Durch die Kompaktbauweise gibt es nur weniger einzelne Rohrverbindungen, sondern nur eine Leitung - zwischen den Tanks und je eine zu den Zapfsäulen. Dazu noch die Leerrohre für die elektrischen Anschlüsse. Die fünfte, schräge Rohverbindung dient hier in Dortmund dazu, dass die Kraftstoffsorten aus den drei Kammern des einen und die aus den zwei Kammern das anderen Tanks variabel gewechselt werden können. Foto: BSP/Archiv

Tank­stelle: Kosten sparen mit Kompakt-Bauweise

von | 20. Januar 2016

Seit gut einem Dutzend Jahren gibt es Kompakt­tank­stellen. Sie sind deutlich schneller gebaut als herkömm­liche Tanken, dadurch deutlich günstiger und die Produkt­wechsel für den Betreiber einfacher zu handhaben. In Deutschland gibt es jedoch nur 70 davon. Warum eigentlich?

Karl Strenz hat für seine neue Tank­stelle nicht viel Platz. Der Geschäfts­führer der Bavaria petrol erwarb zwar am idyl­li­schen Phönixsee in Dortmund das Gelände einer alten Station, ein anlie­gendes, herun­ter­ge­kom­menes Wohnhaus ebenso. Doch selbst mit dessen Abriss würde es eng werden. Denn ein gar nicht mal kleiner Shop, Wasch­anlage und Staub­sauger sollen ebenfalls Platz finden. Deswegen bot es sich an eine Kompakt­tank­stelle zu errichten, zumal er dieses System schon seit einigen Jahren gut kennt.

Der Auftrag ging an die Tokheim-​Service-​Gruppe. Denn der Tankstellen-​Spezialist baut seit 2009 Kompakt­tank­stellen – in Dortmund ist es die Dritte. Der Name KTS 2000 verweist auf das Jahr, als das Bauprinzip vom Patent­in­haber Manfred Löw „erfunden“ wurde – auf der Suche nach einer flexiblen und platz­spa­renden Station, die mit bishe­rigen Instal­la­ti­ons­va­ri­anten nicht zu erreichen war. Ende 2009 übernahm Tokheim die Lizenzrechte. 

Insgesamt gibt es in Deutschland bereits 70 solcher Tank­stellen – fast ausschließlich im Süden. Sie fallen gleich durch mehrere Vorteile auf: Die Bauzeit wird auf eine Woche verkürzt. Strenz rechnet, dass er sonst drei Wochen mehr gebraucht hätte. Zusätzlich fällt die Kosten­ein­sparung ins Gewicht.

15 Prozent günstiger

Durch die Vormontage von Domschächten und doppel­wan­digen Bündel-​Leitungen verkürzt man die Bauzeit und spart, so Strenz, gut 15 Prozent gegenüber einem konven­tio­nellen Bau. Erheblich reduziert wird die sonst übliche Zahl der einzeln verlegten Rohr­lei­tungen. Denn die KTS hat nur eine Bündel­leitung mit bis zu fünf Produkt- und GRF-​Leitungen zwischen Tanks und Säulen. Bei einer „normalen“ Tank­stelle wären es bei gleicher Produkt­anzahl sechs einzelne Rohre, die vor Ort zu verlegen wären. „Das Verblüf­fende ist ja die Ordnung, die man hier sieht“, schwärmt Tokheim-​Marketingchef Edmund Brück. Und: „Warum baut man nicht jede Tanke so?“ Brück, Urgestein des Tank­stel­lenbaus, stellt im Gespräch mit den Inter­es­senten aus großen und kleinen Mine­ral­öl­ge­sell­schaften selbst­be­wusst fest: „Da fällt Ihnen nichts mehr ein, wie Sie das Konzept einer Tank­stelle noch verbessern könnten.“

Die Bauweise von Tanks und Leitungen ist so kompakt, dass sie deutlich weniger Platz in der Tiefe benötigen –sprich: der Boden­aushub ist geringer. Zudem sind die flexiblen Leitungen, die die zwei Tanks mit je 100 Kubik­meter Fassungs­ver­mögen bzw. drei und zwei Kammern verbinden, bei Verdich­tungs­ar­beiten deutlich widerstandsfähiger.

Flexibel kombi­nierbar

Der größte Vorteil für den Betreiber jedoch liegt in der Kombi­nier­barkeit. „Man kann jede Kammer mit jeder der sechs Zapf­säulen verbinden – auch wenn die nicht direkt über den Tanks liegen“, erläutert Reinhold Sippel. Der Vertriebs­leiter von Tokheim-​Göhler erklärt die einwö­chigen Instal­la­ti­ons­ar­beiten der Tank­anlage , den inter­es­sierten Gästen, die aus halb Europa anreisten, um sich über die KTS zu informieren. 

Und die hören erstaunt folgendes. „Der Betreiber kann die Produkte nicht nur in den Domschächten umstellen, sondern auch direkt im Schacht vor den Zapf­säulen“, so Sippel. Die Vorrich­tungen dafür wiederum sind so ausgelegt, dass später auch Zapf­säulen von jedem belie­bigen Hersteller mit wenigen Hand­griffen instal­liert werden können. Bunte Markie­rungen an den Schächten und den flexibel ausge­führten Rohr­lei­tungs­an­schlüssen, etwa vergleichbar mit den verschieden farbigen Leitungen beim Wech­sel­strom, sorgen dafür, dass nicht verse­hentlich z.B. die Benzin und Diesel­lei­tungen in der Endphase der Instal­lation verwechselt werden, so dass Benzin in ein Dieselauto gepumpt würde.

Zentraler Füll­schacht

Doch nicht nur der Betreiber hat seine Vorteile, der Tkw-​Fahrer ebenso. Vor den Domschächten sorgt eine flexible Abdeckung für Arbeits­er­leich­terung beim Befüllen. Die muss man nur aufklappen und schon liegen alle Befüll­stutzen und die Grenz­wert­ge­ber­an­schlüsse über­sichtlich „über Tage“ (und nicht versteckt und umständlich erreichbar im Füll­schacht). Beson­derer Neben­ef­fekte: Die vorge­schrie­benen doppel­wan­digen Füll­lei­tungen sind hier über­flüssig, da sie direkt im Tank verlaufen. Zudem sind die Domschächte arma­tu­renfrei – für Revi­sionen eine deutliche Erleich­terung. Denn der Wegfall der Dicht­heits­prüfung der GRF-​Rohrleitungen und die Funk­ti­ons­prüfung von Doppelwand-​Armaturen entfällt bei der wieder­keh­renden Prüfung. Insgesamt kann man mit den verschie­denen Maßnahmen einige Hundert Euro Betriebs­kosten einsparen, abgesehen davon dass man nur noch ein Viertel der bishe­rigen Kosten in Falle einer für Tankraum-​Umbelegung benötigt, rechnet Tokheim vor.

Geschrieben für Brenn­stoff­spiegel. Der voll­ständige Beitrag ist nur in der Ausgabe 08/​2012 zu lesen. Zum kosten­freien Probeabo geht es hier.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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