Strom­markt­ge­setz: Länder fordern etwas Kos­me­tik

Die Verteilnetze benötigen die meisten Investitionen beim Ausbau des Stromnetzes für die Energiewende zu. GeorgHH / Wikimedia / Lizenz unter CC BY-SA 3.0
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Zwar nennt der Bun­des­rat seine For­de­run­gen für das Strom­markt­ge­setz „umfang­rei­che Ver­bes­se­run­gen“. Doch bei genaue­rem Hin­se­hen sind diese For­de­run­gen eher kos­me­ti­scher Natur.

So sieht die Län­der­kam­mer eine weitere Ver­schlech­te­rung der wirt­schaft­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen für den Betrieb von Ener­gie­spei­chern, ins­be­son­dere Pump­spei­cher­kraft­wer­ken. Mög­li­che Hemm­nisse für deren Errich­tung und Betrieb seien daher zu besei­ti­gen.

Diese liegen jedoch meist auf Lan­des­ebene. So gelang es zum­Bei­spiel EnBW bisher nicht, in Baden-Württemberg das Pump­spei­cher­kraft­werk Atdorf zu erreich­ten, auch weil die dortige Lan­des­re­gie­rung poli­tisch nicht mitzog. Ins­be­son­dere die regie­ren­den Grünen sind teils dafür (Umwelt­mi­nis­ter) teils dagegen (Kreis­ver­band vor Ort). Zudem: Neue Pump­spei­cher­kraft­werke sind in Deutsch­land auf­grund der geo­gra­fi­schen Gege­ben­hei­ten kaum möglich.

Eine weitere For­de­rung ist eine Null-Forderung: Strom aus Erneuerbaren-Energie-Anlagen sei sinn­voll zu nutzen. Sie sollten bei Netz­eng­päs­sen mög­lichst nicht abge­schal­tet werden. Dies ist tech­nisch jedoch schwer möglich. Eine Wind­tur­bine lässt sich nun mal schnel­ler abre­geln als ein Koh­le­kraft­werk. In deren Zusam­men­hang wurde übri­gens die umstrit­tene Kraft­werks­re­serve aus­drück­lich gebil­ligt. Gleich­zei­tig soll eine effi­zi­en­tere Netz­pla­nung die Kosten des Netz­aus­baus redu­zie­ren. Gebil­ligt wurde in der glei­chen Ple­nums­sit­zung jedoch die Vor­rang­re­ge­lung für Erd­ka­bel vor Über­land­lei­tun­gen, die genau das ver­teu­ert.

Beim Gesetz zur Digi­ta­li­sie­rung der Ener­gie­wende möchte der Bun­des­rat die dort vor­ge­se­hene Spei­cher­frist für Ener­gie­ver­brauchs­werte von 24 auf 12 Monate ver­kür­zen. Dies sei im Sinne des Daten­schut­zes. End­ver­brau­cher mit einem Jah­res­strom­ver­brauch bis zu 6 000 Kilo­watt­stun­den sollten zudem der Ein­bin­dung ihres Mess­sys­tems in ein Kom­mu­ni­ka­ti­ons­netz ableh­nen können, was für private Ver­brau­cher so noch nicht vor­ge­se­hen war.

Immer­hin: Ener­gie­wirt­schafts­ge­setz, Strom­netz­ent­gelt­ver­ord­nung, Strom­netz­zu­gangs­ver­ord­nung und Erneuerbare-Energien-Gesetz will der Bun­des­rat in einigen Teilen geän­dert sehen. Bei letz­te­rem machen sich die Länder ins­be­son­dere für mehr Strom aus Bio­masse stark – eine Tech­no­lo­gie, die von der Bun­des­re­gie­rung mehr oder weniger aufs Abstell­gleis gescho­ben wurde.

Vor­schau­bild: GeorgHH / Wiki­me­dia / Lizenz unter CC BY-SA 3.0

2 Kommentare

  1. Neue Pump­spei­cher­kraft­werke sind in Deutsch­land auf­grund der geo­gra­fi­schen Gege­ben­hei­ten kaum möglich.

    Diese Aussage im Artikel ist absolut falsch. Es gibt neu­ar­tige Spei­cher in Form von Pump­spei­chern mit schwim­men­dem Spei­cher­teil, die darauf warten, genutzt zu werden. Diese sind überall ein­setz­bar. Trotz ihrer hohen Effi­zi­enz von über 90 % liegen die Her­stel­lungs­kos­ten und der Flä­chen­ver­brauch dieser Spei­cher weit unter der Hälfte kon­ven­tio­nel­ler Pump­spei­cher. Zudem könnten sie einen Groß­teil der geplan­ten, teuren Über- und Unterland-Stromleitungen über­flüs­sig machen.

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