Nutzung von Abwärme, wie hier bei IKEA in Berlin, wird primärenergetisch mit Bestnoten bewsertet. Foto: BWP

Ener­gie­ef­fi­zienz: Der Primär­ener­gie­faktor macht Karriere

von | 13. Juni 2017

Das Erneu­er­bare­En­er­gien­Wär­me­Gesetz (EEWärmeG) und die verschärfte Ener­gie­Ein­spar­Ver­ordnung (EnEV) schaffen eine neue recht­liche Realität. Die sollte in dieser Legis­la­tur­pe­riode in ein neue Gebäu­de­en­er­gie­gesetz (GEG) gegossen werden. Das schei­terte im März. 

Dennoch: Immo­bilien werden in Zukunft besonders stark in Bezug auf den Primär­ener­gie­faktor der sie versor­genden Ener­gie­träger beurteilt. Die ISH 2017 zeigte schon entspre­chende Technologien.

Egal, ob das GEG kommt oder nicht: Die ener­ge­ti­schen Anfor­de­rungen beim Neubau und der Moder­ni­sierung von Gebäuden werden sich auch zukünftig an den über­ge­ord­neten Ziel­set­zungen der EU und der Bundes­re­gierung orien­tieren, den Verbrauch fossiler Ener­gie­träger zu mini­mieren und die Emission von Treib­haus­gasen deutlich zu redu­zieren. Denn das EU-​Ziel, fest­gelegt in der euro­päi­schen Richt­linie über die Gesamt­ener­gie­ef­fi­zienz von Gebäuden (Gebäu­de­ri­chet­linie; Richt­linie 2010/​31/​EU vom 19. Mai 2010) heißt: Spätestens nach dem 31. Dezember 2020 müssen alle Neubauten als Nied­rigst­ener­gie­ge­bäude errichtet werden.

Wie also könnte die ener­ge­tische Bewertung von Immo­bilien in Zukunft aussehen? Der Primär­ener­gie­faktor wird dabei eine heraus­ra­gende Rolle spielen. Er wird für Brenn­stoffe oder brenn­stoff­freie Tech­no­logien vergeben, die der Versorgung eines Gebäudes mit Strom, Wärme oder Kühlung dienen. Mit einem hohen Primär­ener­gie­faktor, bezogen auf den nicht erneu­er­baren Anteil, sind Heizöl oder Erdgas (beide 1,1) belegt, während erneu­erbare Tech­no­logien wie Holz (0,2) oder Biogas (0,5) deutlich besser wegkommen. Erdwärme und Solar­strom werden gar mit 0,0 bewertet. Bonus­punkte bei der primär­en­er­ge­ti­schen Gebäu­de­be­wertung werden bei höherer Ener­gie­ef­fi­zienz gewährt. Das gilt etwa für Anlagen der Kraft-​Wärme-​Kopplung (KWK), deren erzeugte Energie über­wiegend vor Ort verbraucht wird, oder aber für Lüftungs­an­lagen mit Wärmerückgewinnung.

Die Block­heiz­kraft­werke (BHKWs) haben einen sehr guten Primär­ener­gie­faktor. Wenn ich das noch mit einer PV-​Anlage kombi­niere, erziele ich einen positiven Beitrag zur CO2-​Bilanz. Und ich muss nicht so viel dämmen“, schätzt das Iris Behr vom Institut Wohnen und Umwelt GmbH (IWU) ein. Um eine Dämmung und dem Auswechseln der Fenster komme man jedoch nicht vorbei.

Auch Abwärme in Gebäuden wird mit 0,0 bewertet und ange­rechnet. Planer und Sanierer können theo­re­tisch zwar immer noch tech­no­lo­gie­offen arbeiten. Doch in der Praxis sind nur noch diese wenigen Tech­no­logien zu empfehlen. …


Gekürzt. Geschrieben für Immo­bi­li­en­wirt­schaft. Der voll­stän­dige Beitrag erschien in der Nummer 06/​2017. Zum Abon­nement der Zeit­schrift Immo­bi­li­en­wirt­schaft geht es hier.

Über den kli­ma­neu­tralen Gebäu­de­be­stand berich­tet Energieblogger-​Kollege Björn Katz hier auf sei­nem Blog Strom­aus­kunft.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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