Hier soll das Energiewende-Monitoring laufen: Bundeswirtschaftsministerium in Berlin. Foto: Beek100 Wikimedia / Lizenz unter CC BY-SA

Experte: Energiewende-​Ziele bis 2020 werden verfehlt

von | 15. Januar 2016

Das zentrale Ziel der Bundes­re­gierung, die Treib­haus­gas­emis­sionen bis 2020 um 40 % gegenüber 1990 zu redu­zieren, sei erheblich gefährdet, so der Vorsit­zende der Exper­ten­kom­mission, Andreas Löschel, vor dem Ausschuss für Wirt­schaft und Energie in seiner Stel­lung­nahme zum Vierten Monitoring-​Bericht „Energie der Zukunft”.

Demnach befindet sich lediglich der Ausbau der Erneu­er­baren im Strom­sektor auf Zielkurs. Sie könnten bis 2020 einen Mindest­anteil an Strom­ver­brauch von 35 % erreichen. Beim Brut­to­end­ener­gie­ver­brauch gehe die Bundes­re­gierung davon aus, dass erneu­erbare Energien einen Anteil von 19,6 % bis 2020 erreichen könnten. Der Anteil betrage gegen­wärtig aber gerade 13,5 % (2013: 13,2 %). Die Bundes­re­gierung sollte deswegen die Stagnation des Anteils erneu­er­barer Energien jenseits des Elek­tri­zi­täts­sektors mit geeig­neten Maßnahmen über­winden. Die Erhöhung des Endener­gie­ver­brauchs im Verkehr im Jahr 2014 stellt nach Löschels Angaben einen weiteren Rück­schritt dar. Individual- und Güter­verkehr auf den Straßen würden eine Zunahme der Gesamt­fahr­leistung auf die höchsten Werte in der Geschichte der Bundes­re­publik verzeichnen.

Die Frak­tionen befassten sich mit unter­schied­lichen Aspekten des Monitoring-Berichts:

  • CDU/​CSU-​Fraktion: Nutzung von Biomasse spart viel mehr Kohlen­dioxid ein als durch Windenergie.
  • SPD-​Fraktion: Erwartet, dass der Wider­stand gegen den Netz­ausbau durch den Vorrang der Erdver­ka­belung geringer wird.
  • Bündnis 90/​Die Grünen: Sind beun­ruhigt, dass Ziele der Ener­gie­wende bis 2020 nicht erreicht werden.
  • Die Linke: Siehe Grüne und zudem die Forderung, dass das Tempo der Emis­si­ons­min­derung verdrei­facht werden müsse.

Diese Stel­lung­nahmen scheinen wenig Enga­gement seitens der Regie­rungs­par­teien zu offen­baren. Denn Baustellen gibt es viel mehr, um nur die Wärme­wende zu nennen. Mit dem verän­derte Monitoring-​Verfahren, das für den nächsten Bericht gilt und das an dieser Stelle schon als wenig ambi­tio­niert bezeichnet wurde, wird sich dies kaum ändern können.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

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