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Wärme wich­tigste Nutzenergie

von | 20. Februar 2014

Die privaten Haushalte in Deutschland verwenden rund 90 Prozent und damit den weitaus über­wie­genden Teil ihres Ener­gie­be­darfs für die Bereit­stellung von Wärme.

Nach Berech­nungen der Arbeits­ge­mein­schaft Ener­gie­bi­lanzen (AG Ener­gie­bi­lanzen) entfallen vom Gesamt­ver­brauch knapp 70 Prozent auf die Raumwärme, etwa 15 Prozent auf Warm­wasser sowie 6 Prozent auf Kochen und andere Formen der Prozess­wärme. Die jetzt von der AG Ener­gie­bi­lanzen aktua­li­sierte Übersicht für den Endener­gie­sektor der Jahre 2008 bis 2012 weist eine insgesamt sehr hohe Stabi­lität der Verbrauchs­an­teile in allen Verwen­dungs­be­reichen auf.

Mehr als die Hälfte des gesamten Endenergieverbrauchs in Deutschland wird für Wärmezwecke eingesetzt. Etwas mehr als ein Drittel entfällt auf Motoren und Antriebe (Mechanische Energie). Der Anteil für Beleuchtung und Kommunikationstechnik liegt bei weniger als 6 Prozent. Quelle: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen

Mehr als die Hälfte des gesamten Endener­gie­ver­brauchs in Deutschland wird für Wärme­zwecke einge­setzt. Etwas mehr als ein Drittel entfällt auf Motoren und Antriebe (Mecha­nische Energie). Der Anteil für Beleuchtung und Kommu­ni­ka­ti­ons­technik liegt bei weniger als 6 Prozent. Quelle: Arbeits­ge­mein­schaft Energiebilanzen

Knapp zwei Drittel ihres Bedarfs an Nutzwärme decken die Haushalte in Deutschland durch die Verbrennung von Gas (41,6 %) und Öl (23,1 %). Zum Kochen wird über­wiegend Strom (97,5 %), für die Bereiche Kälte, mecha­nische Energie, Infor­mation und Kommu­ni­kation sowie Beleuchtung sogar ausschließlich Strom einge­setzt. An der Warm­was­ser­be­reitung hat Strom einen Anteil von knapp einem Fünftel. Der ohnehin geringe Einsatz von Strom für Heizwecke ist zwischen 2008 und 2012 von 3,3 auf 1,9 Prozent zurück­ge­gangen, der Anteil erneu­er­barer Energien (ohne Strom) von knapp 12 auf fast 17 Prozent gestiegen. Hinter dieser Entwicklung vermutet die AG Ener­gie­bi­lanzen einen Rückgang der Strom­spei­cher­hei­zungen und eine Ausweitung von Wärme­pumpen und Pellet­hei­zungen. Am gesamten Endener­gie­ver­brauch der privaten Haushalte hatte Strom im Jahre 2012 einen Anteil von 20,3 Prozent und hat sich damit gegenüber 2008 (19,6 %) leicht erhöht. Ener­gie­ver­brauch der Industrie und des Verkehrs stagniert

Im Verkehrs­be­reich dominiert mit einem Anteil von knapp 93 Prozent das Mineralöl. Auf Strom – vorwiegend für den schie­nen­ge­bun­denen Verkehr – entfallen rund 2 Prozent, Gase kommen auf einen Anteil von 0,3 Prozent und die erneu­er­baren Energien decken knapp 5 Prozent des verkehrs­be­dingten Ener­gie­be­darfs. Trend zum sparsamen Ener­gie­einsatz erkennbar Der gesamte Endener­gie­ver­brauch in Deutschland lag 2012 – ohne Berück­sich­tigung des Tempe­ra­tur­ein­flusses sowie der Bestands­ef­fekte – mit insgesamt knapp 9.000 Petajoule etwa 2 Prozent niedriger als 2008. Den größten Rückgang verzeichnete in diesem Zeitraum der Ener­gie­ver­bauch der Haushalte mit etwa 5 Prozent, gefolgt vom Bereich Gewerbe- Handel-​Dienstleistungen mit 3 Prozent. Der Ener­gie­bedarf von Industrie und Verkehr blieben nahezu unverändert.

Hinter­grund

Die Bilanz für die Ener­gie­an­wendung wird im Auftrag des Bundes­wirt­schafts­mi­nisters durch die AG Ener­gie­bi­lanzen in Zusam­men­arbeit mit dem Fraunhofer-​Institut für System­technik und Inno­va­ti­ons­for­schung (ISI), dem Lehrstuhl für Ener­gie­wirt­schaft und Anwen­dungs­technik an der TU München sowie dem Rheinisch-​Westfälischen Institut für Wirt­schafts­for­schung (RWI) erstellt. Die erste Anwen­dungs­bilanz konnte nach aufwän­digen wissen­schaft­lichen Vorar­beiten zu Methoden und Daten für das Jahr 2008 erstellt werden. Jetzt liegt eine geschlossene Zeitreihe bis 2012 vor.

Die Anwen­dungs­bi­lanzen der AG Ener­gie­bi­lanzen ermög­lichen es, den Verbrauch sowie die einzelnen Anwen­dungs­zwecke in den Bereichen Industrie, Gewerbe-​Handel-​Dienstleistungen, bei den Privat­haus­halten und im Verkehr zuver­lässig zu ermitteln. Die Anwen­dungs­bi­lanzen sind auf den Inter­net­seiten der AG Ener­gie­bi­lanzen (www​.ag​-ener​gie​bi​lanzen​.de/​D​E​/​d​a​t​e​n​u​n​d​-​f​a​k​t​e​n​/​a​n​w​e​n​d​u​n​g​s​b​i​l​a​n​z​e​n​/​a​n​w​e​n​d​u​n​g​s​b​i​l​a​n​z​e​n.html) kostenlos abrufbar.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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