Große Solarkollektorfelder wie hier in Dänemark sind das Vorbild für Preetz. Foto: Dronninglund Fjernwarme

Dron­ninglund deckt Wärme­bedarf mit 41 % Solarthermie

von | 17. August 2015

Dänemark geht ja komplett andere Wege bei der Wärme­wende als Deutschland. Die Nr. 20 der Wärme­wen­deinfo greift das Beispiel von Dron­ninglund in Nord­jütland. Dort gab es, wie in anderen dänischen Kommunen auch, schon ein Fern­wär­menetz, das von einem Gas-​BHKW versorgt wurde. 

Dieses wurde nun zu einem großen Teil auf Solar­thermie umge­rüstet. Das erstaun­liche: Der Deckungsgrad des Wärme­be­darfs beläuft sich mitt­ler­weile auf 41 % aus Solar­thermie. Die 2014 eröffnete Anlage (hier ein Video vom Aufbau im Zeit­raffer) war seinerzeit die größte der Welt, wurde aber inzwi­schen von Voljens abgelöst.

Sie besteht aus folgenden Kompo­nenten (hier folgend einem Prospekt von Dron­ninglund Fjern­warme):

Solar­wär­me­anlage mit 2.982 Solar­kol­lek­toren von ARCON Solar und einer Kollek­tor­fläche von insgesamt 37.573 m² und 21 Sonnen­kol­lek­toren in jeder Zeile. Kollek­toren sind auf zwei Felder verteilt, die jeweils über einen Wärme­tau­scher mit der Solar­wär­me­zen­trale verbunden sind. 

Solar­kol­lek­toren bieten eine maximale Leistung von 26 MW. Zum Vergleich: die Wärme­be­darfs­leistung von Dron­ninglund beträgt 12 MW

Solar­wär­me­zen­trale aus Wärme­tau­schern und Pumpen. Sobald die Kollek­toren im Winter höhere Tempe­ra­turen liefern können als die Tempe­ratur der untersten Spei­cher­schicht, starten die Pumpen und liefern Warm­wasser aus dem Wärme­speicher. Liefern die Kollek­toren mehr Wärme als im Netz benötigt, fließt sie den oberen Schichtend des Speichers zu, während das kühlere Wasser des Speichers entnommen wird. Im Sommer werden die Pumpen so geregelt, dass die Tempe­ratur hinter dem Solar­kol­lektor höher ist als die Vorlauf­tem­pe­ratur des Fern­wär­me­werkes (75°C).

Erdbe­cken­wär­me­speicher mit einem Volumen von 62.000 Kubuk­metern Wasser in einer ehema­ligen Kiesgrube neben der Solar­ther­mie­anlage. Der Speicher wird zum Erdreich mit einer 2,5 mm starken Kunst­stoff­folie, deren Teil­stücke mitein­ander verschweißt werden, abgedichtet.

Absorp­ti­ons­wär­me­pumpe, getrieben von einem „Bioöl-​Kessel“, erwärmt das Wasser auf 160 °C .

Die Sonnen­kol­lek­toren werden pro Jahr 17.453 MWh/​a Wärme für den Speicher erzeugen. Der Spei­cher­verlust wird voraus­sichtlich 2.260 MWh/​a betragen.

Vorschaubild: Dron­ninglund Fjernwarme

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

0 Kommentare

EnWiPo
EnWiPo
„Wir zeigen für jedes Gebäude eine rationale Wärmelösung“

Wir zeigen für jedes Gebäude eine rationale Wärmelösung“

Interview mit Dr. Katja Nowak, Leitung Klimaneutralität und Energiewende der Stadtwerke Halle, zur kommunalen Wärmeplanung und zum Fernwärmeausbau in Halle (Saale). Welche Stadtgebiete in Halle sind nach aktuellem Stand der Wärmeplanung künftig verbindlich...

Planung ist bezahlbar, die Umsetzung wird teuer

Planung ist bezahlbar, die Umsetzung wird teuer

Kommunale Wärmepläne sind im besten Fall ein verbindlicher, datenbasierter Orientierungsrahmen für den Umbau der Wärmeversorgung. Verbindlich sind sie allerdings nur dort, wo Gebiete für eine künftige Fernwärmeversorgung ausgewiesen werden. Doch selbst das ist...

Wasser­stoff: Infra­st­uktur ohne Markt?

Wasser­stoff: Infra­st­uktur ohne Markt?

Der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft bleibt deutlich hinter den politischen Erwartungen zurück. Zu diesem Ergebnis kommt der Bundesrechnungshof. Die Prüfer sehen zentrale energie- und industriepolitische Ziele gefährdet: Planung, Priorisierung und Umsetzung der...

Wärme­wende wirt­schaftlich gestalten in Mehrfamilienhäusern

Wärme­wende wirt­schaftlich gestalten in Mehrfamilienhäusern

Die Wärmewende im Bestand läuft am Ende immer auf dieselbe Frage hinaus: Was senkt CO₂-Emissionen und Nebenkosten – und was verlagert lediglich Risiken, etwa vom Gaspreis zum Strompreis oder hin zu intransparenten Fernwärme-Preisformeln? Realistisch betrachtet bleiben...