Der Energiebunker in Hamburg zeigt, dass sich auch hierzulande größere Solarprojekte rechnen können. Bild: Ritter XL Solar

Solar­thermie: Effizienz durch Größe

von | 15. Juli 2016

Solar­thermie auf Einfa­mi­li­en­häusern ist Standard. Die EnEV zwingt Häus­le­bauer regel­recht dazu, die Wärme­ver­sorgung der eigenen vier Wände teils auf erneu­erbare Füße zu stellen. Doch erst in großen Anwen­dungen für Wohnungs­wirt­schaft, Gewerbe und Industrie spielt die Solar­thermie ihre ganze Effizienz aus. Für die TGA-​Branche könnte dies ein lohnendes und zukunfts­fä­higes Geschäftsfeld sein.

Die Funktion einer Solar­ther­mie­anlage ist längst allgemein bekannt. Sie nutzt die Sonnen­en­ergie, um einen Speicher für die Warm­was­ser­be­reitung zu beladen oder setzt die aufge­fangene Strahlung für die Heizungs­un­ter­stützung ein. Hier unter­scheiden sich die größeren Anlagen kaum von den Kleinen. Aller­dings ergeben sich bei größeren Solar­sys­temen facet­ten­rei­chere Einbin­dungs­mög­lich­keiten. Ein Beispiel dafür sind Nahwär­me­netze. Wie die gewünschte Groß­anlage ausge­stattet sein sollte, richtet sich nach dem Deckungsgrad, mit dem der Wärme­bedarf erreicht werden kann.

Deckungsgrad als wichtiges Kriterium

Wer eine solar­ther­mische Anlage für Wohnungs­wirt­schaft, Gewerbe oder Industrie plant, geht meist von der zur Verfügung stehenden Monta­ge­fläche aus (sie­he auch Text­kasten „An ausrei­chend Dach­fläche und Speicher denken“). Eine andere Möglichkeit ist der gewünschte Deckungsgrad. Aus dem ergeben sich wiederum Kollek­tor­fläche und die Notwen­digkeit eines Speichers sowie des Netzes. …

Verbrauchsnahe Lösungen sind effizienter

Ein wichtiger Aspekt bei der Planung ist immer die Entfernung zum Verbraucher. „Ideal ist die Instal­lation solar­ther­mi­scher Anlagen für die Nahwär­me­un­ter­stützung in der Nähe einer Siedlung oder von Gewer­be­ge­bieten mit hohem Wärme­bedarf“, erklärt der Projekt­ent­wickler Ralf Orths des Herstellers von Solar­kol­lek­toren Wagner Solar. So könnten Dächer eines Einkaufs­zen­trums in zentraler Lage im Wohn­gebiet, Grün­flächen in unmit­tel­barer Umgebung oder Flächen entlang eines Lärm­schutz­walls genutzt werden. Dabei ist ein Einspei­se­ma­nagement wichtig, um je nach aktueller Netz­tem­pe­ratur, die im Sommer oft höher ist als im Winter, den optimalen Betrieb zu ermöglichen.

Neben den Vaku­um­röh­ren­kol­lek­toren werden für den Einsatz­zweck auch doppelt verglaste Groß­kol­lek­toren einge­setzt, die durch geringere Wärme­ver­luste ertrag­reich bei hohen Tempe­ra­turen arbeiten. Die großen Einheiten mit bis zu 13,2 m² ermög­lichen kostengüns­tige und schnell zu errich­tende Systeme. In Chemnitz und Düsseldorf werden in diesem Jahr solche Systeme mit bis zu 2230 m² Kollek­tor­fläche entstehen.

In den skan­di­na­vi­schen Ländern hat man schon früh­zeitig die Systeme auf die solare Unter­stützung ausgelegt und erreicht sehr niedrige Rück­lauf­tem­pe­ra­turen von ca. 35°C. Dort arbei­teten Anlagen mit bis zu 100.000 m² Flach­kol­lek­toren für die komplette Wärme­ver­sorgung von Klein­städten im Sommer seit über zwei Jahr­zehnten bereits erfolg­reich. „Hier in Deutschland haben wir oftmals allein Rück­lauf­tem­pe­ra­turen von 50 bis 70°C und einen Vorlauf von 90 bis 105°C und mehr. Da gibt es noch Opti­mie­rungs­po­ten­ziale für die Inte­gration der Solar­thermie“, so Orths.

Viele Stadt­werke haben aber das Thema aufge­nommen und prüfen die Inte­gration in bestehende Netze und neu zu erschlie­ßende Wohn­ge­biete als wirt­schaft­liche Option, etwa in Verbindung mit Biomas­se­kesseln. Die aktuellen Förder­vor­aus­set­zungen verstärken die Attrak­ti­vität. So sprach sich das BMWI beim dies­jäh­rigen Otti Symposium der Solarthermie-​Branche in Staf­fel­stein für die weitere positive Begleitung der Solar­thermie aus. …


Gekürzt. Geschrieben für IKZ Fach­planer. Erschienen in 06/​2016. Der komplette Beitrag ist auch hier online zu lesen.

Einen Überblick über die Markt­ent­wicklung bei Solar­thermie gibt Energieblogger-​Kollege Björn Katz hier auf seinem Blog Strom­aus­kunft.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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