Wie können Ener­gie­ver­sor­ger mit Pro­sumern Geld ver­die­nen

Eine von inzwischen 1,5 Millionen PV-Anlagen in Deutschland, die es ermöglichen, selbst als Energieproduzent und nicht nur als Konsument zu agieren. Foto: Urbansky Prosumer, EEG, PV-Strom
Eine von inzwischen 1,5 Millionen PV-Anlagen in Deutschland, die es ermöglichen, selbst als Energieproduzent und nicht nur als Konsument zu agieren. Foto: Urbansky

Pro­sumer ist das Zau­ber­wort der Ener­gie­welt von heute. Oder das Hass­wort. Wer selbst Energie erzeu­gen und nutzen kann, ist kaum mehr im bis­he­ri­gen Umfang auf Ener­gie­ver­sor­ger (EVU) und Netz­be­trei­ber ange­wie­sen. Nur noch Spit­zen­las­ten muss er abde­cken – für die EVU ein Schre­ckens­sze­na­rio.

Christian Borm. Foto: VDI
Bringt Pro­sumer und Ener­gie­ver­sor­ger zusam­men: Chris­tian Borm. Foto: VDI

Doch das muss es nicht bleiben. Die VDI‐Konferenz „Smart‐Energy: Pro­sumer im Umfeld von Markt, Technik und gesetz­li­chem Rahmen“ geht am 15. und 16. Novem­ber unter anderem der Frage nach, wie EVU in dieser neuen Ener­gie­welt einen Platz finden. Als Bei­spiel dienen etwa die Stadt­werke Wun­sie­del, die, so VDI‐Projektmanager Chris­tian Borm, den dro­hen­den Verlust von Ver­triebs­po­ten­zia­len abfe­dern wollen. „Gerade bei kleinen Stadt­wer­ken ist es ja immer eine Frage, welche Kapa­zi­tä­ten sie für solche Pro­jekte haben“, so Borm.

Gefälle groß

Das Gefälle von großen zu kleinen EVU sei dabei enorm. Aller­dings sehe er für die EVU keine andere Lösung, da sonst ihr Geschäft stetig schrumpfe. Das von den Wun­sied­lern geplante zel­lu­läre Ener­gie­sys­tem will Bottom‐up statt Top‐Down. Ziel ist die Umwand­lung der Stadt­werke in einen regio­na­len Ener­gie­dienst­leis­ter. Dazu gehören die Ein­bin­dung von indus­tri­el­len, öffent­li­chen und pri­va­ten Pro­sumern in das Ener­gie­sys­tem. Zugleich soll der Handel von fle­xi­blen Kapa­zi­tä­ten auto­ma­ti­siert werden, was ja dem Motto der Ver­an­stal­tung – Smart Energy – ent­ge­gen­kommt.

Doch die Sorgen und Nöte der EVU sind das eine, die Wünsche der Pro­sumer das andere. „Wir lassen auch Wis­sen­schaft­ler zu Wort kommen“, so Borm. Das erstaun­li­che sei dabei gewesen, dass bei Befra­gun­gen von End­kun­den eine große Affi­ni­tät zur E‐Mobilität her­aus­ge­kom­men sei. Wie diese netz­dien­lich und smart ein­ge­bun­den werden könne, sei ein wei­te­res Thema der Kon­fe­renz, beleuch­tet etwa von Ubitri­city aus Berlin.

Bilanz­kreise inter­es­sant

Borm ist aber durch­aus klar, dass im Regel­en­er­gie­markt aktuell kein Geld mit solchen Model­len zu ver­die­nen ist. Chancen sieht er hin­ge­gen im Bilanz­kreis­ma­nage­ment, da auch die Netz­be­trei­ber froh seien, dass auf dieser unteren Ebene Netz­sta­bi­li­tät von Dritten garan­tiert werden könne.

Weitere Fragen sind: Was pas­siert, wenn Ein­fa­mi­li­en­häu­ser, Gebäude und klei­nere Quar­tie­ren Strom nicht nur ver­brau­chen, sondern auch pro­du­zie­ren? Wie lassen sich Photovoltaik‐ und KWK‐Anlagen, Strom­spei­cher, Wär­me­pum­pen und Elek­tro­fahr­zeuge so in das Ener­gie­sys­tem ein­bin­den, dass alle Betei­lig­ten davon pro­fi­tie­ren? Welche tech­ni­schen und regu­la­to­ri­schen Rah­men­be­din­gun­gen müssen dazu erfüllt werden? Und natür­lich, und damit sind wir wieder beim Anfang: Wie können Ener­gie­ver­sor­ger und Stadt­werke mit Pro­sumern Geld ver­die­nen?

Das Pro­gramm der Ver­an­stal­tung findet sich hier.

Ange­mel­det werden kann sich hier.

enwipo​.de wird umfang­reich von der Kon­fe­renz berich­ten.


Wie Pro­sumer ticken, beschreibt Energieblogger‐Kollege Björn Katz hier auf seinem Blog strom​aus​kunft​.de.