Ost­deut­sches Ener­gie­fo­rum: Wir lieben Braun­kohle

Tagebau Vereinigtes Schleenhain bei Leipzig. Ginge es nach einigen Teilnehmern, könnte man hier noch 1000 Jahre Braunkohle abbauen. Foto: Joeb07 / Wikimedia / Lizenz unter CC BY 3.0
Tagebau Vereinigtes Schleenhain bei Leipzig. Ginge es nach einigen Teilnehmern, könnte man hier noch 1000 Jahre Braunkohle abbauen. Foto: Joeb07 / Wikimedia / Lizenz unter CC BY 3.0

Das Ost­deut­sche Ener­gie­fo­rum wurde vor vier Jahren gegrün­det, weil die Wirt­schaft hier unter bis zu 40 % höheren Netz­ent­gel­ten beim Strom leidet als im West­teil des Landes. Zudem unter­stützte es die hei­mi­sche Braun­kohle und sieht sie als Partner der Ener­gie­wende. Beides Gründe, die man aus Sicht der hie­si­gen Wirt­schaft nach­voll­zie­hen kann. Doch die vierte Ausgabe des regio­na­len Ener­gie­tref­fens, die heute zu Ende ging, betrach­tet die Sache Ener­gie­wende recht ein­sei­tig.

Und das liegt an den Dis­ku­tan­ten. An dem Plenum „ Die Rolle Ost­deutsch­lands in der Ener­gie­wende mit Blick auf die Erzeu­gung, die Netze und den Ver­trieb“ war kein Ver­tre­ter Erneu­er­ba­rer Ener­gien geladen und auch kein Poli­ti­ker, der die Regie­rungs­li­nie ver­tritt. Statt dessen bürs­tete Arnold Vaatz, immer­hin stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und eins­ti­ger säch­si­scher Umwelt­mi­nis­ter, kräftig gegen die Linie von Kanz­le­rin Merkel und Wirt­schafts­mi­nis­ter Gabriel. Dafür gab es reich­lich Applaus und Zustim­mung der Anwe­sen­den.

Doch dass keiner der Podi­ums­gäste bis auf Frank Büchner von Siemens wider­sprach, wenn Vaatz die angeb­li­che Unren­ta­bi­li­tät der Erneu­er­ba­ren beklagte oder die Poten­ziale der Las­ten­ver­schie­bung kom­plett falsch ein­schätzte, lässt tief blicken. Woher hätte der Wider­spruch auch kommen sollen bei reinweg Ver­tre­tern fos­si­ler Ener­gien wie VNG oder Mibrag?

Wenigs­tens vom neuen dena-Chef Andreas Kuhl­mann hätte man fun­dierte Fakten erwar­ten können. Doch auch der redete der Kohle anhand der angeb­lich gar nicht so großen CO2-Emissionen das Wort. Dabei ist sein Haus von der Bun­des­re­gie­rung mehr oder weniger damit beauf­tragt, die theo­re­ti­schen Grund­la­gen der Ener­gie­wende zu legen und vor­an­zu­trei­ben.

Ledig­lich ein Ver­tre­ter des Wind­an­la­gen­her­stel­lers Enercon aus dem Publi­kum wies zurecht darauf hin, dass die Höhe der heu­ti­gen Strom­preise nicht nur durch die Erneu­er­ba­ren bedingt seien, sondern vor allem durch die jahr­zehn­te­lange Sub­ven­tio­nie­rung der Stein­kohle und die För­de­rung des Atom­stroms. Keiner, auch nicht die dena, sprang ihm bei.

So blieb es bei Vaatz‹ State­ment, dass die Ener­gie­wende einen Zug gleiche, der auf den Abgrund zurase und nur der Bock­wurst­ver­käu­fer dar­in­nen sich ein gutes Geschäft ver­spre­che. Es hülfe nur eines gegen weiter stei­gende Strom­preise: Ein sofor­ti­ger Stopp des EEG.

