Werkstattmeister René Fürst (links) und Sékou Timplan planen eine Umrüstung. Foto: Urbansky

Leipziger Auto­gas­spe­zialist rüstet auch Exoten um

von | 1. Dezember 2015

Leipzig ist zwar kein tradi­tio­neller, dafür mit Porsche und BMW ein sehr moderner Auto­mo­bil­standort. Modern und mitunter preis­be­wusst sind auch die Auto­fahrer der Messe­me­tropole. Das machte es Sékou Timplan vor zehn Jahren einfach, sich mit einer Autogas-​Werkstatt selb­ständig zu machen. Und die steht nach wie vor am Kohl­ra­bi­zirkus, einer ehema­ligen Groß­markt­halle und Wahr­zeichen der Stadt – denn einst war sie die größte Massiv­bau­kuppel der Welt.

Die HT Mit-​Autogas KG steht seit 10 Jahren für solides, boden­stän­diges Handwerk. Und das spricht für sich, oder besser andere dafür. „Die Hälfte unserer Kunden kommt durch Mund zu Mund Propa­ganda“, so der Kfz-​Meister. „Nur wenn wir gute Arbeit leisten, sind die Kunden auch bereit, ihren Nachbarn zu erzählen, wie viel Sprit­kosten sie mit ihrer gut funk­tio­nie­renden Auto­gas­anlage einfahren.“

Kampf gegen schwarze Schafe

Doch das war nicht immer so. Vor fünf Jahren, zu Hoch­zeiten des LPG-​Booms, hatten sich auch in Leipzig etliche schwarze Schafe nieder­ge­lassen. „Die haben teils für 1.200 Euro eine KME-​Anlage in einen Vier­zy­linder eingebaut. Das hat den Ruf der Branche etwas ruiniert, auch wenn die jetzt alle weg sind“, meint Timplan. Die Branchen erhole sich zwar langsam davon. Aber immer noch gebe es viele Vorbe­halte. Denn wenn einer von seinem Nachbarn höre, dass er nur Schwie­rig­keiten mit der Anlage habe, wird er sich keine einbauen lassen. Wenn es jedoch super funk­tio­niere, wird er davon schwärmen, dass er mit 40 Euro nach Berlin und wieder zurückkomme.

Exoten dürsten nach Autogas

Umgerüsteter 12-Zylinder in einem Touareg. Foto HT Mit Autogas

Umge­rüs­teter 12-​Zylinder in einem Touareg. Foto HT Mit Autogas

Timplan kommen so beim Umrüsten allerlei Exoten unter. Meist handelt es sich um US-​Importe aus Holland. Letztens bekam so ein Dodge Suburban nicht nur eine Autogas-​Anlage, sondern auch einen recht üppigen 120-​Liter-​Tank. Kein Wunder, der Super-​SUV hat großen Durst. Meis­ter­stück war ein 12-​Zylinder Touareg, der zwei 6‑Zylinder-​Anlagen von Prins bekam. Zum Umrüst-​Standard gehören neben normalen Klein­wagen ansonsten viele sport­liche Wagen von BMW und Mercedes, bis hin zum 8‑Zylinder, also ein Segment, wo sich wirklich Sprit­sparen lässt

Die andere Hälfte seiner Kunden kommen durch Auto­häuser, insbe­sondere von Kia und Honda, die spezielle Systeme vorschreiben. Die Firma selbst hat sich vor mehreren Jahren auf Prins spezia­li­siert und ist hier auch speziell zerti­fi­ziert. Dennoch bauen die fünf Mitar­beiter die ansonsten gefor­derten Anlagen (z,B. Lovato oder BRC) korrekt ein. „Für die Kunden ist dies wichtig, damit sie ihre Gewähr­leistung behalten. Denn die gibt der Auto­her­steller nur, wenn die von ihm empfohlene Anlage eingebaut wird“, Timplan. 

Nur Qualität zählt

Die betriebseigene Autogas-Tankstelle. Im Hintergrund der Kohlrabizirkus, eines der Wahrzeichen Leipzigs. Foto: Urbansky

Die betriebs­eigene Autogas-​Tankstelle. Im Hinter­grund der Kohl­ra­bi­zirkus, eines der Wahr­zeichen Leipzigs. Foto: Urbansky

Qualität ist überhaupt das Stichwort. Die HT Mit Autogas KG arbeitet eng mit TÜV und Dekra zusammen. Zudem orga­ni­siert der Meis­ter­be­trieb mit der Hand­werks­kammer Leipzig im Bildungs- und Tech­no­lo­gie­zentrum Borsdorf Schu­lungen für alle Instal­la­teure und Meister, die im Raum Leipzig mit der Autogas-​Umrüstung zu tun haben.

