Die Motivation der Modernisierer, oder: Es geht nur über den Geldbeutel!

Fassaden- und Dämmcheck. Foto: ZVSHK
Fassaden- und Dämmcheck. Foto: ZVSHK

Der Markt ist riesig, das Engagement schwach: zwei Drittel aller Hausbesitzer in Deutschland halten eine energetische Sanierung der eigenen vier Wände für sinnvoll. Warum liegt dann die Modernisierungsquote nur bei müden 1 Prozent? Verschiedene Untersuchungen legen nahe, dass oftmals zwar der Wunsch der Vater des Gedankens, der Geldbeutel jedoch der Entscheider ist … Beitrag von 2011, der nach wie vor aktuell ist.

Das Ziel der Bundesregierung ist – gelinde gesagt – sportlich. 20 Prozent Wärmeenergie sollen bis 2020 eingespart werden. Da die Haushalte 40 Prozent aller Energie in Deutschland wegfressen und dafür rund ein Drittel CO2 ausstoßen, wird hier auch das größte Einspar-Potenzial gesehen. Dabei fallen zwei Ressourcen sofort ins Auge, die sich fast überall finden: fehlende Dämmung bei älteren Gebäuden und veraltete Heizungsanlage.

Die Lösung sieht einfach aus: Um die Ziele zu erreichen, müsste die Modernisierungsrate von derzeit 1 auf 2 Prozent (bezogen auf den gesamten deutschen Wohngebäudebestand) angehoben werden. In den verbleibenden 39 Jahren bis 2050 wären dann auch die 80 Prozent zu schaffen, die bis dahin an Primärenergie einzusparen wären. Die Bundesregierung lockt seit Juni mit Steuervergünstigungen sowie Zuschüssen innerhalb des Marktanreizprogrammes (MAP) sowie einiger KfW-Kredite. Nun müsste nur noch der Hausbesitzer zuschlagen und in Richtung schöne neue Energiewelt aufbrechen.

Umweltschutz – unter „Ferner liefen…“

Tut er aber nicht! Warum? Politik verhält sich zum wirklichen Leben, wie ein Solarodul zum Schmuddelwetter. Gut gewollt ist nicht gleich sofort genutzt. Die Motivation der Verbraucher liegt nicht im Klimaschutz, sie sanieren eher dann, wenn sie Geldmittel frei haben oder ganz einfach die Notwendigkeit dazu besteht. Das legen mehrere Studien insbesondere von Baufinanzierern nahe, die teils ihre Kundendaten auswerteten oder Sparer befragten und analysierten, wer für was sein mühsam ergattertes Bausparguthaben ausgibt.

Und da stehen einige einleuchtende Gründe ganz weit oben. Die Hälfte aller Hausbesitzer und -vermieter saniert, wenn Geräte kaputt sind, sie es bequemer und sauberer haben wollen, oder die Energiekosten durch die Decke zu gehen drohen. Das ermittelten die Konsumerspezialisten der GfK im Auftrag der LBS.* Der Umweltnutzen interessiert hingegen weniger. Den gaben gut 15 Prozent der befragten an – und das bei möglichen Mehrfachnennungen.

Häufig will man ‚schon was machen in Bezug auf Umweltschutz‘, doch wenn dann die Kosten der Maßnahmen zur Sprache kommen, zieht man sich ganz schnell zurück, denn kosten darf das eigentlich nichts“, bestätigt Jan Stelzer, Kaufmännischer Leiter der Haustechnik-Abteilung von Jorczyk Energie, diese Einschätzung. Und: „Solange der Schornsteinfeger sagt ‚die Werte sind doch noch gut‘, wird in der Regel gar nichts gemacht“.

Ist Förderung wichtig?

