Solar­ther­mie: Effi­zi­enz durch Größe

Der Energiebunker in Hamburg zeigt, dass sich auch hierzulande größere Solarprojekte rechnen können. Bild: Ritter XL Solar
Der Energiebunker in Hamburg zeigt, dass sich auch hierzulande größere Solarprojekte rechnen können. Bild: Ritter XL Solar

Solar­ther­mie auf Ein­fa­mi­li­en­häu­sern ist Stan­dard. Die EnEV zwingt Häus­le­bauer regel­recht dazu, die Wär­me­ver­sor­gung der eigenen vier Wände teils auf erneu­er­bare Füße zu stellen. Doch erst in großen Anwen­dun­gen für Woh­nungs­wirt­schaft, Gewerbe und Indus­trie spielt die Solar­ther­mie ihre ganze Effi­zi­enz aus. Für die TGA‐Branche könnte dies ein loh­nen­des und zukunfts­fä­hi­ges Geschäfts­feld sein.

Die Funk­tion einer Solar­ther­mie­an­lage ist längst all­ge­mein bekannt. Sie nutzt die Son­nen­en­er­gie, um einen Spei­cher für die Warm­was­ser­be­rei­tung zu beladen oder setzt die auf­ge­fan­gene Strah­lung für die Hei­zungs­un­ter­stüt­zung ein. Hier unter­schei­den sich die grö­ße­ren Anlagen kaum von den Kleinen. Aller­dings ergeben sich bei grö­ße­ren Solar­sys­te­men facet­ten­rei­chere Ein­bin­dungs­mög­lich­kei­ten. Ein Bei­spiel dafür sind Nah­wär­me­netze. Wie die gewünschte Groß­an­lage aus­ge­stat­tet sein sollte, richtet sich nach dem Deckungs­grad, mit dem der Wär­me­be­darf erreicht werden kann.

Deckungs­grad als wich­ti­ges Kri­te­rium

Wer eine solar­ther­mi­sche Anlage für Woh­nungs­wirt­schaft, Gewerbe oder Indus­trie plant, geht meist von der zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mon­ta­ge­flä­che aus (sie­he auch Text­kas­ten „An aus­rei­chend Dach­flä­che und Spei­cher denken“). Eine andere Mög­lich­keit ist der gewünschte Deckungs­grad. Aus dem ergeben sich wie­derum Kol­lek­tor­flä­che und die Not­wen­dig­keit eines Spei­chers sowie des Netzes. …

Ver­brauchs­nahe Lösun­gen sind effi­zi­en­ter

Ein wich­ti­ger Aspekt bei der Planung ist immer die Ent­fer­nung zum Ver­brau­cher. „Ideal ist die Instal­la­tion solar­ther­mi­scher Anlagen für die Nah­wär­me­un­ter­stüt­zung in der Nähe einer Sied­lung oder von Gewer­be­ge­bie­ten mit hohem Wär­me­be­darf“, erklärt der Pro­jekt­ent­wick­ler Ralf Orths des Her­stel­lers von Solar­kol­lek­to­ren Wagner Solar. So könnten Dächer eines Ein­kaufs­zen­trums in zen­tra­ler Lage im Wohn­ge­biet, Grün­flä­chen in unmit­tel­ba­rer Umge­bung oder Flächen entlang eines Lärm­schutz­walls genutzt werden. Dabei ist ein Ein­spei­se­ma­nage­ment wichtig, um je nach aktu­el­ler Netz­tem­pe­ra­tur, die im Sommer oft höher ist als im Winter, den opti­ma­len Betrieb zu ermög­li­chen.

Neben den Vaku­um­röh­ren­kol­lek­to­ren werden für den Ein­satz­zweck auch doppelt ver­glaste Groß­kol­lek­to­ren ein­ge­setzt, die durch gerin­gere Wär­me­ver­luste ertrag­reich bei hohen Tem­pe­ra­tu­ren arbei­ten. Die großen Ein­hei­ten mit bis zu 13,2 m² ermög­li­chen kostengüns­tige und schnell zu errich­tende Systeme. In Chem­nitz und Düs­sel­dorf werden in diesem Jahr solche Systeme mit bis zu 2230 m² Kol­lek­tor­flä­che ent­ste­hen.

In den skan­di­na­vi­schen Ländern hat man schon früh­zei­tig die Systeme auf die solare Unter­stüt­zung aus­ge­legt und erreicht sehr nied­rige Rück­lauf­tem­pe­ra­tu­ren von ca. 35°C. Dort arbei­te­ten Anlagen mit bis zu 100.000 m² Flach­kol­lek­to­ren für die kom­plette Wär­me­ver­sor­gung von Klein­städ­ten im Sommer seit über zwei Jahr­zehn­ten bereits erfolg­reich. „Hier in Deutsch­land haben wir oftmals allein Rück­lauf­tem­pe­ra­tu­ren von 50 bis 70°C und einen Vorlauf von 90 bis 105°C und mehr. Da gibt es noch Opti­mie­rungs­po­ten­ziale für die Inte­gra­tion der Solar­ther­mie“, so Orths.

Viele Stadt­werke haben aber das Thema auf­ge­nom­men und prüfen die Inte­gra­tion in bestehende Netze und neu zu erschlie­ßende Wohn­ge­biete als wirt­schaft­li­che Option, etwa in Ver­bin­dung mit Bio­mas­se­kes­seln. Die aktu­el­len För­der­vor­aus­set­zun­gen ver­stär­ken die Attrak­ti­vi­tät. So sprach sich das BMWI beim dies­jäh­ri­gen Otti Sym­po­sium der Solarthermie‐Branche in Staf­fel­stein für die weitere posi­tive Beglei­tung der Solar­ther­mie aus. …


Gekürzt. Geschrie­ben für IKZ Fach­pla­ner. Erschie­nen in 06/2016. Der kom­plette Beitrag ist auch hier online zu lesen.

Einen Über­blick über die Markt­ent­wick­lung bei Solar­ther­mie gibt Energieblogger‐Kollege Björn Katz hier auf seinem Blog Strom­aus­kunft.