Noch längst kein Standard in deutschen Heizungskellern: Moderne Hybridheizung, wie hier von Heat-Sponsor Buderus. Foto: Urbansky

Heat-​Kongress: Zwangs­umlage als Beitrag zur Wärmewende?

von | 6. November 2014

Die UNITI, nach der dies­jäh­rigen Fusion mit mehreren Regio­nal­ver­bänden größter bundes­weiter Verband für den Wärme­markt, veran­staltete am 4. November 2014 nunmehr zum dritten Mal den Heat-​Kongress. Bei dem dreht sich alles um spei­cherbare und mobile Wärme, also vorrangig um Heizöl, Pellets, Flüs­siggas oder Briketts.

Thema in diesem Jahr war die Effizienz. Und an der hängt vor allem die Ener­gie­wende im Heizungs­keller. 40 Prozent aller Energie fließen in Deutschland in die Privat­haus­halte. 85 Prozent davon wiederum nur in die Wärme­er­zeugung. Bei einer Sanie­rungs­quote von teilweise unter einem Prozent werden so die Ener­gie­wen­de­ziele insgesamt nicht geschafft. Das bestätige auch Stefan Kohler, Chef der halb­staat­lichen Ener­gie­agentur dena. Der schlug auch eine Bresche für die o.g. Brenn­stoffe, da aus seiner Sicht Erdgas mit seiner Leitungs­ge­bun­denheit in Zukunft bei mehr Effizienz aufgrund der umfang­reichen Leitungs­netze keinen Sinn mehr mache, so wie Groß-​KWK übrigens auch nicht.

Doch bis dahin wäre es ein weiter Weg, denn die Häuser in Deutschland werden eben aufgrund dieses Sanie­rungs­staus keineswegs effi­zi­enter. Kohler spricht gar von einer Sanie­rungs­quote von 2,5 bis 3 Prozent, also dem gut drei­fachen, was derzeit in Deutschland gedämmt und kessel­ge­tauscht wird. Aus seiner Sicht wären mehr Trans­parenz im Markt nötig. Diese sollte Haus­be­sitzern klar die Möglichkeit aufzeigen, wie sie für welche Kosten sanieren könnten und vor allem, was sie dabei zukünftig einsparen. Denn wegen der Ener­gie­wende wird kaum ein Hausherr für die Sanierung der eigenen vier Wände auch nur einen Euro in die Hand nehmen. Das aller­dings setzt stabile poli­tische Rahmen­be­din­gungen voraus. Er plädierte dabei für Förder­mittel als auch für steu­er­liche Anreize. Letztere wird es aller­dings nach einer Aussage von Umwelt­mi­nis­terin Barbara Hendricks vom Frühjahr in dieser Legis­la­tur­pe­riode nicht geben.

Die Politik weiß um das Problem, hat jedoch kaum Lösungs­vor­schläge. Zwar soll am 3. Dezember 2014 der Wärmewende-​Teil des Natio­nalen Akti­ons­plans Ener­gie­ef­fi­zienz vorge­stellt werden. Doch die Vorschläge dort werden immer noch sehr allgemein sein und auf Förderung sowie bessere Infor­mation der Verbraucher hinauslaufen.

Konkreter wurde da Dr. Nina Scheer. Die SPD-​Bundestagsabgeordnete plädierte für haus­halts­neu­trale Förde­rungen, die letztlich auf eine Umlage analog dem EEG für den Wärme­markt hinaus­liefen. Von den Teil­nehmern wurde dies nicht gerade mit Wohl­wollen aufge­nommen. Steht doch gerade das EEG aufgrund seiner Inef­fi­zienz bei vielen Ener­gie­ex­perten in keinem guten Ruf.

Vorerst also wird vieles beim Alten und die Wärme­wende weiterhin aktuell bleiben.

Vorschaubild: Noch längst kein Standard in deutschen Heizungs­kellern: Moderne Hybrid­heizung, wie hier von Heat-​Sponsor Buderus. Foto: Urbansky

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

1 Kommentar

  1. Andreas

    Scheinbar war die Kosten­be­lastung durch die gestie­genen Öl- und Gaspreise in den vergan­genen Jahren nicht hoch genug. Zumindest sind die Lösungs­an­sätze für den Wärme­markt unver­ändert unkreativ und noch hilfreich genug.

    Die Sache mit der Trans­parenz sehe ich genauso, aber ich sehe noch keinen Willen und auch keinen Weg dahin zu mehr Trans­parenz im Wärme­markt. Ich würde mir auch mehr kreative Lösungen wünschen, um Besitzer eines EFH anzu­sprechen und im Wohnungsbau das Investor-​Nutzer Dilemma zu lösen.

    Nächste Woche bin ich bei mehreren Veran­stal­tungen, die auch sich mit Sanie­rungen befassen, aber große Neuig­keiten erwarte ich da nicht.

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