Foto: Urbansky

Unfall ist, wenn‘s knallt und stinkt

von | 20. Juli 2015

Urlaubszeit – Archivzeit

Warum sollte man die Armaturen von Schweiß­ge­räten ölfrei halten? Wie so haben Raffi­nerien ein eigenes Abwas­ser­system? Und warum ist der so lebens­not­wendige Sauer­stoff das gefähr­lichste Gas der Welt?

Antworten auf diese Fragen gibt Dr. Peter Krommes. Der promo­vierte Chemiker ist ein erfah­rener Unfall­gut­achter, arbeitet viele Jahre für Unter­neh­mender Chemie­branche sowie in der Berufs­ge­nos­sen­schaft. Während des Uniti-​Seminars „Kraft­stoffe für Verbren­nungs­mo­toren“ Ende November in Leipzig zeigte der in einem Expe­ri­men­tal­vortrag, wie die alltäg­lichen Güter des Mine­ral­öl­handels sich schnell in wahre Bomben verwandeln können – durch tech­nische Mängel, Unacht­samkeit oder schlichtweg Blödheit.

Die Sache mit den Armaturen ist schnell erklärt: Gelangt Fett in die Anschlüsse, wird dieses beim Anschluss und dem einflie­ßenden Gas durch Überdruck binnen weniger Sekunden hoch erhitzt, da das Fett gleich­zeitig den Durch­fluss blockiert. Zusammen mit dem Rest­sauer­stoff entzündet es sich in kürzester Zeit. Und da das nun vermehrte Volumen nicht irgendwo auf natür­lichem Wege hin kann, fliegt einem die gesamte Armatur um die Ohren.

Dr. Peter Krommes - Foto: Ceto / Urbansky

Krommes demons­trierte zudem eindrucksvoll, wie Gase in Schrägen sowohl abwärts als auch aufwärts kriechen können. Dabei bleiben sie oberhalb des Wassers, etwa in einer Kana­li­sation. Dies führte vor vielen Jahren dazu, dass ein in einer Raffi­nerie tätiger Außen­dienst­mit­ar­beiter zwar seine verdiente Raucher­pause außerhalb des Werks und des Ex-​Bereichs machte, die Kippe jedoch in einen Gully warf. Dieser wiederum gehörte zum Abwas­ser­system ebenjener Raffi­nerie, womit wir bei der zweiten Frage wären. Nach zwei Minuten und grellem unter­ir­di­schen Pfeifen hat dann das dort reichlich vorhandene und durch die Restglut der Zigarette entflammte Gas seinen Weg zurück in die Raffi­nerie gefunden. Bilanz: Raffi­nerie zerstört, 18 Mitar­beiter tot. Seitdem haben Raffi­nerien eigene Kanalisationen.

Die Gefähr­lichkeit von Sauer­stoff, um die dritte Frage zu beant­worten, ist meist nicht augen­scheinlich. Schließlich können wir keine drei Minuten ohne ihn überleben. Und brennbar ist er auch nicht (da er ja, Chemie­wissen 7. Klasse, sich nicht mit sich selbst oxydieren kann). Dennoch ist Sauer­stoff gefährlich, da ihn jeder Brand zum „Atmen“ braucht. In Konzen­tra­tionen, die höher als die Umge­bungsluft sind (also von mehr als 21%) wird es echt tückisch. Krommes schil­derte den Fall eines Schweißers, der sich sowohl seinen Aceton- als auch den Sauer­stoff­schlau um den Bauch wickelte, damit diese nicht im Dreck lagen. Dummer­weise war der Sauer­stoff­schlauch porös. Das Ergebnis kann man sich auch ohne makabre Phantasie recht lebhaft vorstellen.

Geschrieben für brenn​stoff​spiegel​.de.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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