Foto: Urbansky

Deutschland schwie­riges Pflaster für EE-Ausschreibungen

von | 24. August 2015

Die Ausschrei­bungen für Erneu­erbare Energien, vor allem Wind und Photo­voltaik, lösen das wenig geeignete Aukti­ons­modell ab und sind dabei nicht weniger umstritten. In der zweiten Runde wird es wohl wieder so sein, dass Platz­hirsche den Zuschlag bekommen und die Ener­gie­wende in Bürgerhand in Gefahr gerät. 

Die Grünen starteten eine entspre­chende Anfrage bei der Bundes­re­gierung. Zudem liegt die Förderung der aktuell bezu­schlagten Projekte in Deutschland aus der ersten Runde der PV-​Ausschreibungen, über der EEG-​Vergütung. Kosten­er­sparnis sieht wahrlich anders aus. 

Der BEE nun befürchtet weiter, dass das Ausschrei­bungs­modell generell unge­eignet ist. Dafür hat er beim IZES eine Studie in Auftrag gegeben. Unter­sucht wurden dabei Länder, in denen Erneu­erbare Energien bereits per Ausschreibung gefördert werden, darunter Frank­reich, die Nieder­lande oder Brasilien. Das Fazit ist tatsächlich ernüchternd.

Der Verband sieht die Ergeb­nisse wie folgt:

Dieses Instrument führt zu Ziel­kon­flikten und Inef­fi­zi­enzen. So werden relevante Zubau­mengen nur dann erreicht, wenn die Teil­nehmer einer Ausschreibung im Falle eines Zuschlags auch tatsächlich bauen. Das geschieht aber nur dann, wenn sie ansonsten Pönalen zahlen müssten. Ohne diese Straf­zah­lungen hat man immer wieder das Problem, dass Unter­nehmen sich mit Dumping­an­ge­boten den Zuschlag sichern, anschließend aber nicht bauen. So ist der Anteil der tatsächlich reali­sierten Projekte noch Jahre nach der jewei­ligen Ausschreibung enttäu­schend niedrig.

Pönalen jedoch, also Straf­zah­lungen bei Nichtbau oder verzö­gertem Baubeginn, erhöhten das Risiko und damit die Finan­zie­rungs­kosten. Nicht nur dieser Faktor trieben die Kosten. Bei Ausschrei­bungen für Windparks beispiels­weise könnten die Vorar­beiten mit sechs­stel­ligen Euro-​Beträgen zu Buche schlagen.

Auch das IZES befürchtet, dass an solchen Verfahren die Akteurs­vielfalt leide. Betei­ligen würden sich nicht die 900 deutschen Bürger­en­er­gie­ge­nos­sen­schaften, sondern Strom­kon­zerne aus Spanien oder Pensi­ons­fonds aus den USA. Die Akzeptanz der Ener­gie­wende in der Bevöl­kerung würde weiter leiden.

Doch selbst deren Betei­ligung garan­tiere keinen weiteren Zubau an PV- und Wind­energie. Teils seine nur 10 % der Objekte gebaut wurden, die in den Ausschrei­bungen den Zuschlag erhielten. Das wiederum führte dazu, dass Länder wie Groß­bri­tannien, Irland, Portugal oder Luxemburg die Ausschrei­bungen wieder abge­schafft haben.

Aus Sicht des BEE müsste eine in Deutschland funk­tio­nie­rende Lösung folgende Elemente enthalten:

  • Vorrang für Strom aus Erneu­er­baren Energien 
  • fest kalku­lierbare Vergütung 
  • Degression und
  • Techno­lo­gie­dif­fe­ren­zierung

Dennoch – es bleibt zu vermuten, dass das BMWi an seinem Ausschrei­bungs­modell festhält – koste es, was es wolle. Und das im schlech­testen Sinne.

Vorschaubild: Knack­punkt PV-​Anlagen: Um das Auschrei­bungs­modell dürfte es noch viele heiße Diskus­sionen geben. Foto: Urbansky

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

0 Kommentare

EnWiPo
EnWiPo
„Wir zeigen für jedes Gebäude eine rationale Wärmelösung“

Wir zeigen für jedes Gebäude eine rationale Wärmelösung“

Interview mit Dr. Katja Nowak, Leitung Klimaneutralität und Energiewende der Stadtwerke Halle, zur kommunalen Wärmeplanung und zum Fernwärmeausbau in Halle (Saale). Welche Stadtgebiete in Halle sind nach aktuellem Stand der Wärmeplanung künftig verbindlich...

Planung ist bezahlbar, die Umsetzung wird teuer

Planung ist bezahlbar, die Umsetzung wird teuer

Kommunale Wärmepläne sind im besten Fall ein verbindlicher, datenbasierter Orientierungsrahmen für den Umbau der Wärmeversorgung. Verbindlich sind sie allerdings nur dort, wo Gebiete für eine künftige Fernwärmeversorgung ausgewiesen werden. Doch selbst das ist...

Wasser­stoff: Infra­st­uktur ohne Markt?

Wasser­stoff: Infra­st­uktur ohne Markt?

Der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft bleibt deutlich hinter den politischen Erwartungen zurück. Zu diesem Ergebnis kommt der Bundesrechnungshof. Die Prüfer sehen zentrale energie- und industriepolitische Ziele gefährdet: Planung, Priorisierung und Umsetzung der...

Wärme­wende wirt­schaftlich gestalten in Mehrfamilienhäusern

Wärme­wende wirt­schaftlich gestalten in Mehrfamilienhäusern

Die Wärmewende im Bestand läuft am Ende immer auf dieselbe Frage hinaus: Was senkt CO₂-Emissionen und Nebenkosten – und was verlagert lediglich Risiken, etwa vom Gaspreis zum Strompreis oder hin zu intransparenten Fernwärme-Preisformeln? Realistisch betrachtet bleiben...