Wir könnten 35 Prozent des hei­mi­schen Gas­be­darfs decken!“

Gestänge einer Tiefbohranlage. Foto: CEP
Gestänge einer Tiefbohranlage. Foto: CEP

Inter­view mit Chris­toph Löwer, Haupt­ge­schäfts­füh­rer des Wirt­schafts­ver­bands Erdöl- und Erd­gas­ge­win­nung (WEG).


Eine Frage vorab: Hat bei den der­zei­ti­gen Rohöl- und Erd­gas­prei­sen die För­de­rung in Deutsch­land über­haupt eine Zukunft?

Christoph Löwer
Chris­toph Löwer

Chris­toph Löwer: Es ist gerade einmal 15 Jahre her, da lag der Ölpreis bei zehn Dollar je Barrel. Mit Preis­schwan­kun­gen können die Unter­neh­men umgehen. Richtig ist aber, dass in der geo­lo­gi­schen Situa­tion, in der sich Deutsch­land befin­det, bei den aktu­el­len Preisen neue Pro­jekte schwie­ri­ger werden. Deutsch­land hat ein signi­fi­kan­tes Poten­zial für Gas- und Erd­öl­pro­duk­tion. Bei der Nutzung der Reser­ven können wir etwa 90 Jahre 20 Prozent oder mehr des hei­mi­schen Gas­be­darfs aus hei­mi­scher Pro­duk­tion decken. Die Ent­wick­lung neuer Pro­jekte dauert viele Jahre. Preis­schwan­kun­gen stellen dies nicht gene­rell in Frage.

Sehen Sie derzeit noch Mög­lich­kei­ten, auf das Gesetz Ein­fluss zu nehmen?

Seit mitt­ler­weile vier Jahren wird in Deutsch­land über einen neuen gesetz­li­chen Rahmen für Fracking dis­ku­tiert. Das behin­dert die Inves­ti­ti­ons­tä­tig­keit der Indus­trie massiv. Die Folgen sind wei­te­rer Pro­duk­ti­ons­rück­gang, man­gelnde Beschäf­ti­gung für unsere Ser­vice­in­dus­trie und damit ver­bun­den Arbeits­platz­ab­bau. Inso­fern ist es höchste Zeit, dass der Gesetz­ge­ber über den neuen gesetz­li­chen Rahmen ent­schei­det. Neben den wesent­li­chen Ein­schrän­kun­gen für unsere Indus­trie ist mir wichtig, dass wir mit den Was­ser­ver­sor­gern eine Lösung gefun­den haben, die beide Seiten tragen. Unsere gemein­same Posi­tion zeigt, dass Erd­gas­för­de­rung und spe­zi­ell Fracking kein Wider­spruch zum Trink­was­ser­schutz sind. Dies sollte auch Moti­va­tion für die Politik sein, schnell zu einer Ent­schei­dung zu kommen.

Wird das Gesetz über­haupt eine Grund­lage für die hiesige Öl- und Gas­för­de­rung bieten?

Der Gesetz­ent­wurf enthält eine Viel­zahl von Ver­schär­fun­gen und Beein­träch­ti­gun­gen für die Erdgas- und Erd­öl­pro­duk­tion. Diese reichen von Ver­bots­zo­nen über tech­ni­sche Stan­dards bis hin zu Umwelt­schutz­vor­schrif­ten. Trotz dieser Belas­tun­gen, die sich ins­ge­samt an der Schmerz­grenze bewegen, würde die deut­sche E&P‑Industrie die Schaf­fung von Rechts­si­cher­heit begrü­ßen. …

Wo sehen Sie den Anteil der deut­schen Erdgas- und ‑ölför­de­rung am hie­si­gen Ver­brauch, wenn Fracking dau­er­haft ver­bo­ten bliebe, im Jahr 2020 und 2030?
Das wird wohl nicht pas­sie­ren, denn dafür gibt es keinen Grund. Auch die Gut­ach­ten der letzten Zeit haben keinen Grund dafür gefun­den. Fracking ist bereits heute eine Standard-Technologie, mit der wir in Deutsch­land jahr­zehn­te­lange Erfah­run­gen haben. Ein Drittel unserer Pro­duk­tion stammt bereits heute aus gefrack­ten Boh­run­gen.

Mir fehlt auch eine geo­po­li­ti­sche Dis­kus­sion zur Ver­sor­gungs­si­cher­heit in Deutsch­land und den stra­te­gi­schen Wert hei­mi­scher För­de­rung. Dies zum einen für die benö­tig­ten Mengen aber auch als Grund­lage für die Wei­ter­ent­wick­lung von För­der­tech­no­lo­gien und tech­ni­schen Stan­dards. Deut­sche Inge­nieure sind welt­weit gefragt, als Bohr­fach­leute und Ent­wick­ler von Tech­no­lo­gien. Ohne die Basis der hei­mi­schen Pro­duk­tion ist dies gefähr­det. Ich denke dabei an Uni­ver­si­tä­ten und die welt­weit einzige Bohr­meis­ter­schule in Celle, in der Spe­zia­lis­ten für den inter­na­tio­na­len Einsatz aus­ge­bil­det werden.

Und wo läge er, wenn Fracking nach 2018 erlaubt würde?

Das hängt davon ab, wie viel von dem gewal­ti­gen Poten­zial, das die BGR in Deutsch­land ermit­telt hat, wirt­schaft­lich nutzbar ist. Als tech­nisch nutzbar sieht sie ein so bedeu­ten­des Poten­zial, dass die hei­mi­sche Erd­gas­för­de­rung wieder deut­lich anstei­gen und für viele Jahr­zehnte die frühere Bedeu­tung wie­der­erlan­gen könnte. Eine Studie aus dem ver­gan­ge­nen Jahr kommt zum Ergeb­nis, dass in den 2030er Jahren die hei­mi­sche Erd­gas­för­de­rung den Erd­gas­be­darf zu 35 Prozent decken könnte. …


Geschrie­ben für Brenn­stoff­spie­gel. Das voll­stän­dige Inter­view ist nur in der Ausgabe 02/2016 zu lesen. Zum kos­ten­freien Pro­be­abo geht es hier.