Dank Wärmepumpen das erste klimaneutrale Stadion der Welt: die WWK-Arena in Augsburg. Foto: Frank Urbansky

Klima­freund­liches Kicken: Bundes­li­ga­clubs bemühen sich um Nachhaltigkeit

von | 29. Januar 2020

Klima­schutz und Nach­hal­tigkeit standen nicht nur auf der Agenda des Welt­wirt­schafts­forums in Davos ganz weit oben. Auch die Vereine der Fußball-​Bundesliga wollen mehr gesell­schaft­liche Verant­wortung über­nehmen und rücken Umwelt­themen daher zunehmend in ihren Fokus.

Alles nur noch Kommerz”, jammert so mancher Fußballfan und trauert der vermeintlich guten alten Zeit hinterher, als man Verträge noch per Hand­schlag schloss und nicht wenige Kicker ihre gesamte Profi­kar­riere bei einem einzigen Verein bestritten. Spielern wie Clubs, meinen viele, mangele es heut­zutage an Ethos und Volksnähe. Alles werde letztlich über­strahlt von der Hatz nach Gehältern, Titeln und Umsatzrekorden.

Tatsächlich werden die Clubs längst wie Wirt­schafts­un­ter­nehmen geführt, straff orga­ni­siert und flankiert von breiter externer Expertise. Mit der wirt­schaft­lichen Stärke gingen indes auch gestiegene Erwar­tungen einher, sagt Stefan Ludwig von der Unter­neh­mens­be­ratung Deloitte. “Fans, Mitglieder, Sponsoren und Politik erwarten zunehmend, dass die Bundes­li­gisten auch gesell­schaftlich eine immer größere Verant­wortung über­nehmen”, so Ludwig. Laut einer Deloitte-​Studie aus dem Jahr 2019 verfolgen immer mehr Clubs entspre­chende Ziel­set­zungen, bis hin zum CO2-neutralen Stadion.

Wie genau sich dies in der Praxis nieder­schlägt, hat die Deutsche Welle unter die Lupe genommen. So hat etwa Borussia Dortmund eine Photovoltaik-​Anlage auf dem Stadi­ondach instal­liert, über die pro Sitzplatz eine Tonne CO2 einge­spart werden soll. Strom aus erneu­er­baren Energien nutzen auch viele Konkur­renten wie München oder Lever­kusen. Ebenso sind Mehrweg-​Becher und LED-​Beleuchtung in zahl­reichen Stadien längst Alltag.

Besonders vorbildlich zeigen sich die oft als Retor­tenclub geschmähten Hoffen­heimer. So gleicht man im Kraichgau etwa den eigenen ökolo­gi­schen Fußab­druck mit Hilfs­pro­jekten in Uganda aus und vergibt aus Gras herge­stellte Auto­gramm­karten. Außerdem kann jeder Ticket­käufer Baum­setz­linge für je einen Euro erwerben.

Ähnliches für den FSV Mainz 05, der sich 2011 zum „ersten klima­neu­tralen Bundes­li­ga­verein“ prokla­mierte. Die Solar­zellen auf dem Dach der Arena sparen lauten Club-​Angaben jährlich rund 470 Tonnen CO2 ein. Zudem produ­ziert man im Stadion seinen eigenen Honig. Als Vorreiter in Sachen Umwelt­freund­lichkeit gilt unter­dessen der SC Freiburg, der bereits 1995 eine Solar­anlage instal­lieren ließ. Ein Jahr später folgten wasserlose Urinale. Überdies koope­rieren die Schwarz­wälder mit dem „Word Wide Fund For Nature“ (WWF) im Rahmen von Naturschutzprojekten.

Seri­en­meister München in unge­wohnter Jäger-Rolle

Reichlich Nach­hal­tigkeit bietet die Bundesliga derzeit auch in punkto Spannung. So war das Rennen um die Meis­ter­schale schon lange nicht mehr als so offen wie in dieser Spielzeit. Dass die erfolgs­ver­wöhnten Münchner Bayern, zuletzt siebenmal in Folge Titel­träger, sich wie teils in früheren Jahren bereits im März die Meis­ter­schaft sichern, kann man getrost ausschließen.

Denn nicht sie führen die Liga an, sondern RB Leipzig aus dem Imperium des öster­rei­chi­schen Brause-​Milliardärs Dietrich Mate­schitz. Unter dem neuen Coach Julian Nagelsmann hat die ohnehin nicht torscheue Mann­schaft noch einmal an Durch­schlags­kraft zugelegt und als erstes Team überhaupt in neun aufein­ander folgenden Partien mindestens drei Treffer erzielt. Ein Triumph zu Saisonende scheint zurzeit also gar nicht abwegig.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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