Der Kunde kann die Daten seiner in ein virtuelles Kraftwerk eingebundenen Wärmepumpe jederzeit über das Tablet oder das Handy verfolgen. Foto: BWP

Lohnen sich Wärme­pumpen im virtu­ellen Kraftwerk?

von | 9. März 2017

Der Gedanke ist verlo­ckend: Wärme­pumpen laufen dann, wenn genügend Überschuss-​Strom aus Wind und Sonne am Markt ist. Dafür werden sie zu virtu­ellen Kraft­werken zusammengeschlossen. 

Sie leisten einen Beitrag zum Regel­en­er­gie­markt. Betreiber freuen sich gleich zwei Mal: Einmal über günstige Tarife und noch einmal über Erlöse aus dem Regel­en­er­gie­markt. Doch kann diese Win-​Win-​Situation überhaupt entstehen?

Um es vorweg zu nehmen: Auf die Regel­en­ergie sollte niemand ein Geschäfts­modell setzen. Seit 2013 sind die Preise für Regel­en­ergie stark einge­brochen. „Bei allen Geschäfts­mo­dellen, welche die Flexi­bi­lität von Wärme­pumpen nutzen, ist es wichtig die Kosten für Effi­zi­enz­re­duktion, Metering, und Kommu­ni­kation, sowie Verwaltung kritisch zu betrachten. Lange Ausschrei­bungs­zeit­räume am Regel­markt erhöhen die Unsi­cherheit bei der Prognose der verfüg­baren Flexi­bi­lität“, nennt der Wissen­schaftler David Fischer vom Fraun­hofer ISE weitere Unsicherheiten.

Kann es sich dennoch lohnen, Wärme­pumpen aus anderen Gründen in ein virtu­elles Kraftwerk zu stecken und damit so auf eine ausge­gli­chenere Ener­gie­bilanz zu kommen?

Die Lechwerke (LEW) haben genau das in einem Feld­versuch von 2013 bis 2016 probiert. In einer Siedlung bei Augsburg wurden 21 Häuser mit Wärme­pumpen und 23 PV-​Anlagen zu einem virtu­ellen Kraftwerk zusam­men­ge­schlossen. Hauptziel war es, mittels einer autonom arbei­tenden Steuerung den Verbrauch smarter Geräte und der Wärme­pumpen in Zeiten hoher PV-​Eigenerzeugung zu verlagern. … Aller­dings: Die Wärme­pumpen, so das über­ra­schende Ergebnis, laufen teils nur 600 Stunden im Jahr – zu wenig für ein sinn­volles Lastmanagement.

Verlo­ckendes Potenzial

Das Potenzial in Deutschland ist dennoch verlo­ckend. Gut 800.000 Wärme­pumpen entsprechen mit einer Leistung von rund 3000 MW etwa zwei Atom­kraft­werken. Zudem: Je Stunde werden bis zu 3.000 MW Regel­leistung gehandelt. Theo­re­tisch könnten bereits heute die instal­lierten Wärme­pumpen fast die gesamte benötigte Regel­leistung bereitstellen. …

Deswegen versuchen sich auch große Ener­gie­an­bieter an den virtu­ellen Kraft­werken mit Wärme­pumpen. „Man kann Wärme­pumpen clustern und in Erneuerbaren-​Kraftwerken virtuell zusam­men­schalten und bedienen“, bestätigt Björn Spiegel von ARGE Netz. …


Gekürzt. Geschrieben für Sonne, Wind & Wärme. Der voll­stän­dige Beitrag ist nur in der Print­ausgabe 03/​2017 zu lesen. Zum Abon­nement geht es hier.

Mit den Zielen der Ener­gie­wende, zu deren Baustein im Keller ja die Wärme­pumpe gehört, beschäf­tigt sich Energieblogger-​Kollege Björn Katz hier auf sei­nem Blog Strom­aus­kunft.

Frank Urbansky

Freier Jour­na­list und Fach­au­tor, unter anderem für die Fach­ma­ga­zine und Portale Brenn­stoff­spie­gel, Uniti; DW Die Woh­nungs­wirt­schaft und Immo­bi­li­en­wirt­schaft; Haufe-Lexware; Energie&Management; IVV, Huss Medien; Motor­tech­ni­sche Zeit­schrift und Sprin­ger­Pro­fes­sio­nal; Sprin­ger Fachverlag; SHK Profi und tab, Bau­ver­lag; stadt+werk, k21

4 Kommentare

  1. Benedikt Klees

    Viel inter­es­santer für die Regel­en­ergie als Wärme­pumpen können Nach­spei­cher­systeme sein. Da dort meist nur Heizwärme und seltener Warm­was­se­r­er­wärmung genutzt wird, ist das sicherlich auf den Winter beschränkt, aber die Ener­gie­menge und Abnah­me­ver­füg­barkeit wäre zumindest im Winter gegeben

    • Frank Urbansky

      Das ist wohl wahr, nur sterben die Nacht­spei­cher­hei­zungen langsam aus.

      • Benedikt Klees

        Wenn sie sich durch solch eine Regelung rechnen, würde das Aussterben gestoppt werden.

        • Frank Urbansky

          Das klappt aber weder technisch (alleinige Kosten­re­duktion reicht nicht aus) noch ener­gie­wirt­schaftlich. Die Preise auf dem Regel­en­er­gie­markt, aus dem so ein Modell bedient werden könnte, sind seit 2012 auf ein Siebtel einge­brochen. Leider, muss man ja sagen …

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