Gülle zu Regel­en­er­gie: Markt­schran­ken zu hoch

Statt auf dem Feld kann die Gülle auch zur Energieerzeugung eingesetzt werden. Für den Regelenergiemarkt ist dies allerdings noch zu früh. Foto: Wald1siedel / Wikimedia / Lizenz unter CC-BY-SA 4.0
Statt auf dem Feld kann die Gülle auch zur Energieerzeugung eingesetzt werden. Für den Regelenergiemarkt ist dies allerdings noch zu früh. Foto: Wald1siedel / Wikimedia / Lizenz unter CC-BY-SA 4.0

Der Regel­en­er­gie­markt ist für das Gelin­gen der Ener­gie­wende exis­ten­zi­ell. Bisher wird er fast aus­schließ­lich von Groß­kraft­wer­ken bedient. Kein Wunder – die Ein­stiegs­höhe liegt für Ein­spei­ser bei 5 MW Leis­tung. Für eine dezen­trale Ener­gie­wende ist das hin­der­lich. Des­we­gen gibt es Bestre­bun­gen, auch klei­nere Anlagen an das Netz zu bringen. An dieser Stelle wurde schon das Power‐to‐Heat‐Projekt vor­ge­stellt.

Anlage klein, Poten­zial groß

Nun hat das Fraun­ho­fer UMSICHT eine weitere Mög­lich­keit auf­ge­zeigt. Kleine Bio­gül­le­an­la­gen mit weniger als 75 kW Leis­tung könnten in den Regel­en­er­gie­markt ein­ge­bun­den werden. Das gesamte Poten­zial in Deutsch­land schät­zen die For­scher auf etwa 1000 bis 2000 Anlagen. Gebaut sind derzeit aber maximal 500.

Als beson­ders inter­es­sant stellte sich dabei der nega­tive Regel­en­er­gie­markt heraus, bei dem die Anlagen vom Netz genom­men werden, falls das Strom­an­ge­bot die Nach­frage über­steigt. Vor­aus­set­zung zur Teil­nahme ist dabei eine soge­nannte Fern­wirk­ein­rich­tung. Dafür werden die Anlagen zu einem vir­tu­el­len Kraft­werk zusam­men­ge­fasst und zentral gesteu­ert – sprich die Block­heiz­kraft­werke (BHKW) werden an‐ und abge­schal­tet. Beim Power‐to‐Heat‐Projekt sollen eben­falls mehrere mit einem Heiz­stab aus­ge­rüs­te­ten Kessel so zusam­men­ge­schal­tet werden, um die Ein­stiegs­hürde von 5 MW zu nehmen. Aller­dings sind diese Kraft­werke noch Zukunfts­mu­sik, auch wenn sie schon jetzt mit Smart Grid Tech­no­lo­gie tech­nisch möglich wären.

Nur Neu­an­la­gen lohnend

Etwa sechs bis 20 Mal pro Jahr würden die Anlagen vom Netz genom­men. Somit könnten je nach Anla­gen­größe Mehr­ein­nah­men von 2700 bis zu 5000 Euro erwirt­schaf­tet werden. Sind die Fern­wirk­ein­rich­tun­gen beim Bau der Anlagen direkt inte­griert, halten sich die Auf­wen­dun­gen in Grenzen. Das Nach­rüs­ten von Alt­an­la­gen ist tech­nisch kaum möglich, zu teuer und letzt­lich wenig ren­ta­bel. Zudem sind die Inves­ti­ti­ons­kos­ten für kleine Gül­le­bio­gas­an­la­gen in Deutsch­land relativ hoch.

Aller­dings – und das Problem hat schon das Power‐to‐Heat‐Projekt, die poli­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen sind für kleine Gül­le­bio­gas­an­la­gen wenig för­der­lich. Durch Anreiz­fi­nan­zie­rung sollten Ener­gie­händ­ler, so der Vor­schlag der Wis­sen­schaft­ler, künftig moti­viert werden, auch kleine Anlagen in die Regel­en­er­gie­ver­mark­tung auf­zu­neh­men. Doch dazu wird es nach den der­zei­ti­gen Plänen der Bun­des­re­gie­rung kaum kommen.

Vor­schau­bild: Statt auf dem Feld kann die Gülle auch zur Ener­gie­er­zeu­gung ein­ge­setzt werden. Für den Regel­en­er­gie­markt ist dies aller­dings noch zu früh. Foto: Wald1siedel / Wiki­me­dia / Lizenz unter CC‐BY‐SA 4.0