Solar­ther­mie: An aus­rei­chend Dach­flä­che und Spei­cher denken

Solarthermieanwendung in einer Hamburger Wohnsiedlung. Foto: Wagner Solar Klimaschutzplan, Wärmemarkt, Heizung
Solarthermieanwendung in einer Hamburger Wohnsiedlung. Foto: Wagner Solar

State­ment von Chris­toph Menke, Pro­fes­sor für Ver­sor­gungs­tech­nik / Ener­gie­tech­nik an der Hoch­schule Trier, über die Pla­nun­gen von groß­flä­chi­ger Solar­ther­mie in der Gebäu­de­tech­nik.

Prin­zi­pi­ell gelten für große Solar­ther­mie im Gewerbe oder im Woh­nungs­bau fol­gende Vor­aus­set­zun­gen: Die Gebäude sollten Niedrigenergie-Standard haben und die Hei­zungs­sys­teme mit nied­ri­gen Vor­lauf­tem­pe­ra­tu­ren arbei­ten, idea­ler­weise mit einer Fußboden- oder Wand­hei­zung.

Christoph Menke.
Chris­toph Menke.

Die Solar­ther­mie sollte bei einer inte­grier­ten Gebäu­de­pla­nung von Anfang an mit­ge­dacht, und nicht erst, wie es meist der Fall ist, die Tech­ni­sche Gebäu­de­aus­rüs­tung erst dann ein­ge­baut werden, wenn das Gebäude steht.

Damit kann man auch ein wei­te­res Problem umgehen. Mehr­ge­schos­sige Wohn­ge­bäude ver­fü­gen, im Gegen­satz zu Einfamilien- oder Rei­hen­häu­sern, über eine geringe Dach­flä­che, die zudem Platz vor­hal­ten muss für Fahr­stuhl­kom­po­nen­ten oder Pho­to­vol­taik. Im Gewer­be­bau hin­ge­gen hat man es häufig mit Well­blech­dä­chern zu tun, die keine aus­rei­chende Trag­kraft aus­wei­sen. Will man Solar­ther­mie ein­bin­den, müssen diese Schwach­stel­len schon in der Planung aus­ge­schal­tet werden.

Zudem muss immer ein Spei­cher mit­ge­dacht werden. Bei Wohn­quar­tie­ren bieten sich auch Nah­wär­me­netze an. Sollen Solar­ther­mie­an­la­gen in der Nähe des Abneh­mers plat­ziert werden, und das macht Sinn, muss man hier auch Platz für einen Boiler zum Wasser vor­wär­men ein­pla­nen. Und es muss sicher­ge­stellt sein, dass die Wärme sicher in die Spei­cher und zu jedem Abneh­mer gelangt. Umfang­rei­che Ver­schal­tun­gen und zu viele Regel­ven­tile bringen unserer Erfah­rung nach nichts.

Zu den Kosten: Die große Solar­ther­mie ist preis­wer­ter als die kleine. Man muss aber auch beach­ten, dass sie nicht für einen hohen solaren Deckungs­rad steht, sondern für höhere Solare Erträge von 400 bis 450 kWh Wärme pro m² Kol­lek­tor­flä­che und Jahr. Das ist nur zu rea­li­sie­ren, wenn der solare Deckungs­grad auf 15 bis 25 Prozent begrenzt wird.

Große Solar­ther­mie hat einen Ska­len­ef­fekt, der abfla­chend ist. Bei 100 oder 200 m² hat man schon sehr gute, nied­rige spe­zi­fi­sche Investitions- und Amor­ti­sa­ti­ons­kos­ten. Diese fallen aber nicht mehr signi­fi­kant, wenn man auf 500 m² oder mehr erhöht. Grund­sätz­lich ist die Amor­ti­sa­tion im Wohn­ge­bäu­de­be­reich ein­fa­cher, weil hier in län­ge­ren Zeit­räu­men gerech­net wird. Durch­schnitt­lich in zehn Jahren hat sich hier die Inves­ti­tion gelohnt, während es in der Indus­trie sehr häufig Vor­ga­ben gibt, dass sich eine Inves­ti­tion in zwei bis vier Jahren bezahlt machen müsse. Das ist mit Solar­ther­mie kaum zu errei­chen.

Immer­hin: Die Solar­ther­mie ist eine aus­ge­reifte Technik, die bei guter Instal­la­tion eine Lebens­dauer von 25 Jahren hat – inklu­sive der Spei­cher. Dabei ist der Ver­schleiß äußerst gering und betrifft Pumpen und Regler, also Kom­po­nen­ten, die auch bei einer nor­ma­len Heizung von Zeit zu Zeit aus­ge­tauscht werden müssen.


Erschie­nen im IKZ Fach­pla­ner. Erschie­nen in 06/2016. Der kom­plette Beitrag ist auch hier online zu lesen.

Einen Über­blick über die Markt­ent­wick­lung bei Solar­ther­mie gibt Energieblogger-Kollege Björn Katz hier auf seinem Blog Strom­aus­kunft.

 

1 Kommentar

  1. Ein sehr inter­es­san­ter Artikel zum Thema Solar­ther­mie. Soweit ich weiß, gibt es hierfür auch noch eine För­de­rung vom Staat.

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