Flüssiggas aus den USA könnte nach EU-Willen auch nach Europa kommen. Foto: Shell

EU-​Zoff um Nord Stream 2

von | 13. Februar 2016

Die EU stellt sich gegen den auch von Deutschland forcierten Bau der Pipeline Nord Stream 2. Deutschland will damit die Versor­gungs­si­cherheit von Erdgas erhöhen, da in abseh­barer Zeit die Nordsee-​Gasfelder der Nieder­landen, bisher nach Russland und Norwegen die Nummer 3 der hiesigen Impor­teure, erschöpft sein werden. Damit steigt die Abhän­gigkeit von russi­schen Liefe­rungen, die nun die EU verhindern will.

Der Vize­prä­sident der Euro­päi­schen Kommission, Maroš Šefčovič, fordert nun nach einem Bericht des Spiegel eine neue Debatte über die Nord Stream 2. Seiner Meinung nach würden dann 80 % aller russi­schen Gaslie­fe­rungen über die Ostsee erfolgen. Dies könne nicht im Sinne der Versor­gungs­si­cherheit der EU sein. Die Vorschläge der EU sehen eine Lösung innerhalb der Union vor. Dazu gehören

  • Nutzung von ameri­ka­ni­schem und norwe­gi­schem Flüs­siggas (wobei Norwegen kein EU-​Mitglied ist), insbe­sondere zur Versorgung des Baltikums
  • mehrere Pipelines zur Anbindung von Finnland und dem Baltikum
  • rasche Fertig­stellung eines Flüs­sig­gas­ter­minals in Kroatien mit Pipeline Richtung Ungarn
  • Ausbau des Pipeline-​Netzes in Rumänien, Bulgarien und Griechenland.

Der EU-​Kommissar folgt damit der Linie der osteu­ro­päi­schen Länder, die ebenfalls vehement die neue Ostseepipeline kritisieren.

Generell bedeutet die Verflüs­sigung von Erdgas auf diese Distanzen (Norwegen-​Baltikum oder Deutschland) höhere Kosten in Verar­beitung und Logistik als ein Pipe­line­transport. Das könnte die Pläne der Bundes­re­gierung konter­ka­rieren, die hiesige Versor­gungs­si­cherheit vor allem mit Erdgas aus Russland sicher­zu­stellen, das sich bisher immer als zuver­läs­siger Lieferant erwiesen hat. Zu erwarten ist jedoch,dass Deutschland an den Plänen zu Nord Stream 2 festhält und der Doppel-​Pipelinestrang wie geplant reali­siert wird.


Geschrieben für Bund der Ener­gie­ver­braucher. Der Origi­nal­beitrag ist hier zu lesen.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

1 Kommentar

  1. Helen Steiniger

    Die Diskussion um die Ener­gie­im­porte fokus­siert sich oft auf russi­sches Gas, aber Gas ist bei Weitem nicht der einzige fossile Ener­gie­träger, der Deutschland Strom­ver­sorgung abhängig von Importen macht. Hier haben wir die Proble­matik zusam­men­ge­fasst: https://​www​.next​-kraft​werke​.de/​e​n​e​r​g​i​e​-​b​l​o​g​/​v​e​r​s​o​r​g​u​n​g​s​s​i​c​h​e​r​h​e​i​t​-​k​o​h​l​e​-​erdgas
    Unser kurioses (?) Fazit: Wenn wir auf Erneu­erbare setzen, erhöhen wir unsere Versorgungssicherheit.

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