Fern­wärme: Einfach nur teuer

Prozesswärmekessel einer Fernwärmeanlage. Foto: BDH
Prozesswärmekessel einer Fernwärmeanlage. Foto: BDH

Fern­wärme könnte so schön sein: Die ohne Zweifel effek­tive Pro­duk­tion von Wärme und Strom, Aus­kopp­lung ers­te­rer in Wär­me­netze und Ver­sor­gung von vielen Woh­nun­gen und anderen Abneh­mern in Bal­lungs­ge­bie­ten mit hoher Anschluss­dichte. Dieses Modell sollte sich eigent­lich für alle rechnen. Tut es aber nicht.

Denn: Die Fern­wärme sind seit Jahren im Ver­gleich mit anderen Brenn­stoff­trä­gern eigent­lich nicht wett­be­werbs­fä­hig, weil viel zu teuer. Und das hat einen ein­fa­chen Grund: Das Monopol. Und in dem lebt es sich bekannt­lich wohl.

Anders als bei anderen lei­tungs­ge­bun­de­nen Ener­gien wie Strom und Gas kann es hier kein Legal Unbund­ling geben, also die Tren­nung von Wär­me­er­zeu­ger und Wär­me­netz. Pro forma exis­tiert dies zwar meist. Aber in aller Regel gibt es sowieso immer nur einen Wär­me­pro­du­zen­ten je Netz. Und das ist in aller Regel das jewei­lige Stadt­werk. Even­tu­ell wird Wärme von nahe­lie­gen­den Dampf­erzeu­gern zuge­kauft, so wie in Leipzig vom Kraft­werk Lip­pen­dorf. Doch die Preis­ge­stal­tung für die End­kun­den ver­bleibt auch hier bei den Stadt­wer­ken.

Kar­tell­wäch­ter sind heiß

Dieses Praxis geriet bereits in den Blick der Kar­tell­wäch­ter. Gegen sieben leitete das Bun­des­kar­tell­amt Ver­fah­ren ein. 2016 werden dar­auf­hin die ersten Fern­wär­me­ver­sor­ger ihre Preise senken. In Thü­rin­gen und Mecklenburg-Vorpommern haben einige Ver­sor­ger ihre Tarife bereits auf Druck der Lan­des­kar­tell­be­hör­den ange­passt.

Doch das reicht Ver­brau­cher­schüt­zern nicht. In einem heute ver­öf­fent­lich­ten Posi­ti­ons­pa­pier der Ver­brau­cher­zen­trale Bun­des­ver­band (vzbv), der Deut­sche Mie­ter­bund (DMB) und der Bun­des­ver­band Neue Ener­gie­wirt­schaft (bne) fordert unter anderem Basis­in­for­ma­tio­nen zum Preis, den zur Wär­me­er­zeu­gung ein­ge­setz­ten Ener­gie­trä­gern sowie zu Emis­sio­nen und Netz­ver­lus­ten, die zudem für Ver­brau­cher im Inter­net abruf­bar sein.

Lange Lauf­zeite, intrans­pa­rente Preise

Bemän­gelt werden ins­be­son­dere:

  • Lange Ver­trags­lauf­zei­ten von regel­mä­ßig 10 Jahren und Ver­trags­ver­län­ge­run­gen von 5 Jahren Preis­er­hö­hun­gen oder Ände­run­gen des Preis­sys­tems während der Ver­trags­lauf­zeit können Ver­brau­cher nicht durch Anbie­ter­wech­sel begeg­nen.
  • Bei Anschluss- und Benut­zungs­zwang (betrifft etwa ein Drittel aller Fernwärme-Kunden) können Ver­brau­cher oft selbst am Ende der Ver­trags­lauf­zeit nicht auf ein anderes Heiz­sys­tem umstei­gen.
  • Preis­kon­trolle durch eine Preis­re­gu­lie­rung oder eine End­preis­ge­neh­mi­gung findet nicht statt.
    Ent­wick­lung hin zu immer höheren Grund­preis­an­tei­len.
  • Ein solches Preis­sys­tem steht zudem im Wider­spruch zu Ener­gie­ef­fi­zi­enz­an­rei­zen und zur Ener­gie­wende, denn Fern­wärme basiert wesent­lich auf fos­si­len Roh­stof­fen wie Kohle und Gas.

Wie aller­dings eine Reform der Fernwärme-Gesetzgebung aus­se­hen könnte, das bleibt offen. Denn an der Versorger-Struktur wird sich nichts ändern. Hier hilft nur eine stär­kere Über­wa­chung, etwa durch die Spe­zia­lis­ten der Bun­des­netz­agen­tur. Darauf hob schon eine Studie des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Justiz und für Ver­brau­cher­schutz vom April letzten Jahres ab. Diese empfahl zudem, feste Vor­ga­ben für die Preis­ge­stal­tung zu machen.


 

Wie eine effi­zi­ente Ein­bin­dung in ein Nahwärme- und Käl­te­netz eines ganzen Uni­ver­si­täts­kli­ni­kums aus­se­hen kann, beschrei­ben meine Energieblogger-Kollegen von umspan​nen​.de hier.