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E85 – Gut gehende Nische in der Nische

von | 4. Februar 2014

Der Treib­stoff E85 kommt dem Wort Sprit im ursprüng­lichen Sinn des Wortes am nächsten. Der Exot unter den Kraft­stoffen erfreut sich wieder wach­sender Beliebtheit. Verspricht er Tank­stel­len­be­treibern auch eine ausrei­chende Marge?

Zunächst die Zahlen: 2012 wurden ca. 24.600 Tonnen E85 abgesetzt, knapp 8,1 Prozent mehr als 2011. Das sind 0,13 Prozent des gesamten Benzin-​Absatzes in Deutschland. Für 2013 ist ein rück­läu­figer Absatz zu erwarten.* Im März konnte man diesen Treib­stoff an 333 Tank­stellen zapfen (Verteilung siehe Kasten). Deren Anzahl ist – nach unun­ter­bro­chener Zunahme seit 2008– in diesem Jahr erstmals gesunken. Dies liegt vor allem an der Still­legung von Altan­lagen und dem recht kompli­zierten Zulas­sungs­ver­fahren für neue Zapf­stellen. Aber dazu später.

Laut Kraft­fahrt­bun­desamt (KBA) fahren derzeit 8.876 Fahrzeuge (darunter acht LKW!) mit dem hoch­pro­zen­tigen Bioetha­nol­ge­misch – gegenüber 2012 eine Stei­gerung von 37,5 Prozent. Tatsächlich dürften es deutlich mehr sein, denn die Flens­burger erfassen nur werk­seitig ausge­rüstete Fahrzeuge, nicht jedoch die Antriebs­arten von Re-​Importen sowie Nach­rüs­tungen. Einige große Autobauer haben Modelle mit E85-​tauglichen Antrieb für den deutschen Markt im Angebot (Flex Fuel genannt, siehe neben­ste­hende Liste).

Große Unbe­kannte: Die Steuer

Von einem Boom will in der Branche niemand sprechen, da die Steu­er­be­güns­tigung für den Bioetha­nol­anteil in E85, die derzeit dafür sorgt, dass E85 gut 50 Cent günstiger als Super E10 ist, am 31.12.2015 ausläuft und neu verhandelt wird. Möglich ist eine Abschaffung. Dann wäre der E85-​Markt erledigt. Oder aber eine Verlän­gerung, eventuell mit anderem, etwas höheren Steu­ersatz. Im zweiten Fall hätte der Vertrieb von E85 eine Zukunft, zumal die Mine­ral­öl­ge­sell­schaften dann E85 weiter auf ihre Erneuerbaren-​Quote anrechnen können – so wie bisher. Wichtig wäre auch, so Simon Schmidt vom Bioetha­nol­her­steller Crop­Energies mit eigenem Vertrieb der E85-​Marke CropPower, ob eine für diesen Kraft­stoff aussa­ge­fähige Bestimmung der Abgas­werte anerkannt und einge­führt wird.

Nach dem aktuellen Prüf­ver­fahren für die Euro 5b-​Abgasnorm werden die Kohlenwasserstoff-​Emissionen beim Kaltstart mit E85 deutlich über­schätzt. Ursache dafür ist, dass in der Berechnung der Emis­sionen der hohe Sauer­stoff­anteil in E85 fälsch­li­cher­weise als Kohlen­was­ser­stoff behandelt wird. Dies erschwert die Zulassung von Flex Fuel-​Fahrzeugen. Ange­sichts des hohen Anteils von erneu­er­barer Energie in E85 und den damit verbun­denen nied­ri­geren CO2-Emis­sionen ist diese Entwicklung bedau­erlich. Aus Brüssel ist jedoch zu vernehmen, dass die EU-​Kommission bereits im September einen Vorschlag zur fairen Berechnung der Kohlenwasserstoff-​Emissionen vorlegen könnte.

Lohnt sich E85?

Wer sich dennoch auf das Wagnis E85 einlässt, dem sei mit einer einfachen Beispiel­rechnung geholfen. Ausgehend von den abge­setzten 24.600 Litern E85, die wieder 32,8 Millionen Litern entsprechen, ergibt sich für jede der 333 Tank­stellen in Deutschland ein Absatz von gut 98.500 Litern im Jahr. Die Marge ist nach Bran­chen­infos etwas auskömm­licher als bei Benzin oder Diesel und wird mit bis zu 15 Cent beziffert. Macht aufs Jahr gerechnet einen Roh-​Gewinn nur beim Sprit­verkauf von gut 14.775 Euro. Sollte die Steu­er­min­derung fort­be­stehen und zieht man das Kopp­lungs­ge­schäft mit Shop, Bistro und Wasch­anlage in Betracht, kann dies ein sicheres Geschäft auch in der Zukunft sein.

Geschrieben für Brenn­stoff­spiegel und Mine­ral­öl­rund­schau, Ausgabe 10/​2013. Der voll­ständige Text ist nur dort zu lesen.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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