Ein weiterer interessanter Fakt: Lediglich 12 Prozent gaben an, dass Fördermittel und Steuersenkungen, wie von der Bundesregierung auf den Weg gebracht, wichtig seien. Der Rest kam ohne sie aus. Zwar konstatierte eine Untersuchung der Bausparkasse Schwäbisch Hall**, dass 73 Prozent eine staatliche Förderung als außerordentlich oder sehr wichtig erachteten und 35 Prozent ohne staatliche Förderung keine Sanierung in Angriff nehmen würden. Damals wurde jedoch nicht gefragt, ob sie eine Modernisierung davon abhängig machen würden. Dies scheint offensichtlich nicht der Fall zu sein. Fraglich also, ob finanzielle Förderungen überhaupt der richtige Hebel sind, um die Sanierungsquote zu erhöhen. Gesetzliche Vorgaben oder gar staatlicher Druck, wie etwa in Baden-Württemberg mit der 10-Prozent-Quote von Erneuerbaren bei energetischer Sanierung und hie und da von Politikern immer mal wieder ins Spiel gebracht, sind kontraproduktiv und werden gar nicht wahrgenommen. Lediglich 2 Prozent gaben in der LBS-Studie an, durch gesetzliche Vorgaben zur Sanierung bzw. Modernisierung veranlasst worden zu sein.

Ältere sanieren gern – und haben das Geld dazu

Wer sich den klassischen Sanierer als jung-dynamischen, frischen Erwerber eines in die Jahre gekommenen Eigenheimes vorstellt, der noch selbst Hand anlegt, muss sich eines Besseren belehren lassen. „Der Prototyp des Haus- oder Wohnungseigentümers … ist durchschnittlich knapp 55 Jahre alt, verfügt überwiegend über einen Hochschulabschluss und hat fast 46.000 Euro in die Modernisierung gesteckt“, so ein Fazit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die gemeinsam mit dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) von ihr geförderten Modernisierer bewertete***. 36 Prozent der Sanierungswilligen sind demnach älter als 60 Jahre! „Am ehesten würde ich den typischen Sanierer als gut situiert, zwischen 40 und 55 Jahre alt, gebildet beschreiben. Man hat noch ein wenig auf der hohen Kante und überlegt sich, wie man das anlegen kann“, pflichet Praxismann Stelzer bei.

Was wird zuerst gemacht

Immerhin 17 Prozent der LBS-Befragten wollen in den nächsten drei Jahren ihre eigenen vier Wände auf Vordermann bringen. Welche Prioritäten setzen sie dabei? An erster Stelle stehen mit 35 Prozent Bodenbeläge. Die haben in der Regel eine geringere Lebensdauer als eine Heizungsanlage. Die jedoch folgen schon danach mit 33 Prozent – an sich keine üblen Aussichten für das SHK-Gewerbe. Erneuerbare Wärmequellen (13 Prozent, hier vor allem Wärmepumpen) und Wärmedämmung der Außenwände (11 Prozent), mit denen sicherlich das größte von der Regierung gewünschte Einsparpotenzial zu erreichen wäre, werden hingegen nicht so gut angenommen.

Bei der Dämmung könnte das auch an den Kosten liegen. Denn am Geld hängt so einiges, wenn nicht gar alles. „Nur wenn die Brennstoffkosten enorm ausufern, greift die Kostenargumentation. Ansonsten wird klar die mögliche jährliche Einsparmenge mit dem Investitionsvolumen ins Verhältnis gesetzt und abgewogen“, so Stelzer. Und: Modernisierer fangen meist erst an, wenn Geld frei ist, entweder in Form eines Guthabens (44 Prozent) oder eines Bausparvertrages (38 Prozent). Kredite wie Bauspar-Darlehen (37 Prozent) und andere Finanzierungen (39 Prozent) spielen ebenfalls eine Rolle (nach Angaben von Schwäbisch Hall, Mehrfachnennungen möglich). Dennoch: Eine Mehrheit wird sich für die Energiewende nicht verschulden.

* LBS Research / GfK – Studienumfang: 3.100 Befragte, die in den letzten drei Jahren Maßnahmen von mind. 5.000 Euro durchführten, 2011
** Repräsentativ-Umfrage von Schwäbisch Hall, 2008
*** Befragung von 5.500 Eigennutzern und 250 Wohnungsunternehmen durch die KfW-Bankengruppe und des Instituts der deutschen Wirtschaft, 2010

Geschrieben für Brennstoffspiegel und aktualisiert für diesen Blog. Der vollständige Beitrag ist nur in der Ausgabe 08/2011 zu lesen. Zum kostenfreien Probeabo geht es hier.