Unfall ist, wenn‘s knallt und stinkt

Foto: Urbansky

Urlaubs­zeit – Archiv­zeit

Warum sollte man die Arma­tu­ren von Schweiß­ge­rä­ten ölfrei halten? Wie so haben Raf­fi­ne­rien ein eigenes Abwas­ser­sys­tem? Und warum ist der so lebens­not­wen­dige Sauer­stoff das gefähr­lichste Gas der Welt?

Ant­wor­ten auf diese Fragen gibt Dr. Peter Krommes. Der pro­mo­vierte Che­mi­ker ist ein erfah­re­ner Unfall­gut­ach­ter, arbei­tet viele Jahre für Unter­neh­men­der Che­mie­bran­che sowie in der Berufs­ge­nos­sen­schaft. Während des Uniti-Seminars „Kraft­stoffe für Ver­bren­nungs­mo­to­ren“ Ende Novem­ber in Leipzig zeigte der in einem Expe­ri­men­tal­vor­trag, wie die all­täg­li­chen Güter des Mine­ral­öl­han­dels sich schnell in wahre Bomben ver­wan­deln können – durch tech­ni­sche Mängel, Unacht­sam­keit oder schlicht­weg Blöd­heit.

Die Sache mit den Arma­tu­ren ist schnell erklärt: Gelangt Fett in die Anschlüsse, wird dieses beim Anschluss und dem ein­flie­ßen­den Gas durch Über­druck binnen weniger Sekun­den hoch erhitzt, da das Fett gleich­zei­tig den Durch­fluss blo­ckiert. Zusam­men mit dem Rest­sauer­stoff ent­zün­det es sich in kür­zes­ter Zeit. Und da das nun ver­mehrte Volumen nicht irgendwo auf natür­li­chem Wege hin kann, fliegt einem die gesamte Armatur um die Ohren.

Dr. Peter Krommes - Foto: Ceto / Urbansky

Krommes demons­trierte zudem ein­drucks­voll, wie Gase in Schrä­gen sowohl abwärts als auch auf­wärts krie­chen können. Dabei bleiben sie ober­halb des Wassers, etwa in einer Kana­li­sa­tion. Dies führte vor vielen Jahren dazu, dass ein in einer Raf­fi­ne­rie tätiger Außen­dienst­mit­ar­bei­ter zwar seine ver­diente Rau­cher­pause außer­halb des Werks und des Ex-Bereichs machte, die Kippe jedoch in einen Gully warf. Dieser wie­derum gehörte zum Abwas­ser­sys­tem eben­je­ner Raf­fi­ne­rie, womit wir bei der zweiten Frage wären. Nach zwei Minuten und grellem unter­ir­di­schen Pfeifen hat dann das dort reich­lich vor­han­dene und durch die Rest­glut der Ziga­rette ent­flammte Gas seinen Weg zurück in die Raf­fi­ne­rie gefun­den. Bilanz: Raf­fi­ne­rie zer­stört, 18 Mit­ar­bei­ter tot. Seitdem haben Raf­fi­ne­rien eigene Kana­li­sa­tio­nen.

Die Gefähr­lich­keit von Sauer­stoff, um die dritte Frage zu beant­wor­ten, ist meist nicht augen­schein­lich. Schließ­lich können wir keine drei Minuten ohne ihn über­le­ben. Und brenn­bar ist er auch nicht (da er ja, Che­mie­wis­sen 7. Klasse, sich nicht mit sich selbst oxy­die­ren kann). Dennoch ist Sauer­stoff gefähr­lich, da ihn jeder Brand zum „Atmen“ braucht. In Kon­zen­tra­tio­nen, die höher als die Umge­bungs­luft sind (also von mehr als 21%) wird es echt tückisch. Krommes schil­derte den Fall eines Schwei­ßers, der sich sowohl seinen Aceton- als auch den Sauer­stoff­schlau um den Bauch wickelte, damit diese nicht im Dreck lagen. Dum­mer­weise war der Sauer­stoff­schlauch porös. Das Ergeb­nis kann man sich auch ohne makabre Phan­ta­sie recht lebhaft vor­stel­len.

Geschrie­ben für brenn​stoff​spie​gel​.de.