Obwohl die HT Mit-​Autogas KG breit aufge­stellt ist, gehen die Umrüst-​Geschäfte derzeit nicht besonders gut. Timplan schätzt, dass ihm in den letzten drei Jahren 50 Prozent wegge­brochen sind. Eine Ursache sieht er in den Benzin­preisen. Dabei sei es unwe­sentlich, so der Oldtimer-​Fan, dass die Sprit­kosten derzeit sehr niedrig sind, denn das seien sie nur in der Wahr­nehmung der Kunden. Die hätten sich über die Jahre an hohe Sprit­preise gewöhnt und seinen nun froh, dass es mal wieder etwas günstiger sei. Deswegen setzt er auf Qualität und guten Ruf. 

Mehr Rücken­de­ckung erhofft

Vom Deutschen Flüssiggas-​Verband wünscht er sich mehr Rücken­de­ckung. Als Beispiel dient ihm die Erdgas­branche. Die powere richtig, so Timplan. Da inzwi­schen zehn Prozent seines Umsatzes durch Arbeiten an Erdgas­fahr­zeugen erfolgen, kann er sich auch ein Urteil erlauben. 

Für die Flüs­sig­gas­branche hingegen fehle ihm das – dieses Einwirken auf den Auto­fahrer. „Dabei ist Rechnung einfach. Ab 15.000 km Fahr­leistung im Jahr sind die Mehr­kosten von 2.500 Euro im Schnitt in zwei Jahren drin. Selbst wenn man die nicht schafft, ist es mit weniger als der Hälfte der Lauf­leistung in 5 Jahren rentabel. Und solange behält man ja ein Auto in den aller­meisten Fällen. Man muss die Umrüstung besser als Inves­tition begreifen, nicht etwas, das Geld kostet. Den Leuten tut es ja auch nicht weh, 20.000 Euro für einen Neuwagen und zusätzlich 2.000 Euro für eine Satz Alufelgen hinzu­legen“, meint Timplan. Also warum nicht in eine umwelt­scho­nende und funk­tio­nie­rende Gasanlage inves­tieren und damit ab dem ersten Kilometer Geld zurück­er­halten?

Keine Angst vor 2018

Eine andere Diskussion der Branche beschäftigt ihn hingegen weniger. „Wenn 2018 die steu­er­liche Förderung für Autogas geändert wird oder gar ganz wegfallen soll, würde sich LPG um ca. 20 Cent je Liter erhöhen. Dann wäre es immer noch deutlich günstiger als Benzin“, so Timplan, der mit Kunden­aktion im März das zehn­jährige Bestehen seiner Firma feierte. Sinni­ger­weise wurde für jeden Tag bis zum Jubiläum ein Euro Rabatt bei einer Umrüstung gewährt. Früh­bucher und Schnell­ent­scheider waren hier im Vorteil – was ja für alle Autogas-​Fahrer gilt.

Vorschaubild: Werk­statt­meister René Fürst (links) und Sékou Timplan planen eine Umrüstung. Foto: Urbansky

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

0 Kommentare

EnWiPo
EnWiPo
„Diesel­ag­gregate haben mit Holz­ver­gaser eine Zukunft“

Diesel­ag­gregate haben mit Holz­ver­gaser eine Zukunft“

Interview mit Matthias von Senfft, International Sales Manager bei Spanner Re², www.holz-kraft.com Brennstoffspiegel: Wie würden Sie kurz den Vorteil von Holzvergasern gegenüber anderen Heiztechnologien beschrieben? von Senfft: Sie sind effizienter als...

Inves­ti­tionen und Betrieb andere machen lassen

Inves­ti­tionen und Betrieb andere machen lassen

Die Novellen der Heizkostenverordnung und der Wärmelieferverordnung lassen auf sich warten. Jedoch wurden zuletzt steuerliche Hemmnisse für Wohnungsunternehmen verringert, die ihnen den Energiehandel erschwerten. Für Contractoren ist dies kein bedrohliches Szenario....

West­afrika: Wasserstoff-​Powerhouse mit drei Haken

West­afrika: Wasserstoff-​Powerhouse mit drei Haken

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek will den Sonnenreichtum Westafrikas nutzen, um Wasserstoff für Deutschland zu produzieren. Das Projekt hat nur Chancen bei einer echten Partnerschaft. Ohne Wasserstoff wird die Energiewende nicht gelingen. "Der Strombedarf...

Strom aus Strömen

Strom aus Strömen

Wasserkraft ist neben Biomasse die einzige grundlastfähige erneuerbare Energieform. Doch die Ausbaupotenziale für große Pumpspeicher- oder reine Wasserkraftwerke sind begrenzt. Bürger begehren auf, Investoren ziehen sich zurück. Die kleine Variante, etwa...