Säuft trotz niedriger Ölpreise nicht so schnell ab: Iranischer Öl-Tanker. Foto Alf van Beem / Wikimedia / Lizenziert unter CC0

Analysten: Öl wohl auch 2016 günstig

von | 27. Oktober 2015

Seit 15 Monaten fördert Saudi-​Arabien auf Teufel komm raus. Für die Kunden weltweit ist das so erzeugte Über­an­gebot ein Segen, profi­tieren sie doch auch von günstigen Preisen bei den Mine­ral­öl­pro­dukten. Doch bleibt dies auch im neuen Jahr so? Brenn­stoff­spiegel fragte drei namhafte Ölmarktanalysten.

Prognosen sind besonders schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen. Dieses wahlweise Mark Twain, Niels Bohr oder Karl Valentin zuge­schriebene Bonmot gilt natürlich auch für den Ölmarkt. Dennoch zeichnen sich derzeit einige Entwick­lungen ab, die eine genauere Vorhersage ermög­lichen, so zum Beispiel die weltweit schwä­chelnde Nachfrage, auch wenn diese seit Jahres­beginn weltweit etwas anzieht.

Schwache Nachfrage drückt Ölpreis 

Die Ölnach­frage in Deutschland ist ja im Trend sogar rück­läufig“, stellt Frank Klumpp, Analyst bei der LBBW, fest. „Das ist ein schlei­chender Prozess des Minder­ab­satzes. Weltweit steigt die Nachfrage seit Jahren nur mit 1 bis 1,5 Prozent jährlich. Auch für 2016 sehe ich keine wirt­schaft­lichen Wunder, deswegen gehe ich weiterhin von einer sehr preis­werten Mine­ral­ölenergie aus“, stimmt Helmut Buchmann vom Bran­chen­dienst O.M.R. OIL MARKET REPORT zu. Eine aktuelle Analyse von Exxon füttert diesen Trend mit Zahlen.

Angebot bleibt riesig

Die Nachfrage ist also wenig geeignet, die Preise fürs Rohöl und das seiner Produkte wieder nach oben zu treiben. Bleibe nun der zweite Faktor der gesamten Preis­bildung, das Angebot. „Die OPEC wird ihre ausge­weitete Produktion sogar über das Ende des Jahres fort­setzen“, schätzt Eugen Weinberg, Chef­analyst bei Commerzbank Commodity Research. „Endlich scheint sich diese Politik auszu­zahlen. Aktuell verzeichnen wir sichtbare Rückgange der US-Produktion.“ …

Doch noch ein weiterer Anbieter drängelt auf den Markt. Nach dem Auslaufen der US-​Sanktionen zum 1. Januar 2015 wird der Iran, koste es, was es wolle, wieder Markt­an­teile erobern wollen – und das weltweit. „Wir beab­sich­tigen, unab­hängig von den Preisen Öl zu verkaufen, obwohl wir das Öl natürlich lieber zu einem höheren Preis verkaufen würden. Doch der Preis wird durch den Markt bestimmt“, so Ölmi­nister Bijan Namdar Zangeneh gegenüber Reuters. …

Gefahr für Russland und Norwegen

Nachfrage schwach, Angebot riesig, Preise günstig. Was kurz­fristig hoff­nungsvoll stimmt, könnte mittel- und lang­fristig auch die deutsche Ölimporteur-​Landschaft verändern. Denn wenn unsere bishe­rigen Haupt­lie­fe­ranten Russland und Norwegen mit ihren deutlich höheren Produk­ti­ons­kosten als Saudi-​Arabien nicht mehr kosten­de­ckend produ­zieren könnten, wäre es auch möglich, dass sie mittel­fristig als Liefe­ranten ausfallen. …

Raffi­nerien kommen unter Druck

Die Russen, so Buchmann, können als Anbieter für Fertig­pro­dukte auftreten und die ganze Handels­kette bis hin zur Tank­stelle bedienen. Dafür werden sie Gesell­schaften gründen oder kaufen um dann den Markt aus eigener Kraft bedienen zu können. Damit seien sie auch „intern“ deutlich unab­hän­giger von den inter­na­tio­nalen Ölpreisen. Wenn man die aktuellen Raffinerie-​Margen ausblende, würden in Deutschland bis 2020 mehr und mehr „Netback-​Verträge“ mit Rohöl-​Produzenten abge­schlossen. Das Mine­ral­öl­produkt verliere an Bedeutung und es werden sich „Nischen­be­reiche“ etablieren. …

Wo steht der Preis zum Jahresende

Bei einer Prognose für den Ölpreis zum Jahresende liegen die Analysten jedoch deutlich ausein­ander. Buchmann sieht das Fass Nordseeöl Brent für 35 US-​Dollar auf dem Markt, Klumpp bei 50 Dollar und Weinberg, der zaghafte Anzeichen einer Konjunktur sieht, bei 55 Dollar.

Geschrieben für Brenn­stoff­spiegel. Der voll­ständige Beitrag ist nur in der Ausgabe 10/​2015 zu lesen. Zum kosten­freien Pobeabo geht es hier.

Vorschaubild: Wohin treibt der Ölpreis? Mit der Rückkehr des Irans an die welt­weiten Handels­plätze, hier der Tanker Dena vor Rotterdam, wird auch weitere Bewegung und die Ölpreise kommen. Foto Alf van Beem /​Wikimedia /​Lizen­ziert unter CC0

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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