Doch ein Blick in die Sta­tis­ti­ken und auf die Fakten wäre hilf­reich. Wind­kraft ist heute schon mit rund 5 Euro­cent je kWh in der Erzeu­gung markt­fä­hig. Pho­to­vol­taik spielt, auch auf­grund der gekürz­ten EEG-Zuwendungen eine immer größere Rolle für die Eigen­ver­sor­gung, weil die Geste­hungs­kos­ten hier deut­lich unter den Markt­prei­sen für Strom liegen. Doch keiner der Dis­ku­tan­ten ging darauf ein.

So blieb es beim „Wir lieben Braun­kohle“, wobei niemand ja eigent­lich vorhat, die För­de­rung der Braun­kohle und deren Ver­stro­mung über Nacht abzu­schaf­fen. Energieblogger-Kollege Kilian Rüfer hat hierzu einen schönen Beitrag geschrie­ben.

Dabei hat der Osten bei der Ener­gie­wende durch­aus Erfolge zu ver­zeich­nen. Immer­hin wird hier bereits 40 % des Stromes aus Erneu­er­ba­ren Ener­gien erzeugt. Im bun­des­wei­ten Durch­schnitt sind es 25 %. Hiesige Wohn­ge­bäude ver­brau­chen nur ein Drittel der Energie wie im West­teil. Will man eine nach vorn bli­ckende Dis­kus­sion — Mate­rial gäbe es genug. Statt dessen domi­niert der schon fast roman­tisch anmu­tende, auf jeden Fall aber eng­stir­nige Blick auf die Braun­kohle.

Auf dem 2015er Niveau jeden­falls kann man sich das 5. Ost­deut­sche Ener­gie­fo­rum 2016 getrost sparen.

Vor­schau­bild: Tagebau Ver­ei­nig­tes Schle­en­hain bei Leipzig. Ginge es nach einigen Teil­neh­mern, könnte man hier noch 1000 Jahre Braun­kohle abbauen. Foto: Joeb07 / Wiki­me­dia / Lizenz unter CC BY 3.0

5 Kommentare

  1. Es ist schon inter­es­sant wie die Ver­tre­ter der fos­si­len Ener­gien sich an jeden Sroh­halm klam­mern und jedes Argu­ment bemühen um die Erneu­er­ba­ren schlecht zu reden. Dass die Ener­gie­wende nicht für einen Appel und ein Ei zu haben ist, war doch klar. Nach Auslauf der För­de­run­gen werden erneu­er­bare Ener­gien aber sagen­haft günstig werden.
    Wie günstig fossile Ener­gie­trä­ger sind, sieht man aktuell ja bei Eon und RWE deren Bör­sen­kurse ins boden­lose fällt, unter anderem auch des­we­gen weil die Bun­des­re­gie­rung die Ener­gie­rie­sen nicht aus der Haftung für den Rückbau der Atom­mei­ler ent­lässt. Die Rück­la­gen von etwa 30 Mrd. € werden für das Recy­cling und die End­la­ge­rung nicht reichen. Den Rest legt dann der Steu­er­zah­ler drauf, was natür­lich nicht als »Strom­kos­ten« wahr­ge­nom­men wird

  2. Die Sache mit den Netz­ent­gel­ten ist haus­ge­macht. Gerade in den Braun­koh­le­re­vie­ren im Osten der Repu­blik exis­tie­ren zuwe­nige Strom­ver­brau­cher, für die erzeugte Strom­men­gen. Die Folge sind Trans­porte in den Westen Deutsch­lands, die aller­dings wegen feh­len­der Lei­tun­gen nicht durch­ge­führt werden können. Die Folge sind Redispatches, welche zunächst dazu geführt haben, dass am Markt ein Kraft­werk an anderer Stelle nicht zum Zug kam, dann die Braun­koh­lemei­ler nicht ein­spei­sen dürfen und zum Schluss der Strom­kunde kräftig dafür zahlt. Auf eine Mil­li­arde Euro werden die Kosten für dieses Jahr geschätzt, die man eigent­lich als Infra­struk­tur­um­lage bezeich­nen könnte.

  3. Das sind doch mal gute Nach­rich­ten! Und der Herr Vaatz hat doch sogar recht. Wir können die För­de­rung jetzt sofort aus­set­zen, da Wind und PV ja bereits jetzt wett­be­werbs­fä­hig sind! Ener­gie­wende geschafft!

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