In der Hybridheizung bewährt: Solarthermie Foto: BDH

Wärme­wende hat neuen Stel­lenwert bei Politik

von | 25. Januar 2016

Die Wärme­wende stockt. Immerhin gibt es zaghafte Anzeichen einer Erholung. Wärme­pumpen bleiben im Absatz stabil, Öl-​Brennwertheizungen legten 2015 deutlich zu, sicher auch auf eine Folge des im April neu aufge­legten Markt­ein­reiz­pro­gramms, das in Folge des Schei­terns der steu­er­lichen Absetz­barkeit (mehr hier) mit mehr Finanz­mitteln ausge­stattet wurde. Dazu drei Fragen an Frederic Leers, Bundes­verband der Deutschen Heizungs­in­dustrie (BDH).

Glauben Sie, dass die Steu­er­ver­güns­ti­gungen für ener­ge­tische Sanie­rungen ein probates Mittel gewesen wären, um den Sanie­rungsstau im Keller aufzulockern?

Die steu­er­liche Abschreibung für ener­ge­tische Moder­ni­sie­rungs­maß­nahmen hätten bei richtiger Ausge­staltung sicherlich positive Effekte auf Wärme­markt gehabt. Der BDH hat hierzu unter anderem gemeinsam mit dem ZVSHK entspre­chende Vorschläge unterbreitet.

Aber auch wenn nun die steu­er­liche Abschreibung nicht umgesetzt worden ist, so räumt die Politik dem Thema der Ener­gie­ef­fi­zienz und damit dem Wärme­markt einen bisher nicht gekannten Stel­lenwert ein. Der Nationale Akti­onsplan Ener­gie­ef­fi­zienz (NAPE) adres­siert in starkem Maße den Wärme­markt und beinhaltet viele aus unserer Sicht richtige Ansätze. So begrüßen wir die weitest­gehend markt­wirt­schaft­lichen Ansätze und den Verzicht auf Ordnungs­recht im Bestand. Ordnungs­recht kommt lediglich im Neubau zum Tragen. Viele derzeit in der Umsetzung befind­liche Maßnahmen, wie zum Beispiel das ab Anfang dieses Jahres gestartete Labeling der Altan­lagen gehen auf Initia­tiven des BDH zurück. Auch die verbes­serten Förder­mo­da­li­täten über die KfW und im Rahmen des Markt­an­reiz­pro­grammes (MAP) begrüßen wir.

Tatsache ist, dass der deutsche Anla­gen­be­stand veraltet ist und dass die Moder­ni­sierung zu langsam voran geht. Rund 70 % der 21 Millionen Zentral­hei­zungen entsprechen nicht mehr dem Stand der Technik. Hier liegen enorme CO2-​Minderungs- und Ener­gie­ein­spar­po­ten­ziale brach. Würde der Anla­gen­be­stand Deutsch­lands auf den Stand der Technik gehoben, die Tech­no­logien dafür sind längst im Markt vorhanden, könnten rund 13 % des deutschen Endener­gie­ver­brauchs einge­spart werden.

Wie entwi­ckeln sich die Verkaufs und Instal­la­ti­ons­zahlen von Wärme­er­zeugern durch das modi­fi­zierte MAP (ich weiß nur von den Wärme­pum­pen­leuten, dass die nicht allzu unglücklich sind über die derzeitige Entwicklung)?

Das modi­fi­zierte MAP mit attrak­ti­veren Förder­sätzen seit März 2015 dürfte tatsächlich einen positiven Effekt auf den Markt für Wärme­pumpen haben. Nach einem anfäng­lichen Minus in den ersten drei Quartalen erholte sich der Markt leicht im vierten Quartal. Hingegen können wir noch keinen durch­schla­genden Effekt bei der Solar­thermie fest­stellen. Ebenso wenig zeigt sich eine stärkere Dynamik beim Absatz von Festbrennstoffheizungen.

Welche Mittel könnten aus Ihre Sicht noch greifen, um die Wärme­wende zu beheben?

Wichtig ist neben der richtigen Ausge­staltung der poli­ti­schen Rahmen­be­din­gungen eine strin­gente Kommu­ni­kation aller Betei­ligten pro Wärme­markt. Es sollte den poten­zi­ellen Inves­toren in höhere Ener­gie­ef­fi­zienz ihrer Heizungs­an­lagen vermittelt werden, dass sie mit dem Austausch der Altanlage nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Klima- und Ressour­cen­schutz, sondern auch zum Wert­erhalt ihrer Immobilie und zur Kosten­senkung leisten. Dabei sollte die poli­tische Kommu­ni­kation auf eine völlig unnötige Diskre­di­tierung einzelner Ener­gie­träger im Wärme­markt verzichten und statt­dessen eine Doppel­stra­tegie aus Ener­gie­ef­fi­zienz und erneu­er­baren Energien für Inves­toren in Neuan­lagen empfehlen.
Morgen gibt es an dieser Stelle eine Prognose zu den Absatz­zahlen 2015 der verschie­denen Wärmeerzeuger.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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