Das Fräsen erfolgt weitgehend staubfrei und ist bei einem normalen Wohnhaus an ein bis zwei Arbeitstagen erledigt. Foto: Rotex

Möglichst flach muss es sein

von | 29. August 2017

Ein wesent­liches Problem beim Einbau von Fußbo­den­hei­zungen im Bestand ist häufig die Aufbauhöhe. Es gibt eben nicht nur die 3,5 m hohen, stuck­de­cken­ver­putzten Altbau­woh­nungen, sondern auch wesentlich niedrigere.

Soll hier eine Estrich­schicht für eine Fußbo­den­heizung wie im Neubau aufge­bracht werden, schrumpft die Wohn­raumhöhe. Und: Estrich wiegt. Eine im Neubau durchaus übliche Schicht von 65 mm wiegt bis zu 130 kg/​m² – zu viel für manche aus Holz gebaute Zwischen­decke. Aller­dings gibt es Alter­nativen.

Generell kommen bei Bestands­sa­nie­rungen, in denen Fußbo­den­hei­zungen einge­bracht werden sollen, zwei Verfahren zur Anwendung: Zum einen gibt es bestimmte Dünn­schicht­systeme, die mit einer Höhe ab 15 bis 46 mm auskommen, zum anderen wird der Verlauf der Heiz­schlangen in den Boden einge­fräßt und hinterher mit einer spezi­ellen Verguss­masse abgedeckt. Beide Verfahren haben gegenüber herkömm­lichen Fußbo­den­hei­zungen einen entschei­denden Vorteil: Durch die geringere Aufbauhöhe kann die Wärme­strahlung bei bis zu 80 W/​m² liegen – deutlich mehr als bei einer klas­si­schen Lösung. So lassen sich Ener­gie­kosten sparen. Auch die Heiz­ver­zö­gerung wird dadurch zum positiven korri­giert. Auf der anderen Seite haben die Systeme auch einen deutlich höheren Preis. Gegenüber 40 Euro/​m² bei der klas­si­schen Variante wird bei ihrem flachen Pendant ungefähr das Doppelte fällig.

Beide Verfahren im Überblick

1. Dünn­schicht­systeme

Dünn­schicht­systeme bestehen häufig aus Klick­mo­dulen, die gewichtsparend aus Kunst­stoffen produ­ziert werden. Zur Anwendung kommen meist Polystyrol- oder Poly­urethan. In diese werden die wasser­füh­renden Schlangen einge­klickt. Der Unter­grund muss dafür absolut eben sein. Falls der Unter­grund nicht die gefor­derten Eben­heits­to­le­ranzen bietet, muss ein Niveau­aus­gleich erfolgen. Bei Estrichen und Holz­decken bleibt das so gut wie nie aus. „Als Ausgleichs­schicht kommt ein Spachtel wie Knauf Nivel­lie­restrich „425“ oder Knauf „Alphadur“ infrage. Vor der Verar­beitung ist übli­cher­weise der sanierte Dielen­boden anzu­schleifen und mit einem Voran­strich zu versehen. Ausgleichs­dicken von 3 bis 15 mm sind möglich“, so Matthias Hemmersbach von Uponor. Das Unter­nehmen etwa empfiehlt für Sanie­rungen solcher Art und mit besonders geringer Aufbauhöhe das „Minitec“-System. Es kann im Verbund, also auf bestehendem Estrich, kera­mi­schen Fliesen oder auf Trenn- und Dämmlagen ange­bracht werden. …

2. Fräs­ver­fahren

Das zweite, schon etablierte Verfahren ist aufwen­diger. Dabei wird in einen vorhan­denen Estrich-​Fußboden der Verlauf der wasser­füh­renden Rohre der Fußbo­den­heizung einge­fräst. Kunden­wünsche, etwa nach dem Verlauf der Wärme­zonen im Boden, können also weit­gehend berück­sichtigt werden. Liegt das System aller­dings erstmal, lässt es sich nicht mehr ändern. Nach dem Einfräsen und Verlegen erfolgt das Über­gießen der kompletten Fläche mit Dünn­schich­t­estrich oder nur der Fräs­kanäle mit einer Verguss­masse. Die Trocken­fräss­va­riante ist zwar für den Kunden teurer, aber sie hat mehrere Vorteile. Die Fräsung kann mit fast allen Estrichen oder Verguss­massen über­gossen werden. Und: Direkt nach der Fräsung kann die Fußbo­den­heizung instal­liert werden. …


Gekürzt. Geschrieben für IKZ. Zum Abo geht es hier. Erschienen in 1516÷2017. Der kom­plette Beitrag ist auch hier online zu lesen.

Mit einer weiteren Art der Flächen­heizung, der Infra­rot­heizung, befassen sich meine Energieblogger-​Kollegen von energie​-experten​.org hier.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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