiter­ver­ar­beitet werden (d.h. falls eine Rauch­er­kennung anschlägt, soll eine Alar­mierung ausgelöst werden).
Weiteres Im Eingangs­be­reich von Haus oder Wohnung soll ein Zentral­taster („Alles-​Aus-​Taster”) einge­plant werden, mit dem alle schalt-​/​dimmbaren Verbraucher zentral abge­schaltet werden können.
Einige der Funk­tionen sollen via Smart­phone oder PC (z.B. Webbrowser) bedient oder visua­li­siert werden.
Ergän­zende Anfor­de­rungen der Vollausstattung
Heiz. Bei geöff­neten Fenstern soll das Heizen des Raumes unter­brochen werden.
Licht Es soll möglich sein, dass mehrere Leuchten über einen Tasten­druck auf Licht­szenen einge­stellt werden.
Es soll möglich sein, mit einem Taster mehrere Leuchten bzw. Leuch­ten­gruppen auf einmal schalten oder dimmen zu können.
Bei An-​/​Abwesenheit soll sich die Beleuchtung auto­ma­tisch ein- oder ausschalten.
Die Helligkeit der Beleuchtung soll sich auto­ma­tisch anpassen – d.h. bei erhöhtem Tages­licht­einfall auto­ma­tisch herunterdimmen.
Verschatt. Die Rollläden/​Jalousien sollen in Abhän­gigkeit der Außen­hel­ligkeit auto­ma­tisch herauf- oder herunterfahren.
Jalousien und Markisen sollen im Falle von Sturm oder starkem Wind einge­fahren werden.
Sicherheit Die Fenster und Türen sollen in Bezug auf Einbruch/​unbefugten Zutritt überwacht werden (d.h. das Öffnen führt zu einer Alar­mierung oder zum Einschalten der Beleuchtung).
Es soll angezeigt werden können, ob Fenster oder Türen nicht ordnungs­gemäß verschlossen sind (z.B. beim Verlassen von Haus/​Wohnung).
Bei offenen Fenstern und gleich­zei­tigem Regen/​Sturm soll alarmiert werden, dass Fenster nicht richtig verschlossen sind.

Letztlich hat auch die Art der Immobilie, d.h. deren Größe sowie Raumarten, einen Einfluss auf den Mate­ri­al­bedarf und somit die Kosten. Somit wurden in der Arbeit Kennwerte für jeweils eine Einzim­mer­wohnung, eine Drei­zim­mer­wohnung und ein Einfa­mi­li­enhaus ermittelt.

Wichtig zu beachten ist die Infor­mation, dass alle Kosten­kenn­werte Endkun­den­preise sind – somit Kosten inklusive Installation/​Programmierung durch einen Fach­be­trieb sowie der gesetz­lichen MwSt.!

Kosten­kenn­werte für die klas­sische Elektroinstallation

Ergänzend zu den Kosten eines SmartHome wurden auch Kosten­kenn­werte für eine klas­sische Elek­tro­in­stal­lation ermittelt. Diese ist funk­tional in keiner Weise mit den SmartHome Varianten zu vergleichen, da sich der einzige Komfort im „Schalten der Beleuchtung von mehreren Stellen“ nieder­schlägt. In diesen Kosten­kenn­werten sind neben den Schaltern auch Steck­dosen sowie die raum­seitige Verka­belung enthalten.

Als Ausstat­tungs­umfang für die klas­sische Elek­tro­in­stal­lation wurde die „Komfort­va­riante“ (d.h. die Varianten „★★★“) der RAL RG 678 zugrunde gelegt. Nicht enthalten sind Kosten für den Vertei­ler­kasten samt dessen Kompo­nenten (Leitungs­schutz­schalter, Fehler­strom­schutz­schalter etc.).

Inter­pre­tation der Kostenkennwerte

Wichtig zur korrekten Inter­pre­tation der Kennwerte ist zu beachten, dass die Kosten für erfor­der­liche Steck­dosen und Kabel ebenso bei den SmartHome-​Varianten enthalten sind. Somit sind für eine Kosten­schätzung eines Neubau­vor­habens entweder die Kennwerte einer SmartHome-​Variante oder die Kennwerte einer klas­si­schen Variante zu berück­sich­tigen – nicht aber beides additiv.

Etwas anders sind Bestands­ge­bäude zu betrachten: Hier profi­tiert man von einer Bestands-​Elektroinstallation und somit exis­tenten Steck­dosen und Strom­lei­tungen. Somit können die Kosten­kenn­werte etwas reduziert werden. Dabei bei funk­ba­sierten Systemen mehr als bei BUS-​basierten, da hier nicht noch nach­träglich BUS-​Kabel verlegt werden müssen. Als pauschaler Ansatz für Bestands­ge­bäude empfehlen sich, die Kosten­kenn­werte für KNX um 33% der konven­tio­nellen Kosten und die Kosten­kenn­werte für EnOcean um 66% der konven­tio­nellen Kosten zu redu­zieren. Dabei sollte beachtet werden, dass die Verlegung von BUS-​Kabeln ergänzend dazu führt, dass geschlitzte und verputzte Wände erneut gestrichen bzw. tapeziert werden müssen, was deutliche weitere Mehr­kosten erzeugen kann.

Aber: Die Kosten für die Tech­no­logie sind nicht alles …

Natürlich haben die Kosten für die Kompo­nenten einen Einfluss auf die Gesamt­kosten für ein Projekt. Aber entscheidend ist die richtige Planung. Wenn ein Gebäude mehr als nötig auto­ma­ti­siert wird, wird es unnötig teuer. Was aber wird wirklich benötigt? Wie können früh­zeitig benö­tigtes Material und Aufwand bestimmt werden? Wie plant man ein „Smart Building”?

Die voll­ständige Bache­lor­arbeit von Julia Winkler mit umfang­rei­cheren Ausfüh­rungen (227 Seiten!) zu den Anfor­de­rungen, der Mate­ria­li­sierung und der Vorge­hens­weise zur Ermittlung der indi­vi­du­ellen Kosten­kenn­werte ist hier verfügbar.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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