Leipzig ist fracking­frei – na toll!

Wird wohl nie einen Frackingturm sehen - der Leipziger Auwald. Foto Martin Geisler / Wikimedia / Lizenz unter CC BY-SA 3.0
Wird wohl nie einen Frackingturm sehen - der Leipziger Auwald. Foto Martin Geisler / Wikimedia / Lizenz unter CC BY-SA 3.0

Da haben sich die Stadt­vä­ter und ‑mütter meiner Lieb­lings­stadt und Wahl­hei­mat mal wieder etwas ganz beson­de­res aus­ge­dacht: Leipzig ist seit dem 28. Oktober 2015 fracking­freie Kommune! Grüne, SPD und Linke waren dafür, die CDU erin­nerte das Ganze an den Faschings­auf­takt, der ja in der Plei­ßem­tro­pole kräftig mit Umzug gefei­ert wird und unmit­tel­bar bevor­steht. Und damit liegen die Christ­de­mo­kra­ten gar nicht mal so falsch. Denn Fracking ist so oder so in Leipzig nicht möglich.

Dazu muss man sich die beson­dere Geo­lo­gie der größten säch­si­schen Stadt anschauen. Hier befin­det sich mit dem 2500 Hektar umfas­sen­den Auwald der größte inner­städ­ti­sche Wald Deutsch­lands und einer der größten Auwäl­der Europas. So was ist natür­lich schüt­zens­wert – in Gänze als Land­schafts­schutz­ge­biet und im Beson­de­ren durch ein­zelne Natur­schutz­ge­biete. Fracking wäre selbst bei der alten Geset­zes­lage hier nicht möglich gewesen.

Bleiben noch die Gebiete im Norden und Süden der Stadt. Hier wurde einst Braun­kohle geför­dert. 1990 kam das Ende der auf städ­ti­schen Gebiet lie­gen­den Tage­baue. Hier liegt also Braun­kohle (und zwar immer noch). Und wo die liegt, findet sich viel­leicht eh nicht nutz­ba­res Gru­ben­gas, aber in aller Regel kein Erdgas und schon gar kein Erdöl. Fracking wäre hier also kom­plett sinnlos. Im Westen und Osten hat Leipzig keine nen­nens­wer­ten freien Flächen, die berg­recht­lich genutzt werden könnten. Und wenn, läge dar­un­ter auch Braun­kohle.

Was kommt als nächs­tes“, fragt die CDU. „Eine Que­rungs­hilfe für Frösche auf der Karl-Liebknecht-Straße zum Hotel See­blick?“ (für Nicht­leip­zi­ger: die hiesige größte Knei­pen­mei­ler mit einer In-Kneipe, von der zwar aus zwar alles, aber kein See zu sehen ist). Die Linke hin­ge­gen mahnte eine „inter­kom­mu­nale Soli­da­ri­tät“ an, was immer das auch sein mag. Die FDP wie­derum meint, dass der Rat sich zu sehr mit bundes- und lan­des­po­li­ti­schen Themen befas­sen würde.

Und da hat sie recht. Wollte der Rat tat­säch­lich städ­ti­sche Umwelt­po­li­tik machen, die Bau­stel­len wären ohne Ende:

  • Da wäre die über­pro­pro­tio­nal hohe Fein­staub­be­las­tung der Innen­stadt – trotz Umwelt­zone.
  • Da wäre der Neubau der B 181 west­lich von Leipzig – mit der Gefähr­dung zahl­rei­cher Brut­re­viere.
  • Da wäre der Rückbau des ÖPNV, gerade vom Rat beschlos­sen mit Kürzung der Stra­ßen­bahn­li­nie 9, und der damit zwangs­läu­fi­gen Erzeu­gung von mehr Indi­vi­du­al­ver­kehr.
  • Da wäre die unzu­rei­chende Aus­stat­tung der nie­gel­na­gel­neuen S‑Bahn mit funk­tio­nie­ren­den Waggons und dem damit ver­bun­de­nen Frust der ÖPNV-Kunden.
  • Da wäre das unge­löste Problem des Flug­lärms in Leip­zigs Norden – erzeugt durch den 24-h-Betrieb des Flug­ha­fens Leipzig-Halle.
  • Da wäre die Lärm­be­las­tung durch die Porsche-Testfahrten — eben­falls im Norden.
  • Da wäre … und, und, und.

Aber es ist natür­lich beque­mer, über Fracking zu debat­tie­ren, denn das tut Leipzig nun wirk­lich nicht weh.

Vor­schau­bild: Wird wohl nie einen Fracking­turm sehen — der Leip­zi­ger Auwald. Foto Martin Geisler / Wiki­me­dia / Lizenz unter CC BY-SA 3.0

2 Kommentare

  1. Nur dumm, dass Land­schafts­schutz­ge­biete nach der Gabri­el­schen Fracking-Beflügelungs-Regelung wun­der­bar zu fracken sind. Pech für den Auwald. Und auch Natur­schutz­ge­biete frackt man mit bestehen­der Rege­lung ganz unge­niert.
    Städ­ti­sche Bebau­ung ist ebenso kein Hin­der­nis. Der wenig erfolg­rei­che Erdwärme-Frac am Sitz der Bun­des­an­stalt für Geo­lo­gie und Roh­stoffe (BGR) in Han­no­ver habe nach Lesart der Bohr­fa­na­ti­ker doch gezeigt, dass sich auch in Urbanem Umfeld Tief­boh­run­gen durch­füh­ren und fracken lassen. Pech dann für Leipzig… Unter klein­städt­li­chen und dörf­li­chen Sied­lungs­flä­chen wurde mehr als genug gefrackt.
    Auch hat das Vor­kom­men von Kohle über­haupt keine Aus­sa­ge­kraft zum vor­han­den sein von Erdgas. Beide Stoffe treten in einer ganzen Reihe geo­lo­gi­scher For­ma­tio­nen auf. Bliebe noch die Frage, warum Gru­ben­gas eigent­lich nicht nutzbar sein soll, das klappt ande­ren­orts durch­aus. Und letzt­lich ist Gru­ben­gas und Koh­le­flöz­gas sogar im Grunde das Gleiche. Letz­te­res erschließt man wie­derum gerne unter zuhil­fe­nahme von Fracking…

    • Ein paar Ant­wor­ten:
      Mit dem neuen Fracking-Gesetz ist Fracking in NSG de jure nicht mehr möglich. De facto galt dies auch davor.
      Die Bohrung bei der BGR ist ja eben kein Frac, sondern eine Erd­wär­me­boh­rung. Davon ist hier nicht die Rede.
      In Leipzig, und ich schreibe nur von hier, hat die Braun­kohle sehr wohl eine Aus­sa­ge­kraft über das Nicht­vor­han­den­sein von Öl und Gas — beide kommen hier tasäch­lich nicht vor.
      Das Koh­le­flöz­gas schließ­lich steckt zwar in der Braun­kohle, da diese jedoch im Tagebau abge­baut wird, ver­flüch­tigt sich dies, eine wirt­schaflti­che Nutzung ist also nicht möglich . Genauso wenig, wie das Fracken von Braun­kohle. Das Mate­rial ist zu weich und würde die Rück­füh­rung des Gases durch Ver­stop­fun­gen und Ver­klum­pun­gen ver­hin­dern. Sicher wäre das tech­no­loi­gisch zu lösen. Aber diese Technik gibt es nicht.

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