Mit Autogas in die Zukunft?

Der Preis spricht für Autogas. Selbst wenn man die geringere Energiedichte einrechnet, kommt man nur auf etwa 1,00 Euro. - Foto: Urbansky

33 Prozent aller öffent­li­chen Tank­stel­len in Deutsch­land bieten Autogas an. Die gesamte Branche und ins­be­son­dere der Tank­stel­len­mit­tel­stand haben kräftig in diese Infra­struk­tur inves­tiert. Die Auto­fah­rer sind zufrie­den mit dem gegen­über Diesel und Benzin deut­lich güns­ti­ge­ren Treib­stoff nicht nur auf deut­schen Straßen auch im euro­päi­schen Ausland.

460.000 Fahr­zeuge, ein flä­chen­de­cken­des Tank­stel­len­netz von 6.500 Sta­tio­nen – die Auto­gas­bran­che könnte zufrie­den sein. Auch die 11.465 neu zuge­las­se­nen LPG*Fahrzeuge, die 2012 auf die Straßen rollten, hören sich nicht schlecht an. Doch das sind gerade mal 0,37 Prozent aller Neu­zu­las­sun­gen. Es könnten also mehr sein für eine wirk­li­che Erfolgs­ge­schichte.

Dennoch ist Autogas damit der Alter­na­tiv­kraft­stoff Nr. 1 in Deutsch­land und lässt seit Jahren Erdgas oder Strom weit hinter sich. Ob die Zukunft für das Geschäft mit Autogas ebenso positiv aus­sieht, hängt von ver­schie­de­nen Fak­to­ren ab.

Allen voran wäre da die Steu­er­be­güns­ti­gung. Derzeit wird der flüs­sige Kraft­stoff mit 1,29 Cent je Kilo­watt­stunde besteu­ert. Ursprüng­lich sollte damit schon in diesem Jahr Schluss sein. Doch die Regie­rung hat sich von den Vor­tei­len des Kraft­stoffs über­zeugt. Nun wird eine Ver­dop­pe­lung des Steu­er­sat­zes nach 2018 dis­ku­tiert. Rechnet man die gegen­über Diesel gut 30 Prozent gerin­gere Ener­gie­dichte hinzu, käme man in etwa auf die glei­chen Kosten wie der Selbstzünder‐Kraftstoff. „LPG ist dann am Markt tot“, meint Ole Boie, der an seinen Tank­stel­len im Norden der Repu­blik auch Autogas anbie­tet.

Hoff­nung bestünde nur, so der Unter­neh­mer, wenn es den Unter­stüt­zern des Flüs­sig­ga­ses gelänge, den Steu­er­vor­teil über 2018 hinaus aus­zu­deh­nen. Ob das pas­siert, bleibe abzu­war­ten.

Bei West­fa­len sieht man das anders. An vier von zehn eigenen Tank­stel­len bieten die Müns­te­ra­ner LPG an. Darüber hinaus wurden im Agen­tur­ge­schäft 16,5 Mil­lio­nen Euro inves­tiert. Die will man kei­nes­wegs abschrei­ben. „Um das von der Regie­rung aus­ge­ge­bene Ziel von einer Mil­lio­nen LPG‐Fahrzeugen zu errei­chen, muss min­des­tens eine erneute Ver­län­ge­rung der steu­er­li­chen Begüns­ti­gung in Betracht gezogen werden“, so Vor­stands­mit­glied und Westfalen‐Tankstellenchef Reiner Ropohl.

Autogas: Daten und Fakten

In der im Januar vor­ge­stell­ten EU‐Strategie für umwelt­freund­li­che Kraft­stoffe findet sich auch Autogas – ein klares Bekennt­nis zu LPG als alter­na­ti­vem Kraft­stoff.

Die Hoch­schule für Technik und Wirt­schaft des Saar­lan­des hat die Emis­sio­nen von der För­der­quelle bis zum Fahr­zeug­be­trieb rea­lis­tisch betrach­tet. Dabei zeigt sich, dass Flüs­sig­gas im Ver­gleich zu Benzin pro gefah­re­nem Kilo­me­ter den CO2-Ausstoß um 26,8 g redu­ziert und im Ver­gleich zu Erdgas eben­falls einen Vorteil von 5,5 g pro Kilo­me­ter auf­weist.

In Deutsch­land stehen 91 Fahr­zeug­ty­pen zur Ver­fü­gung, die ab Werk mit Autogas‐Ausrüstung gelie­fert werden.

In den Ausbau des Tank­stel­len­net­zes sind bisher 400 Mil­lio­nen Euro geflos­sen. (Quelle: DVFG)

Geschrie­ben für Brenn­stoff­spie­gel, erschie­nen in Ausgabe 2/2013.

Der kom­plette Ori­gi­nal­text kann hier gelesen werden.