Elek­tro­smog – Uner­kannte Sünder und Schutz­maß­nah­men

Möglicher Quell für Elektrosmog: der Eurostecker. Foto: SomnusDe / Wikimedia / gemeinfrei

Das Mün­che­ner IGT – Insti­tut für Gebäu­de­tech­no­lo­gie gibt monat­lich Tipps heraus, mit denen Mietern, Ver­wal­tern und TGA-Ver­ant­wort­li­chen die Steue­rung der Haus­tech­nik leicht gemacht werden soll. Im Juli nun befas­sten sich die For­scher mit Elek­tro­smog und wie er ver­mie­den werden kann.

Zum Thema „E‑Smog“ exis­tie­ren extrem unter­schied­li­che Ansich­ten. Die einen tun dies als eso­te­ri­schen Unsinn ab – die anderen sind aus­ge­spro­chen besorgt aber ver­däch­ti­gen die fal­schen Ver­ur­sa­cher.

Wer mit kon­kre­ten Mess­ge­rä­ten nach­misst, wird fest­stel­len, dass das The-ma nicht igno­riert werden sollte und die echten „Sünder“ oft ganz andere wie ver­mu­tet sind. Mit diesem Wissen lässt sich die tat­säch­lich vor­han­dene Gefähr­dung auf Orga­nis­men iden­ti­fi­zie­ren und redu­zie­ren.

Gefähr­dung wird unter­schätzt

Elek­tri­sche und magne­ti­sche Felder haben nega­tive Aus­wir­kun­gen auf Orga­nis­men! Kon­krete Aus­wer­tun­gen, ab welcher Inten­si­tät diese Felder den Men­schen nach­tei­lig beein­flus­sen oder gar nach­hal­tig schä­di­gen, werden immer wieder kon­tro­vers dis­ku­tiert. Dass solche Aus­wir­kun­gen auf Orga­nis­men ent­ste­hen, lässt sich aber sehr einfach nach­wei­sen. Zum einen ver­ur­sacht eine zu hohe Belas­tung mit ent­spre­chen­den Feldern oft unmit­tel­bare Aus­wir­kun­gen (Schlaf­stö­run­gen, redu­zierte Rege­ne­ra­tion, Stress-Symptome) und stehen ganz inten­siv in Ver­dacht, die frühere Bildung von soge­nann­ten „Alters­krank­hei­ten“ wie Demenz, Par­kin­son oder gar Tumore etc. zu fördern.
Dabei kann man die Inten­si­tät von Feldern mit Mess­ge­rä­ten messen – erste prag­ma­ti­sche aber brauch­bare Mess­ge­räte sind bereits für wenigen hundert Euro erhält­lich.

Dabei sollte der Fokus auf Berei­che in Haus oder Büro gelegt werden, wo man sich länger aufhält. Bett- und Arbeits­platz sind also beson­ders inter­es­sant während der Flur oder der Lager­raum ver­nach­läs­sigt werden kann.

Achtung bei elek­tri­schen Geräten mit „Euro-Stecker“

Die wahren Sünder sind andere, als übli­cher­weise ver­mu­tet. Beson­des auf­fäl­lig sind alle elek­tri­schen Ver­brau­cher bzw. Netz­teile mit 2‑poligem „Euro-Stecker“, auch oft als „Flach­ste­cker“ bezeich­net. Im Ver­gleich zum Schuko-Stecker ist dieser nicht mit der Erdungs­klam­mer der Steck­dose ver­bun­den. Der Erdungs­an­schluss ist dabei nicht nur für eine Ablei­tung im Falle von Gehäu­se­span­nun­gen („Gehäu­se­schluss“) erfor­der­lich, sondern hilft auch, im Gerät befind­li­che Abschir­mun­gen zu erden. An Eurostecker-Netzteilen misst man meist ein elek­tri­sches Feld von 300–500V/m (bei poten­zi­al­freier Messung). Wenn solch ein Netz­teil zum Laden des Handys in der Nähe vom Bett ist, wird dies eine zusätz­li­che Belas­tung von 15–30V/m am Lie­ge­platz zur Folge haben.
Dabei zum Ver­gleich: Gemäß der Tabelle der SBM gilt für diese Art der Messung: alles über 1,5V/m ist „stark auf­fäl­lig“ und alles über 10V/m „extrem auf­fäl­lig“. Dabei ist es egal, ob am Netz­teil ein Handy etc. ange­steckt ist oder nicht, denn für das elek­tri­sche Feld ist allein die Exis­tenz der Span­nung ent­schei­dend.

Auch steck­do­sen­be­trie­bene Radio­we­cker ver­fü­gen übli­cher­weise über einen Euro-Stecker. Da im Inneren des Radio­we­ckers ein Netz­teil ist, emit­tie­ren solche Radio­we­cker ebenso ein „extrem auffäl-liges“ elek­tri­sches Feld.

Ähn­li­ches gilt für LED-Lichterketten. Tipp für den Schlaf­platz ist es also, solche Netz­teile und Ver-braucher so weit wie möglich zu ver­ban­nen oder zumin­dest „eine aus­ge­streckte Arm­länge ent­fernt“ zu posi­tio­nie­ren. Jeder cm Ent­fer­nung hilft deut­lich! Bei Bau­bio­lo­gen ist die Opti­mie­rung des Schlaf-platzes die Prio­ri­tät Nr. 1. Wenn man dort eine unauf­fäl­lige Belas­tung erreicht, hat man das Problem auf einen Schlag für ein Drittel des Tages gelöst!

