Mischt Flüssiggas mit Luft und erreicht Erdgasqualität: das PA-System von Ito, hier beim Einsatz in einem Krankenhaus nach der Fukushima-Katastrophe. Foto: Ito

Flüs­siggas: Havarie-​Ersatz für Erdgas

von | 7. August 2019

Das Reak­tor­un­glück von Fukushima ist nach wie vor präsent – nicht nur durch den deutschen Atom­aus­stieg. Vor Ort, in Japan, rückte die Kata­strophe einen Ener­gie­träger in den Vorder­grund, der flexibel, mobil und dezentral einsetzbar ist: Flüssiggas. 

Eine japa­nische Firma entwi­ckelte ein System, bei dem Flüs­siggas mit Luft gemischt und so auf den Brennwert von Erdgas gebracht wird. Diese Mischung wird etwa in Kran­ken­häusern einge­setzt, die von der Erdgas­ver­sorgung abge­schnitten sind.

Entwi­ckelt wurde das PA benannte Gerät von der Firma Ito und ist inzwi­schen auch in Europa zuge­lassen und erhältlich. Dabei wird reines Propan mit Luftdruck und Luft auf die Qualität von synthe­ti­schem Erdgas (SNG – für Synthetic Natural Gas oder Substitute Natural Gas) gebracht. SNG entsteht sonst bei verschie­denen Synthe­se­pro­zessen, denen Biomasse oder Kohle zugrunde liegen. SNG bedarf hinsichtlich der Verbrauchs­geräte keinerlei tech­nische Anpassung. Es kann also sofort verwendet werden.
Das Gerät passt in den Kofferraum eines Autos und kann so, genau wie das Propan, mit Kraft­fahr­zeugen an den benö­tigten Einsatzort gebracht werden. Dort kann es zu Heiz- oder Koch­zwecken verwendet werden und den Vorteil seiner hohen Ener­gie­dichte voll ausspielen.

Quali­täts­ver­gleich durch Wobbe-Index

Durch das Erreichen der Erdgas­qua­lität, die mit dem Wobbe-​Index gemessen wird, können vor Ort vorhandene Infra­struk­turen wie Erdgas­an­schlüsse, aber auch die Endgeräte mit den entspre­chenden auf Erdgas einge­stellten Brennern genutzt werden. Das war bei Fukushima der Fall. Bei der Kata­strophe 2011 wurde die dortige Erdgas­in­fra­struktur komplett zerstört. Kran­ken­häuser, Alten­heime, Schulen und andere öffent­liche Einrich­tungen, die für das Überleben notwendig waren, standen plötzlich ohne Wärme­ver­sorgung da. Mithilfe des von Ito entwi­ckelten Gerätes wurde jedoch in kürzester Zeit bei einigen Kran­ken­häusern sowie für Notküchen eine Ersatz­ver­sorgung aufgebaut.


Gekürzt. Geschrie­ben für Brenn­stoff­spie­gel. Der voll­stän­dige Beitrag ist nur in der Ausgabe 08/​2019 zu lesen. Zum kos­ten­freien Pro­be­abo geht es hier.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

0 Kommentare

EnWiPo
EnWiPo
Gesetz für Wärme­planung und Netze noch ohne Förderung

Gesetz für Wärme­planung und Netze noch ohne Förderung

Die Bundesregierung will mit dem Ausbau der Wärmenetze die Energiewende drastisch vorantreiben. Die Ziele sind ehrgeizig. Ein neues Gesetz soll beim Erreichen helfen. Doch derzeit gibt es für das kostspielige Vorhaben keine Förderung. Mit dem Jahr 2024 gilt auch das...

Neu entdeckte Bakterien könnten Biogas­pro­duktion verbessern

Neu entdeckte Bakterien könnten Biogas­pro­duktion verbessern

Wissenschaftler haben mit den Darwinibacteriales eine völlig neue Ordnung von Bakterien entdeckt. Sie könnten der Schlüssel zur Verbesserung der Biogasproduktion sein. Wissenschaftler haben innerhalb des europäischen Forschungsprojekts MICRO4BIOGAS eine neue...