Öl-Förderung in Westsibirien. Foto: Rosneft

Analyse: Öl kurz­fristig günstiger, lang­fristig wieder teurer

von | 21. August 2014

Der Ölpreis befindet sich mit knapp über 101 USD pro Barrel Brent-​Öl auf dem Jahrestief. Seit dem kurz­fris­tigen Aufwärts­trend Ende Juni ist er wieder um 12 Prozent gefallen. Nach der Commerzbank-​Analyse von Eugen Weinberg haben die geopo­li­ti­schen Span­nungen keinen messbaren Einfluss auf den Ölpreis, weil die Ange­bots­si­tuation durch die Kämpfe und Sank­tionen nicht merklich verändert wird.

Zudem entwi­ckelt sich die Nachfrage durch stagnie­rende Konjunk­turen nicht wie erwartet und bleibt hinter den Prognosen der Inter­na­tio­nalen Energie Agentur (IEA) zurück. Der Heiz­öl­preis ist eng an den Brentöl-​Preis gebunden und reagiert meist entspre­chend der Börsenpreisentwicklung.

Die Ange­bots­seite leidet nur gering­fügig unter den Kämpfen der Terror­gruppe Isla­mi­scher Staat im Irak, da diese nur den Norden des Landes betreffen, wobei über 90 Prozent der Öllie­fe­rungen aus den Ölfeldern im Süden stammen, die immer noch durch die Regierung kontrol­liert werden. Zudem konnten die Kurden einen stra­te­gisch wichtigen Staudamm wieder unter ihre Kontrolle bringen, sodass ein plötz­liches Vorrücken der IS gen Süden und damit die Störung der Ölför­derung vorerst nicht erwartet wird.

Anders verhält es sich in Libyen. Wie wir bereits berich­teten sind die Rebellen dort dazu über­ge­gangen, Ölhäfen wieder zu öffnen und Öl zu expor­tieren. Hier gelangt also schritt­weise wieder Öl auf den Markt, das zuvor fehlte. Eine Umsetzung poten­zi­eller Förder­an­stiege ist aber auch hier nicht zu erwarten.

Auch die Sank­tionen gegen Russland zeigen kurz­fristig keinen Einfluss auf den Ölpreis, da Russland nach Berichten von Spiegel Online 40 Prozent seines Brut­to­in­land­pro­duktes durch Ölexporte reali­siert. Hier könnten sich lang­fristige Ange­bots­rück­gange bemerkbar machen, wenn durch fehlende Mate­ri­al­lie­fe­rungen Ölför­der­an­lagen nicht ausgebaut oder instand­ge­halten werden können.

Ein immer bedeu­ten­derer Faktor ist die unkon­ven­tio­nelle Ölför­derung, auch Fracking, in den USA. Dort wird ein beträcht­licher Teil des Ener­gie­be­darfs nun aus eigener Förderung gedeckt. Das zuvor impor­tierte Öl aus West­afrika vermehrt nun das Angebot am euro­päi­schen Markt.

Trotzdem erwartet der Markt in der zukünf­tigen Entwicklung wieder einen Preis­an­stieg, denn die lang­fris­tigen Öllie­fer­ver­träge sind deutlich teurer als die kurz­fris­tigen Kontrakte. Um diese Prognose zu erfüllen dürfte die Konjunktur und damit die Ölnach­frage in der EU mindestens nicht weiter nach­lassen und in China sowie Brasilien weiter ausgebaut werden. Zudem müsste sich das Angebot verknappen, was aufgrund der fehlenden Inves­ti­tionen in den Krisen­ge­bieten lang­fristig durchaus denkbar ist. Die Brent-​Terminpreise sind in Erwartung solcher Umstände seit Jahres­beginn um 15 USD pro Barrel gestiegen.

Vorschaubild: Öl-​Förderung in West­si­birien. Foto: Rosneft

Autorin: Maren Schiel

Geschrieben für Bund der Ener­gie­ver­braucher. Origi­nal­beitrag hier.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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