Ähn­li­ches gilt am Arbeits­platz – auch dort sind alle Netz­teile mit Euro-Stecker extrem auf­fäl­lig. Bei Note­books wirkt das (meist metal­li­sche) Gehäuse ver­stär­kend. Note­books werden neu­er­dings gerne mit Eurostecker-Netzteilen aus­ge­lie­fert. Mes­sun­gen an unter­schied­li­chen Note­books, deren Netztei-le mit Euro-Stecker aus­ge­stat­tet sind, haben bisher immer mehr als 1.000V/m (!!!) ergeben!

Note­books mit Schukostecker-Netzteilen ergeben Mess­werte im Bereich von 50V/m bis 150V/m! Diese Mess­werte ergeben sich direkt am Note­book. Sofern man das Note­book nicht auf den Schoß, sondern auf einen Tisch posi­tio­niert, redu­ziert sich die Belas­tung für den mensch­li­chen Körper um jeweils ca. 90%.
Tipp für den Arbeits­platz ist es trotz­dem, nur geer­dete Ver­brau­cher zu nutzen. Notebook-Netzteile sollten über einen Schuko-Stecker ver­fü­gen oder über ein USB-Erdungskabel nach­träg­lich geerdet werden. Zum Laden des Handys emp­fiehlt es sich, das USB-Ladekabel in eine USB-Buchse des PC’s zu stecken und dafür auf das Eurostecker-Handynetzteil zu ver­zich­ten.

High­lights der Sünder im HF-Bereich

Im HF-Bereich (Hoch­fre­quenz) wird die Inten­si­tät der Strah­lung als „Leis­tungs­fluss­dichte“ in μW/m² gemes­sen. Gemäß der Tabelle der SBM ist ein Sender ab 100μW/m² „stark auf­fäl­lig“. Der erste beson­dere Sünder in diesem Umfeld ist der WLAN-Access-Point. Erst im Abstand von ca. 5m wird der eben erwähnte Richt­wert meist erreicht – somit sollte man auf 5m Min­dest­ab­stand achten!
Der andere erschre­ckende Sünder ist das Blue­tooth Headset. Dort wird erst im Abstand von 10cm der oben erwähnte Richt­wert erreicht. Direkt am Headset können meist > 2.000μW/m² gemes­sen werden!
Ähn­li­ches gilt für Mobil­te­le­fone. Solange ein Abstand von > 10cm ein­ge­hal­ten wird, sind die Mess­werte nicht richtig erschre­ckend. Wer aber Mes­sun­gen mit 5cm Abstand oder näher erlebt hat, wird sein Handy nicht mehr mit ein­ge­schal­te­ter Mobilfunk‑, WLAN- oder NFC-Verbindung in die vordere Hosen­ta­sche stecken!

Einen ganz beson­de­ren Sünder gibt es noch: das Baby­phone. Da dies kein all­täg­li­ches Gerät für Jeder­mann ist, wird hier nicht näher darauf ein­ge­gan­gen. Nur so viel: Baby­pho­nes mit Eurostecker-Netzteilen und DECT als Über­tra­gungs­pro­to­koll errei­chen erst im Abstand von ca. 5m (!) ver­träg­li­che Mess­werte. Da hilft auch kein „Testsieger“-Zertifikat der Stif­tung Waren­test, da bei deren Tests das Thema E‑Smog bisher nicht berück­sich­tigt wurde.

Über die Zeit­schrift „Ökotest“ wurden vor wenigen Jahren auch Baby­pho­nes getes­tet und E‑Smog war eines der Kri­te­rien. Deren Test­sie­ger haben wir aus Inter­esse nach­ge­mes­sen und dies ist bereits in einem Abstand von 10–20cm nur noch „schwach auf­fäl­lig“. Wenn man dies dann trotz­dem in 1m Ent­fer­nung zum Baby auf­stellt, ist das rasante Zell­wachs­tum des Babys keiner unnö­ti­gen Belas­tung aus­ge­tzt.

Tipps / Rat­schläge

Der wesent­li­che Tipp ist, das Thema E‑Smog ernst zu nehmen und nicht als eso­te­ri­schen Unsinn abzutun. Wenn man dies erkannt hat und weiß, wer die Sünder sind, ist die Behe­bung oder zumin­dest Ver­bes­se­rung einfach: Abstand halten und/oder abschal­ten. Alter­na­tiv für eine ordent­li­che Erdung sorgen (wie im Fall des Schuko-Steckeraufsatzes bzw. USB-Erdungskabel für Note­books).
Zur Ver­tie­fung sei auf eine aus­ge­spro­chen gute Bro­schüre der Umwelt- und Ver­brau­cher­or­ga­ni­sa­tion „diagnose:funk“  hin­ge­wie­sen. Dort werden viele Sach­ver­halte näher erläu­tert und ent­spre­chende Tipps zur Behe­bung beschrie­ben. Diese Bro­schüre steht hier zur Ver­fü­gung.

Der Tipp des Monats des IGT kann hier voll­stän­dig gelesen wer­den.

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